Suche
Bronislav Chudyba mit Tina Pol.
Previous Next
Aktuelle Themen

«Broni» hat bei Tina viele Boni

07.08.2018 11:20
von  Text: Peter Wyrsch/Fotos: Katja Stuppia //

Zwei starke Partner haben sich gefunden. Er, Bronislav Chudyba, 29-jährig, Springreiter aus der Slowakei. Sie, Tina Pol, im Oktober 50-jährig, Pferdebesitzerin und Sportstallmanagerin in Steinhausen, der flächenmässig kleinsten Zuger Gemeinde. Seit sechs Jahren sind sie Pferdepartner und bilden gemeinsam eine vielversprechende Turniergemeinschaft. «Broni», wie seine Freunde ihn nennen, hat bei Tina viele Boni (Bonuspunkte). «Er ist talentiert, fleissig, willensstark, selbstsicher, eine Frohnatur und liebt Pferde über alles. Gemeinsamkeiten, die uns verbinden.»

Zehn Jahre lang hat die einstige Springreiterin Tina Pol, die schon als Vierjährige auf einem Pony sass, einen eigenen Pferdestall gesucht. Im Hof Bann, eingebettet in der sanften Hügellandschaft des Zugerlandes und nur einen Steinwurf nebst der Gren­ze zum Kanton Zürich gelegen, wurde sie Ende 2001 fündig. Ihre eigene Spring­reiterkarriere hatte die Tochter von Esther Steiner und Stiefvater Domenic Steiner, des Gründers der Kaffeehausvollautomatenkette Thermoplan AG mit Sitz in Weggis, 2011 nach Jahren der Aus- und Weiterbildung ad acta gelegt.

«Broni» mit seiner Crew und Chefin Tina Pol (2. v. l.).

Als Mädchen übte Tina mit Niklaus Wigger, danach verbrachte sie über vier Jahre bei Hansueli Sprunger auf der Galms in Basel und drei Jahre bei Willi Melliger in Neuendorf. Sie bestritt mit Be­geis­terung, aber hinlänglichem Erfolg Turniere bis Fünfsternniveau im In- und Ausland. «Früher habe ich zwar Ponyrennen gewonnen, das grösste Reittalent war ich aber nicht. Aber Pferde sind mein Leben. Ich bin quasi mit diesen edlen Geschöpfen verheiratet.»

Job per Handy
Nach Beendigung ihrer aktiven Reiterlaufbahn such­te Tina Pol einen begabten, entwicklungsfähigen jungen Turnierreiter. «Per Telefon meldete sich ‘Broni’. Wir vereinbarten ein Treffen und spürten bald, dass wir gleich tickten und unsere Ansichten über Pfer­de, deren Aus- und Weiterbildung und den Turniersport deckungsgleich waren», erzählt Tina Pol. Die Zusammenarbeit, die nun schon seit sechseinhalb Jahren fruchtet, war gebongt. Sie hatte eine harmonierende, gut funktionierende Pferdefamilie zusammen, der derzeit sieben Angestellte angehören. Neben Bronislav Chudyba ist der Deutsche Dirk Strobel zweiter Turnierreiter. Drei Pferdepfleger teilen sich jeweils den Groomjob an Turnieren.

Frohnatur Bronislav Chudyba im Sattel von Extasy.

Die elfjährige Holsteinerstute Zapria ist derzeit der Star im Stall.

Christoph Könemann heisst der erfahrene Stallmeister auf der Bann und Gärtner Gerry, der die Liebe zu Bäumen, Pflanzen und zur Erhaltung der Natur mit Tina teilt, ist der verlässliche Partner im gepflegten Hof mit Reithalle, grünem Springgarten, Rennbahn, Sandplatz, Karussell und grosszügigen Stallungen mit zwei Flügeln. Tina selbst wohnt nicht im Areal ihres Sportstalles, dessen Alleinbesitzerin sie seit Anfang Jahres ist. Sie ist im aargauischen Buttwil im Bezirk Muri daheim. Daheim mit ihren Pensionspferden, die bei ihr ihren letzten Lebensabschnitt verbringen. Der Prominenteste ist Peu à Peu, mit dem Daniel Etter 2009 in Windsor EM-Teamgold gewann und im Einzelklassement als Sechs­ter bester Schweizer war. Der Westfalenwallach wurde 2010 aus dem Spitzensport zurückgezogen und geniesst mit 22 Jahren seinen Lebensabend häufig auf der Weide.

21 Sportpferde
Insgesamt werden in Steinhausen 21 Sportpferde verschiedenen Alters betreut und gefördert. Der Star im Stall ist derzeit die elfjäh­rige Holsteinerstute Zapria (Colman – Etania), die Chudyba als Einzelreiter für die Slowakei auch an den Weltreiterspielen im September in Tryon vorstellen wird. «Ein Start im Einzelfinal der besten 25 wäre mein Traumziel», sagt der bescheidene, aber ehrgeizige Reitersmann. Tryon sind seine zweiten Weltreiterspiele. Schon vor vier Jahren in Caen vertrat er als Einzelreiter sein Heimatland. Mit dem Westfalen Concano sammelte er Erfahrungen auf höchs­tem Niveau, von denen er nach eigenen Worten viel profitieren und lernen konnte.

Das zweite derzeitige Spitzenpferd in «Bronis» Beritt ist der zehnjährige Oldenburger Lester (Lord Pezi – Palandina).

Broni mit seiner WM-Hoffnung Zapria am CSIO in St. Gallen.


Dieses Jahr hat Zapria ihre Qualitäten schon am CSIO St. Gallen (9.) und am CSI Arezzo (5.) über 150er-Parcours unter Beweis gestellt und überzeugte Ende Juni auch mit einem Doppelnuller im Zweiphasenspringen im belgischen Knokke. «Auch mit dem Sieg in der Qualifikation zur Schweizer Meisterschaft in Galgenen und dem dritten GP-Rang am CSI in Vilamoura legten wir Zeugnis unserer guten Form ab.» Der bisher gröss­te Effort gelang dem WM-Paar am 20. August 2016 im Grand Prix in St. Moritz. «Ich wurde überraschend Vierter und kassierte das bislang höchste Preisgeld von 25000 Franken», schiebt Broni stolz nach.


WEG mit Zapria
Zapria wurde von Tina Pol vor fünf Jahren als «grünes», sechsjähriges Pferd erworben. Behutsam sei sie ohne Druck ausgebildet worden. «‘Broni’ verfügt über viel Einfühlungsvermögen. Das Wohl der Pferde steht bei uns allen an erster Stelle, nicht der Erfolg. Selbstverständlich freuen wir uns über jeden Sieg und jede Klassierung, aber wir pressen unsere Pferde nicht wie Zitronen aus.

Behutsame Ausbildung und das Wohl der Pferde stehen im Stall von Tina Pol an erster Stelle.

Sie sollen Spass am Sport haben und keinen Zwang verspüren.» Das zweite derzeitige Spitzenpferd in «Bronis» Beritt ist der zehnjährige Oldenburger Lester (Lord Pezi – Palandina). Den Wallach haben die Pferdehändler Hauri in Seon importiert. Er ging als Achtjähriger zu Pius Schwizer, der mit ihm einige Platzierungen erreichte, ehe er vereinzelt stehen blieb. Mitte 2017 wurde er während sechs Monaten von Chudyba getestet, der viel Zeit und Geduld investierte, um ihm wieder Vertrauen zu schenken. Dieses wurde belohnt, unter anderem mit dem GP-Sieg am Zweisternturnier Ende Mai dieses Jahres im österreichischen Ranshofen.

Mit 16 ausgezogen
Bronislav wusste früh, was er werden wollte. «Pferde und Reiten hatte ich immer im Kopf. Aber in der Slowakei ist der Pferde­sport auf einem tiefen Niveau und ich wollte unbedingt meinen Traum verwirklichen.» So zog er nach absolvierter Schulpficht mit 16 Jahren von Bratis­lava weg. Er verbrachte ein Jahr in Tschechien, 18 Monate in Polen, dann einige Zeit in Deutschland, ehe er in den Jura dislozierte und geschätzter Bereiter im Stall Smits von Edwin und Dehlia Oeuvray Smits wurde. Die Nummer 170 der Weltrangliste (Stand Ende Juli) bereitet Zapria auf seine zweite WM vor. Zwei Vorbereitungsturnie­re sind geplant, ehe das Pferd von Lüttich aus in die Staaten fliegt und für 42 Stunden in die Quarantäne muss. «Auch viel Seelenarbeit ist angesagt. Häufig wird Zapria im Gelände geritten», verrät der ambitionierte Reiter, der sieben Sprachen spricht und Geschichte als sein Lieblingsschulfach angibt.

Kiki immer dabei
«Broni» hat aber nicht nur ein Herz für Pferde, sondern auch für seinen Labrador Kiki, den er einst von einem Turnier in Vidauban (FRA) mit nach Hause nahm. Seither sind die beiden unzertrennlich. Auch Fische mag der Slowake. Nicht nur gegrillt auf dem Teller, sondern schwimmend in Aquarien. Er selbst besitzt in seinem Heim in Steinhausen deren zwei, eines mit Süss-, eines mit Salzwasser.

Chudyba verbringt viel Zeit mit seinem Labrador Kiki.


Rund 20 Nationenpreise hat Chudyba für die Slowakei in der zweiten Division bestritten. Er ist mit Gewissheit der stärkste Springreiter seines Landes. «Ich habe viel von anderen Reitern abgeschaut, vor allem Marcus Ehning und sein Stil beeindrucken mich. Ich glaube, viel Gefühl und Verständnis für Pferde zu haben, bin ruhig und geduldig, kann mich aber täglich noch verbessern. Im Leben und mit Pferden hat man nie ausgelernt.»

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 31/2018)

[...zurück]