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Maria Hernek übergibt Mathias Löchner (General Steward Springen) die Kursbestätigung.
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Der Pferdesport verträgt keine negativen Schlagzeilen

31.10.2017 12:30
von  Thomas Häsler //

An den unter der Aufsicht der FEI durchgeführten internationalen Pferdesportveranstaltungen werden Stewards eingesetzt. Als Mitglied der Jury sind sie in Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee zuständig für das Wohl der Pferde in den Stallungen, dem Abreitplatz sowie die Bereitstellung von fairen Wettkampfbedingungen. Die Stewards müssen dabei regelmässig an Fortbildungskursen teilnehmen. Einer davon fand am Wochenende unter der Ägide des Schweizerischen ­Verbandes für Pferdesport (SVPS) in Bern statt.


Die Stewards werden vom internationalen Reitsportdachverband FEI ausgebildet und durchlaufen für die einzelnen Disziplinen separate Ausbildungskonzepte, obwohl die Aufgaben grundsätzlich ähnlich sind. Die Stewards müssen alle drei Jahre obligatorische Fortbildungskurse besuchen. Unter der Leitung von Jacques Van Daele (Belgien), Chefsteward der FEI für Dressur, und Maria Hernek (Schweden), Kursdirektorin Springen, haben 15 Teilnehmer aus der Schweiz, Frankreich, Belgien, Italien und England das zweitägige Seminar in Bern besucht. Die Gruss­worte des SVPS überbrachte Vorstandsmitglied Peter Christen.

Basis für den Erfolg
«Der Pferdesport verträgt keine negativen Schlagzeilen in der Öffentlichkeit; andere Sportarten und auch gewisse Medien warten auf Geschichten und machen Druck, dass der Pferdesport aus dem olympischen Programm gestrichen wird. Alle müssen sich anstrengen, dass dies nicht passiert. Sponsoren tolerieren es nicht, wenn ihr oft grosses Engagement in ein negatives Licht gezogen wird.» Mit diesen Worten sprach Kursleiter Jacques Van Daele gleichermassen Organisatoren, Reiter und Funktionäre an. Die FEI ihrerseits ist sich dieser Situation bewusst und hat mit ihren Weisungen Bedingungen geschaffen, welche das Wohl der Pferde und faire sportliche Bedingungen in den Vordergrund stellen. Deshalb werden an internationalen Turnieren die Stallungen und die Arbeit der Grooms und Reiter mit ihren Pferden sozusagen rund um die Uhr von ausgebildeten Stewards be­gleitet. Ein wichtiges Kapitel dabei ist die Sicherheit der wertvollen Pferde. Zudem sind offizielle Trainingszeiten einzuhalten und es ist vorgeschrieben, welche Hindernisse man aufstellen darf und welche nicht. «Früher sind die Stewards eher wie Polizisten aufgetreten, das hat sich geändert. Heute sucht man eine gute Zusammenarbeit primär mit den Grooms, welche oft alles unternehmen, dass es ihren Schützlingen gut geht sowie den Reitern, welche professionelle Bedingungen antreffen wollen», so der Belgier.

Oben: Kursteilnehmer und Referenten aus sechs Ländern, die (unten) auch Zeit für einen Besuch im Museum der ehemaligen Empfa hatten.

Die Basis für den Erfolg sei entsprechend eine gute Kommunikation. Auf die Frage, wie er das laufende Jahr in der Disziplin Dressur bezüglich Stewarding beurteile und ob die aktuell gültigen Reglementarien genügen, beantwortete Jacques Van Daele wie folgt: «Die momentan gültigen Weisungen sind gut, es besteht kein Handlungsbedarf. Von uns wird professionelle Arbeit erwartet. Wir arbeiten mit den verschiedenen Interessengruppen wie Organisatoren, Trainerclub, Richtervereinigung und Reitervertretern zusammen. Änderungen, auch wenn sie geringfügig sind, sind jedoch zeitintensiv und müssen ausgehandelt werden.» Und wie sehe er die in die Diskussion geratene sogenannte «Blutregel»? «Die aktuellen Weisungen sind klar. An der FEI-Generalversammlung vom 14. bis 18. November wird diese Regelung zur Sprache kommen. Es steht zur Diskussion, die Kompetenz der Stewards zu erhöhen. Ich persönlich plädiere jedoch eher dafür, dass die Veterinäre mehr Verantwortung übernehmen müssen.»

«Paul Weier förderte mich»  
Wie wird man eigentlich oberster FEI-Steward in der Dressur? Jacques Van Daele: «Ich war 20 Jahre Direktor der Kavallerie­schule in Brüssel, später war ich vor allem mit Ausbildungsfragen wie Kommunikation, Psychologie, Krisen- und Stressmanagement beschäftigt. Durch meine Richtertätigkeit kam ich später in den Kontakt mit Paul Weier, welcher früher eine entscheidende Funktion im FEI-Stewarding ausübte. An den Weltreiterspielen in Rom 1998 gab er mir den Auftrag: ‘Du organisierst den Eintrittstest für die Pferde’. Natürlich wollte er meine Arbeit testen. Offenbar war er zufrieden damit. Nach den Olympischen Spielen in Athen 2004 wurde das Stewarding neu strukturiert und er hat mich bei der FEI vorgeschlagen, den Bereich Dressur zu übernehmen. Heute werde ich weniger als klassischer Steward eingesetzt, beschäftige mich aber intensiv mit deren Ausbildung und den Reglementarien. Als Steward benötigen wir ausgewiesene ‘Pferdeleute’, welche Interesse haben. Wir müssen auch an unseren Nachwuchs denken, aber wenn man beruflich stark engagiert ist, kann man nicht immer Zeit haben. Wenn ich als internationaler Dressurrichter unterwegs bin, stehe ich jedoch immer in Kontakt mit den Stewards.»

Erfahrung ist wichtig
Die Schwedin Maria Hernek war an den diesjährigen Europameisterschaften im Springen und in der Dressur in Göteborg als Chefsteward tätig: Was ist ihr Fazit: «Es war für mich eine grosse Aufgabe, welche mich mehr als erwartet beanspruchte. Dressur und Springen im selben Stadion mussten jeweils aufgebaut und organisiert werden, das war sehr zeitintensiv.» Was ist Ihre Haltung betreffend der Diskussion um die «Blutregel» (Blut im Maul oder Flanke führt in der Regel zum Ausschluss von der Prüfung)? «Wenn man bei einem Sportpferd Blut in irgendwelcher Form vorfindet, gibt das immer zu Diskussionen und Emotionen Anlass. Denn es können ja, wie beim Menschen auch, immer wieder kleinere unbeabsichtigte Blessuren entstehen. War es ein Unfall, war es eine ‘Einflussnahme’, welche durch den Reiter, beabsichtigt oder unbeabsichtigt verursacht worden ist? An der FEI-GV will man nun auch diskutieren, ob man eine Aufteilung in grössere und kleinere Fälle machen soll und wer dann die Verantwortung für die oft folgenschweren Entscheidungen tragen muss.

Jacques Van Daele, FEI-Chef­steward Dressur.

Die Frage, die sich dann jedoch stellt: Was ist mehr und was ist weniger gravierend? Warten wir ab, wie entschieden wird. Generell haben wir mit dem Stewarding an den internationalen Turnieren eher weniger Probleme als früher, weil wir die Kommunikation zwischen den Pferdepflegern, den Reitern und den Stewards untereinander verbessern konnten. Respektvoller Umgang unterei­nander ist wichtig. Zudem ist es von Bedeutung, dass die Stewards sichtbar präsent sind.»
Wie war ihr Eindruck über den Kurs in Bern? «Wir haben einen guten, positiven Kurs erlebt. Es war alles sehr gut organisiert. In den verschiedenen Ländern, aus dem die Kursteilnehmer stammen, sind unterschiedliche Probleme ersichtlich. Wichtig ist der Erfahrungsaustausch und auch die Möglichkeit, die Stewards in anderen Ländern als den eigenen einzusetzen.»

Schweizer Bilanz
Mathias Löchner, seit über 15 Jahren der General Steward Springen, zog ein positives Kursfazit: «Wir konnten wertvolle Erkenntnisse austauschen. Die Zusammenarbeit auf allen Ebenen konnte verbessert werden. Erfreulich war insbesondere das Engagement der Teilnehmer in diesem Kurs.»

Thomas Häsler, Kurs­organisator und General Steward Dressur.

Thomas Häsler, Autor und General Steward Dressur: «Es freut mich, dass wir zwei ausgewiesene Experten für diesen Kurs gewinnen konnten. Zudem herrschte ein gutes Klima. Ich bin erfreut, dass alles gut klappte, man ist natürlich immer etwas mehr in Spannung, wenn man die Verantwortung für die organisatorischen Belange eines solchen Kurses trägt. Ich selbst bin pro Jahr an rund acht bis zehn Turnieren als Steward in Dressur und Springen engagiert. Da kann ich meine Kenntnisse immer wieder vertiefen. Man sieht sehr viel und kann immer wieder daraus lernen. Es gibt viele Reiter, welche ihre Pferde sehr gut betreuen und die fleissig sind.»

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 43/2017)

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