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Anne Schmatelka will Losgelassenheit bei Pferden fördern.
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Das Glück liegt auf dem gesunden Pferderücken

04.04.2017 15:38
von  Chantal Kunz //

Es ist der Name ihres ersten Buches, ihre Philosophie, wenn es um Pferde geht und der Titel ihres Projektes. Anne Schmatelka ist stehts um die Losgelassenheit der Pferde bemüht. Dies möchte sie den Reitern auf verschiedene Arten vermitteln. Sie selber hat sich dazu in den Bereichen Osteopathie, Biomechanik, Hufe und Sattellehre weitergebildet. In Seminaren gibt sie ihr Wissen weiter und hat schon einige als unreitbar eingestufte Pferde wieder aufgebaut.

Anne Schmatelka hat sich voll und ganz den Pferden verschrieben. Sie hat bereits drei Bücher und weit über 150 Artikel weltweit veröffentlicht und gibt ihr Wissen in Seminaren und Vorträgen weiter. Ihre Konzentration legt sie dabei auf den Rücken der Pferde und die Losgelassenheit. Danach ist auch eines ihrer Bücher und ihr aktuelles Projekt benannt. Ihr erstes Buch hat sie vor sechs Jahren veröffentlicht. «Über den Rücken» heisst dieses und soll zeigen, dass Pferde mit Rückenproblemen und «Kissing Spines» wieder gesund reitbar werden können. Bücher zu schreiben habe sie aber nie geplant, sagt die Deutsche. «Ich hatte damals ein Pferd mit massiven Rückenproblemen und dessen Geschichte und Entwicklung habe ich für mich dokumentiert. Darauf habe ich einen Anruf einer Freundin bekommen. Sie habe ein Pferd mit Rückenproblemen und suche Hilfe. Dann habe ich ihr die Dokumentation geschickt. Sie sagte mir bald darauf, das müsse man als Buch veröffentlichen.» Prompt habe dies geklappt, erzählt Schmatelka und fügt an, wie erstaunt sie damals war. Unterdessen schreibe sie bereits am vierten Buch. «Ich glaube, das wird das wichtigste meiner Bücher.» Darin habe sie alle Methoden ohne sie anzugreifen aufgegriffen und anhand von Biomechanik und Muskelbau der Pferde unter die Lupe genommen. «Wie ich bin, habe ich meine Erkenntnisse humorvoll bissig formuliert», sagt sie grinsend. Die Leser sollen schmunzeln und trotzdem viel lernen. 

Los-gelassen

«Trotz den Seminaren, Vorträgen und Veröffentlichungen habe ich das Gefühl, dass ich nicht genug bewirken kann», reüssiert Schmatelka. Also hat sie ein Projekt gestartet. Dieses trägt den Namen «los-gelassen». «Zuerst wollte ich es ja ‘ausgedient’ nennen. Doch dies war so negativ. ‘Los-gelassen’ dagegen hat mit Freude und Freiheit zu tun, das ist positiv.» Mit dem Projekt will Anne Schmatelka Reiter unterstützen, deren Pferde Rückenprobleme haben. Sei dies über telefonische oder virtuelle Beratung oder gleich vor Ort. «Oft haben die Menschen, die zu mir kommen, schon viele Tierärzte, Osteopathen und andere Stationen hinter sich und wissen nicht mehr weiter.» Die Hilfe per E-Mail sei kos­tenlos, sagt die Pferdefreundin. «Ich will den Menschen mit ihren Tieren helfen.» Mit etwas Hilfe von grossen Sponsoren, die das Projekt unterstützen, funktioniere das Ganze aber sehr gut und hat seit ungefähr einem Jahr 2000 Abonnenten. Das Projekt «los-gelassen» sei mittlerweile fast ein Fulltimejob. Zudem hat Schmatelka noch drei eigene Pferde im Stall. Aktuell steht zusätzlich noch ein Pferd aus dem Los-gelassen-Projekt dabei. «Der gehört auch schon fast zum Inventar, der kann auch bei uns bleiben.» Das Pferd sei mit einem komplett kaputten Rücken zu ihr gekommen. «Die Besitzerin war wirklich verzweifelt und kam extra aus dem 600 Kilometer entfernten Augsburg zu mir.» Der Vierbeiner gehe jetzt wieder schmerzfrei. «Das zeigt mir, dass man eigentlich immer etwas machen kann. Es kommt aber auf die Dosierung an und darauf, was man wann und wie machen soll.»

Rückenprobleme

Für Rückenprobleme der Pferde gibt es verschiedene Ursachen. Die Pferde sind mit dem Huf nicht korrekt gestellt oder der Beschlag ist nicht korrekt. Der Sattel passt nicht, das Pferd ist nicht losgelassen und es sind entsprechende reiterliche Defizite vorhanden. «Ich bin Perfektionistin, deshalb hat es mir nicht gereicht, Reitlehrerin zu sein. Ich habe mich in der Biomechanik, Osteopathie, Hufpflege und Sattellehre weitergebildet. Dazu ritt ich 13 Jahre lang bei dem deutschen Bundes­trainer Siegfried Peillicke.» So konnte sich Schmatelka ein umfassendes und ganzheitliches Wissen über die Vierbeiner aneignen. Sie reitet selbst bis in die hohe Klasse. Die meisten Pferde seien heute so schwungvoll und ausdrucksstark gezüchtet, dass die meisten schon beim Leichttraben überfordert seien. So kämen auch viele Probleme im Rückenbereich zustande, sagt die 51-Jährige. «98 Prozent der Probleme der Pferde sitzen oben drauf, die restlichen zwei Prozent sind Unwägbarkeiten, auf die wir keinen Einfluss haben.»

Anne Schmatelka nutzt auch das Gelände für das richtige Training.  

Die reiterliche Karriere

Wie so viele andere hat auch Anne Schmatelka als Kind mit dem Reiten begonnen. Ihre Eltern hätten aber keine Beziehung zu Pferden gehabt. «Früher bin ich mit dem Pony durch das Gelände gesaust.» Eines Tages habe sie dann eine Freundin besucht, die ein teures Dressurpferd in einem grossen Stall stehen hatte. Dabei habe sie sich gedacht: «Das ist es! Jetzt werde ich Dressurreiterin.» Das Pony habe dann aber nicht mehr so ganz dazu gepasst, obwohl Schmatelka es versucht habe, wie sie erzählt. So habe sie ein ausgedientes Grand-Prix-Pferd gekauft. «Natürlich habe ich dann zuerst auf die passende Ausrüstung geachtet und immer die passende Schabracke, die passenden Bandagen und die passende Weste rausgesucht.» Nur habe sie merken müssen, dass es beim Reiten mit dem Pferd überhaupt nicht funktioniert hat. Sie habe sich eingestehen müssen, dass sie reiterlich wohl noch nicht so weit war. «Deshalb habe ich das Pferd zurück zur Besitzerin gestellt und bin jedes Wochenende 500 Kilometer gefahren, um bei ihr richtig reiten zu lernen.» Später habe sie dann den dreijährigen Hengst Rubinstein gekauft, erzählt die Deutsche. «Das war das Desaster meines Lebens.» Der Hengst sei eingesetzt worden, um he­rauszufinden, ob die Stuten wirklich bereit zum Decken sind. Dadurch sei er ständig unter Reiz gestanden und daher schwer zu handhaben gewesen. Doch Schmatelka gab nicht auf und ging mit Rubinstein zu Bundestrainer Siegfried Peillicke. «Er hat mir immer wieder gesagt, dass ich ziemlich schlecht reite», erinnert sich die Deutsche mit einem Lachen. «Er hatte schon Recht. Ich konnte zwar S-Lektionen mit meinem Wendeburg reiten, doch eigentlich eher, weil er es konnte. Ich selber wusste eigentlich gar nicht genau, was ich tun muss.» Bei Peillicke habe sie dann richtig reiten gelernt. Später kam dann der Kontakt zu Paul Stecken, welcher Schmatelka als Mentor zur Seite stand. «Heute sehe ich Pferde auf der Wiese stehen und kann sagen, wo die reiterlichen Probleme liegen.» Doch der Weg dahin sei lang gewesen. «Ein Leben reicht nicht aus, um reiten zu lernen», zitiert Schmatelka Felix Brückner. Viele suchen dann den leichteren Weg, welcher nicht immer gut ist für das Pferd. «Auch für mich war es schwierig, einzugestehen, dass ich das Pferd nicht richtig geritten habe.»  

Ruhe und Glück gefunden

Ursprünglich hat Anne Schmatelka Psychologie studiert, aber nicht abgeschlossen. «Als Jugendliche bin ich viel lieber durch die Welt getingelt», erklärt sie. Dann habe sie eine Ausbildung als Coach für Führungskräfte gemacht und 25 Jahre lang Managementtrainings und Konfliktmediation gegeben. «Irgendwann steckt man das nicht mehr weg und so hatte ich zwei Burnouts nacheinander.» Von einem Tag auf den anderen habe sie ihre Wohnung und alles verkauft und wollte etwas ganz anderes machen. Schon damals habe sie täglich ihre fünf Pferde neben dem Vollzeitjob bewegt, sagt die 51-Jährige. Sie entschied sich, von da an mit den Vierbeinern zu arbeiten. «Durch mein finanzielles Polster konnte ich auch richtig gesund werden. Ich verdiene heute zwar einen Bruchteil von dem, was ich früher verdient habe. Aber ich weiss, das, was ich jetzt mache, ist meine Berufung und das mache ich mit voller Überzeugung. Ich bin jetzt wirklich glücklich.» Durch Zufall habe sie ein Haus mit Stall und grossen Weiden bei Warendorf in Deutschland gefunden. «Da habe ich absolut meine Ruhe, es ist traumhaft.» Der Besitzer der Anlage sei ein Grossbauer, der die Pferdetrainerin unterstützt. Sie könne nun auch den Wald für ihre Geländestrecke nutzen, erzählt sie strahlend. Das Grundstück habe sie für sich alleine, da sie nicht in einer Beziehung lebe. «Die Beziehungen sind immer an den vierbeinigen Begleitern gescheitert.» Es sei sehr schwierig, eine Partnerschaft zu führen und doch mit dieser Intensität ihren Beruf auszuüben. «Man muss einen Partner haben, der das wirklich trägt, sonst klappt das nicht. Wenn ich mitten in der Nacht eine Mail einer verzweifelten Pferdebesitzerin bekomme und noch wach bin, antworte ich auch gleich.» Ausserdem gibt es noch drei Hunde im Leben von Anne Schmatelka. So liege auf jedem Sessel eine Hundedecke und unter jedem Heizkörper stehe ein Hundekorb. Auch für Gäste ist Platz:«Es steht aber immer ein Gästezimmer und eine Gästebox für Besucher bereit», so Schmatelka. Sie würde zwar auch Online-Sprechstunden per Skype anbieten. Jedoch seien die Fragen oft zu komplex, um online abschliessend beantwortet zu werden. Deshalb fahre sie wenn möglich zu den Leuten hin oder sie kämen zu ihr. Obwohl voll ausgelastet, bleibe ihr manchmal doch ein wenig Zeit, um den Kopf freizubekommen. «Dazu grabe ich jeweils meinen Garten um. Mein Jack Russel gräbt ja gerne Löcher, also muss ich nicht mehr so viel machen und nur noch die Pflanzen reinsetzen.»

Ihr Leben hat sie den Pferden und Hunden verschrieben.

 

 

 

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 13/2017)

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