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Dorette Freiburghaus, OK-Präsidentin SM Dressur
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«Ästhetik ist einer der Eckpfeiler der Dressur»

13.06.2017 14:11
von  Katja Stuppia //

Die OK-Präsidentin der Schweizer Meisterschaften Dressur, Dorette Freiburghaus, erzählt im Interview von ihrer Begeisterung für Kunst und Pferde. Sie findet auch klare Worte zur Entwicklung des Dressursports in der Schweiz.

«PferdeWoche»: Dorette Freiburghaus, die Organisation einer Schweizer Meisterschaft ist aufwändig und auch finanziell nicht lohnend. Weshalb organisieren Sie die Dressur-SM trotzdem?
Dorette Freiburghaus: Das ist der springende Punkt. Es ist nicht einfach, Veranstalter zu finden. Im Bewusstsein dieses Mangels entschieden wir uns nach der Anfrage des Verbandes, die SM bereits 2017 durchzuführen. Ursprünglich war 2018 geplant. Das Schänzli in Basel bietet, solange es noch da ist, eine gute Infrastruktur.

Geritten wird auf dem ehrwürdigen «Schänzli», einem geschichtsträchtigen Ort. Was verbindet Sie persönlich mit dem idyllischen Turnierplatz?
Sehr viel. Die Galopprennbahn auf dem Schänzli war früher der Treffpunkt für viele Basler. Ich bin in Basel aufgewachsen, absolvierte als 16-Jährige hier mein allererstes Turnier und gewann meine erste Plakette. Die besitze ich noch immer. Es war ein Privileg, bei den traditionellen Dressurprüfungen auf dem Schänzli teilzunehmen.

Während vieler Jahre organisierten Sie die nationalen Dressurprüfungen in Bättwil. Inwiefern ist die Organisation eines nationalen Turniers mit der SM vergleichbar?
Das Grundgerüst unterscheidet sich kaum von einem nationalen Turnier. Es ist der Rahmen, den ich ganz explizit an der SM ehrwürdiger machen möchte. Viele Sponsoren, auch aus meinem privaten Umfeld, unterstützen uns in einzigartiger Weise.

Ein Turnier ohne Sponsoring und persönliche Beziehungen ist heutzutage unmöglich. Ich erhoffe mir sehr, dass das Dressurreiten in der Schweiz auch durch den Livestream von «clipmyhorse.de» mehr Beachtung findet.

Leider ist Dressur in der Schweiz nicht besonders publikumswirksam. Was tun Sie, um Zuschauer auf das Schänzli zu bringen?
Mit «clipmyhorse.de» und «Hippodata» haben wir Partner an der Seite, die mit Liveresultaten, einem Fachkommentar durch Kay Knoll und passender Musik auch nichtreitenden Zuschauern die Dressur zugänglicher machen. Ich erlebte den Kommentar von Knoll erstmals 2011 als Helferin an der SM in Deitingen und war begeis­tert. Knoll, ansonsten GP-Richter, meinte dazu, dass das Kommentieren anstrengender sei als das Richten, schliesslich müsse er auch ein Laienpublikum abholen. Um Kay Knoll zu hören, können Kopfhörer direkt auf dem Platz gemietet werden. Und schliesslich ist die musikalische Untermalung ein wichtiger Punkt, zumal Markus Hinzke sogar die Musik auf das Wesen der einzelnen Pferde abstimmt.

Erzählen Sie etwas zum Teilnehmerfeld, das von der aktuellen Schweizer- meisterin Marcela Krinke Susmelj angeführt wird.
Es freut mich sehr, dass sich bei den Jungen Reitern guter Nachwuchs he­rauskristallisiert. Hier zeigt sich, dass Equipenchefin Heidi Bemelmans seit vielen Jahren sehr gute Arbeit leistet. Die Erfolge stellen sich nun auch international ein. Estelle Wettstein hat eben die Führung in der Weltrangliste der Jungen Reiter übernommen. Diese Youngsters sind unsere Zukunft. Bei der Elite fehlen zwei, drei erfolgreiche Reiterinnen aus verschiedenen Gründen. Es bleibt festzuhalten, dass Pferde keine Sportgeräte, sondern Lebewesen sind. Wenn eine Reiterin nur ein GP-Pferd zur Verfügung hat, müssen die Einsätze sorgfältig geplant werden.

Sie sind nicht nur als Organisatorin, sondern auch als Dressurrichterin auf allen grossen Turnierplätzen der Schweiz zu Hause. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Dressursports in der Schweiz im Speziellen?
Ich beobachte Reiterinnen, beispielsweise in Deutschland, wie sich diese an die Spitze kämpfen. Der Aufwand, den sie betreiben, ist unglaublich. Eiserner Wille ist gefragt, aber nicht zu verbissen, denn dann wird man meis­tens grob. Es braucht viel Gefühl, aber auch Intellekt. Die Reiter sollen sich in das Wesen Pferd hineinfühlen und gegenseitiges Vertrauen schaffen. Nebst dem disziplinierten Training gehören inzwischen auch Öffentlichkeitsarbeit, Social Media und Presse­auftritte dazu, ausserdem finanzielle Mittel und ein gutes soziales Umfeld. Alle sollten am selben Strang ziehen, vor allem in der kleinen Schweiz. Mit einem guten Trainer, wie dies beispielsweise Georg Wahl war, steht und fällt eine ganze Entwicklung. Gute Trainer zu finden, ist schwierig. Aber die Anstrengungen von Equipenchefin Geneviève Pfister fruchten langsam. Unabhängige Trainer aus verschiedenen Nationen werden beigezogen. Das ist ein guter Ansatz.

Können Sie eine Kür überhaupt als Zuschauerin geniessen, oder haben Sie beim Zusehen automatisch Benotungen im Kopf?
Auf jeden Fall kann ich das. Im Gegenteil, ich schaue dann mehr auf das Drum und Dran. Ich finde das übrigens sehr schwer, eine gute Kür zusammenzustellen und die Stärken des Pferdes herauszubringen.

Waren Sie von Kindsbeinen an mit dem Pferdevirus infiziert?
Ich hegte als Kind nie den Wunsch, selbst zu reiten. Ich entstamme einer sportlichen Familie. Meine Mutter war als Tennisspielerin mehrfache Schweizermeis­terin und meine Grossmutter eine grosse Reiterin. Ich spielte auch Tennis, hatte dann aber bei meinem pferdebegeisterten Grossonkel nach einem Strandritt in Spanien ein Schlüsselerlebnis. Als er mir bei einem Besuch in der Schweiz ein Reitabonnement der Reitschule St. Jakob schenkte, war es definitiv um mich geschehen. Das war 1963, ich war 13 Jahre alt. Von da an verbrachte ich jede freie Minute im Stall.

Ich half mit, putzte Fenster und fettete Zäume, und dann durften wir jeweils als Dankeschön ein Pferd trockenführen oder sogar trockenreiten. Mit 23 Jahren kaufte ich von meinem Ersparten mein erstes, eigenes Pferd an einer Hannoveraner­auktion. Es war eine zweijährige Stute, die ich später bis zur Kategorie M ausbildete und mit der ich auch in den Genuss von Reitunterricht bei Georg Wahl kam. Auch danach kaufte ich immer junge Pferde. Deren Ausbildung bereitete mir unendlich viel Freude.

Sie verbringen zwar nach wie vor viel Zeit bei und mit den Pferden, sind aber auch sehr kunstinteressiert. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Ihren Interessen?
Das ist eine reine Organisationssache. Wir sind in Basel, was Museen und Kunst betrifft, sehr privilegiert. Ich will auch Menschen kennenlernen, die einen anderen Back­ground haben und meinen Horizont immer erweitern. Dressurreiten hat übrigens genauso viel mit Ästhetik zu tun wie Kunst. Dies hielt bereits Henri Chammartin fest, als er erklärte, dass Eleganz, feine Reitweise und ein harmonisches Gesamtbild genauso zum Dressurreiten gehören würden wie exaktes Reiten. Als Richterin rufe ich mir dies immer wieder in Erinnerung. Wenn jemand sehr schön und elegant auf dem Pferd sitzt, es leicht aussieht und man die Hilfen kaum erkennt, dann soll dies honoriert werden. Ästhetik kommt in beiderlei, Kunst und Dressur, zum Tragen, das ist nicht unterschiedlich.

Was wünschen Sie sich für die Schweizer Meisterschaften auf dem Basler Schänzli?
Dass es von der Stimmung her eine gute Sache gibt. Es ist eine SM, bei der es um relativ viel geht, dies aber mit Betonung auf relativ. Es sind Pferde, Lebewesen, involviert. Da kann man nicht alles bis ins letzte Detail vorausplanen. Ich hoffe, dass wir ein gutes Echo von den Zuschauern erhalten.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 23/2017)

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