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Yannick Jorand.
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Den Traum verwirklicht

05.02.2019 09:22
von  Christian Maillard //

Es ist eine Prise Schalk im lebhaften, durchdringenden Blick dieses gradlinigen, bescheidenen und anziehenden Mannes, der weiss, was er will in seinem Leben. Aber es ist vor allem diese kleine Flamme, die in den Augen von Yannick Jorand funkelt, wenn er beispielsweise vom CHI Genf spricht. Es ist ein gehöriges Stück seiner Jugend, das da den geheimsten, schönsten Winkeln seiner Erinnerungen entflieht,
es erinnert ihn an die magischen, im Kreis der Familie auf den Stufen des Palexpo verbrachten Momente, wo sie den schönsten Pferden der Welt Beifall spendeten.

Grosser Einsatz am CSIO Spruce Meadows in Calgary (CAN).

«Ich dachte mir, dass ich vielleicht, eines Tages, das Glück haben werde, in dieser wunderbaren Arena des Palexpo zu reiten, auch wenn ich vor allem den Eindruck hatte, dass dies kaum je möglich sein würde», lächelt der 27-jährige Genfer Kaderspringreiter, der sich diesen «Kindertraum» bereits im Jahr 2017 erfüllt hat. Unvergesslich! «Zu Hause, vor den Augen seiner Liebs­ten, an einem der bes­ten Turniere der Welt teilnehmen zu können, das ist das reinste Glück», schwärmt einer, der sich als «aufgeschlossenen Amateurreiter» bezeichnet, unendlich glücklich, im vergangenen Dezember zum zweiten Mal in seiner Karriere sich an diesem «idyllischen Ort» wiederzufinden. «Hier ist alles so gut organisiert, alles findet in einem bemerkenswert sportlichen Geist statt», freut sich dieser grosse welsche Hoffnungsträger, der eine Wildcard erritten hat und nun unter den ganz Grossen figurierte, sich selbst belohnend für seine beeindruckende Regelmässigkeit während der diesjährigen Etappen der Selektion. Diese Regelmässigkeit, die ihm schliess­lich die Aufnahme in die offizielle Auswahl von Equipenchef Andy Kistler verschafft hat, sodass er zum ersten Mal alle Prüfungen im Palexpo bestreiten durfte.

Yannick Jorand ist ein echter Amateur: Hauptberuflich arbeitet er als Verantwortlicher in einer Treuhandfirma. Fotos: Augusto Tomassetti

Sich unter die Besten mischen zu können, bietet eine goldene Gelegenheit, die Stars und vor allem sein Idol zu treffen, den Deutschen Marcus Ehning. «Er ist sehr klar und genau, also alles, was ich liebe», präzisiert sein Bewunderer. «Bei ihm wird nichts dem Zufall überlassen, alles ist berechnet. Es ist wahrhaftig wie hohe Uhrmacherkunst, wo alles so ineinandergreift, wie er es haben will. Es ist wunderbar, ihn bei der Arbeit zu beobachten.» Yannick Jorand verbirgt seine Freude nicht, andere grosse Champions herausfordern zu können, die «dieses gewisse Körnchen Irrsinn und den Siegeswillen in sich tragen», die er ebenso sehr bewundert. Es gibt nicht nur eine Reitweise, die ihn inspiriert und die ihm entspricht. «Das Wichtige», fährt dieser Purist fort, «ist die Beziehung zwischen dem Tier und dem Reiter. Ein Pferd ist sehr empfindsam, es hat eine eigene Persönlichkeit wie der Mensch», meint der «Zwilling», der selbst einen starken Charakter hat und ein «Prinzipienreiter» ist. Beweis gefällig? Bei Tisch verzehrt er eine Speise nach der anderen, ohne sie zu vermischen.
«Er ist talentiert, zäh und arbeitet hart, er hat gute Anlagen», meint Michel Sorg, stellvertretender Direktor des CHI Genf und neuer Chef Sport des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport (SVPS). Er schätzt «diesen bescheidenen Jungen, der sich Zeit genommen hat, die Stufen eine nach der anderen zu erklimmen. Er gibt immer sein Bestes, ohne sich zu überschätzen, das ist sein Geheimnis.» Die Leiter ist hoch, aber er klettert!

Der Virus hat ihn in den Ferien erwischt

Seine Mutter und seine Schwester haben ihm die Passion übertragen, wie stolz sind sie jetzt auf den «Kleinen». «Wir waren in den Ferien im Club Med in Pompadour im Departement Corrèze, ich muss zwölf gewesen sein, als ich erstmals den Fuss in den Steigbügel setzte», erinnert sich Yannick, der bald darauf «Et Cetera», das Pferd seiner Mutter, mit ihr teilen sollte, das er sehr bald im Griff hatte. «Ich habe stets diese Beziehung geliebt, die man mit einem Pferd aufbauen kann», fährt dieser Tierfreund fort, der bald einmal Judo und Tennis sausen liess, um sein Hobby zu einer regelmässigen Tätigkeit auszubauen. Aber vor dem grossen Schritt, um mit den Stangen zu spielen, musste er zu «tanzen» beginnen mit seinem Wallach, Schritt für Schritt, keinen auslassend.

Nach der Büroarbeit geht es im Stall an die Arbeit.

«Am Anfang hatte ich keine Wahl», erinnert sich Yannick. «Jeder Anfänger muss zuerst durch die Dressur, bis er das nötige Niveau erreicht hat, um sich mit den Hindernissen zu befassen. Das Springen ist meines Erachtens das höchste der Gefühle, das hat mich am meisten angezogen. Eine Stange, entweder gefallen oder nicht, ist weniger subjektiv als das Urteil der Richter. Selbst wenn ich beide Disziplinen mag, ich habe das Risiko und die Geschwindigkeit vorgezogen, sie bedeuten die grössere Herausforderung.» Falls der Genfer Reiter ins Wörterbuch aufgenommen werden sollte, müsste der Ausdruck «beharrlich» neben seinem Namen stehen. Bei einem Problem reitet er nie im Galopp an, da «brennt er gleich durch». «Und ich packe gehörig zu», schmunzelt er. Und steigt aufs hohe Ross, of course.

Seine vier Pferde 

Wenn er seine vier Exemplare «der edelsten Eroberung des Menschen» – eines schöner als das andere – beschreiben soll, gerät er ins Schwärmen, sein Herz schlägt schneller als sonst. «Man verbringt viel Zeit mit diesen Tieren, die man schon immer geliebt hat», meint Yannick, der vor ihnen schmilzt wie der Schnee im März, wenn er sich den Stallungen in Saint-Julien nähert, wo sie ihn ungeduldig erwarten. «Es sind wunderbare Pferde, unsere Beziehung kann nicht anders sein als sehr eng.»

Das siegreiche Team in Marokko mit (v. l.): Pius Schwizer, Elian Baumann, Equipenchef Andy Kistler, Pauline Zoller und Yannick Jorand.

Mit Cipetto, einem elf­jährigen Holsteinerwallach, hatte er seine bisher grössten Erfolge. «Er ist sehr sensibel und eher ängstlich. Das geringste Geräusch macht ihn miss­trauisch, er ist aber ein grossartiges Pferd, im Wettkampf gibt er alles.» Er könnte stundenlang über ihn erzählen. Sein zweites Pferd, Dominka B, ein elfjähriger Niederländerhengst, ist ebenso erfolg­reich. «Der ist überhaupt nicht ängstlich, wenn es brenzlig wird, steht er in der ersten Reihe, er ist der Kämpferischste meiner Truppe. Im Training ist er zerstreut, schaut gerne nach links und rechts, aber einmal am Start, gibt es keine Probleme mehr.» Best of Opus Dei Z, sein zweiter Hengst, 14-jährig, und Shere Khan de Bornat, ein 13-jähriger Franzosenwallach, erlauben seinen beiden Speerspitzen, sich zwischen zwei Einsätzen etwas auszuruhen. 

«Nebenjob»

Als Verantwortlicher einer Treuhandfirma (Buchhaltung und Vermögensverwaltung), der seinen Beruf so gut wie möglich mit dem zu vereinbaren versucht, was weit mehr als ein Hobby geworden ist, braucht kein «Schäfchenzählen», um abends einschlafen zu können. «Es ist schon dann nicht einfach, wenn man Profi ist, mit einem Beruf daneben ist es natürlich noch komplizierter», seufzt der Inhaber eines Meisterdiploms in Wirtschaft. «Ich beginne meinen Tag früh und beende ihn spät. Aber ich kann zum Glück auf ein gutes Team zählen, wo jeder seine Aufgabe hat. Meine Schwester hilft mir im Alltag, ich habe die Unterstützung meiner Eltern im Familienbetrieb, Jean-Gabriel, Groom mit 100-Prozent-Pensum, kümmert sich um meine Pferde. Ohne dieses Umfeld wäre es nicht möglich.» Seine ganze Familie ist dabei glücklich.
Dank dieser Zusammenarbeit konnte Yannick Jorand im vergangenen Herbst am CSIO Calgary teilnehmen, eine der vier Etappen des Rolex Grand Slam. «Auch wenn es weniger gut gelaufen ist, als erhofft, habe ich durch diese Erfahrung in Kanada Fortschritte erzielt, es war sozusagen Glück durch Unglück», relativiert der Reiter, der Misserfolge schlecht verdaut, aber dennoch zufrieden ist, dass diese Saison ihm die Qualifikation für Genf eingebracht hat.

Seinen Traum erfüllt: Jorand im vergangenen Dezember mit Cipetto am CHI Genf.

Als Dritter des «championnat romand» vergisst er, dass er auch in Marokko erfolgreich war (Dritter im Grand Prix und Sieger im Nationenpreis). «Nach den ausgezeichneten Jahren 2017 und 2018 steht er am Anfang eines schönen Abenteuers», schätzt Michel Sorg. «Und es ist nicht zu Ende, er ist ganz nach oben gekommen durch seine Geduld, auf intelligente Weise, dank einer soliden Ausbildung und der Mitarbeit von Cipetto, ein absoluter ‘Crack’. Je höher es wird, umso mehr Spass hat dieser Kämpfer, dem man den Mond verspricht, der aber immer mit den Füssen am Boden bleibt.» Was noch zu vermerken wäre: Yannick ist seit diesem Jahr Mitglied im Elitekader. Und er hat sich seinen Traum verwirklicht, er ist im Dezember am CHI Genf im Palexpo geritten.

Übersetzung: René Pezold
Dieser Artikel erschien im offiziellen Programm des CHI Genf 2018.
Mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers «PIM Sportsguide SA».

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 5/2019)

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