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Für die Durchlässigkeit eines jeden Pferdes – egal, wofür es genutzt wird – ist eine korrekte Dressurarbeit unabdingbar.
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Dressurarbeit – Basisarbeit

13.01.2015 14:24
von  Anne Schmatelka //

Die Grundausbildung in der Dressur ist wichtig – geradezu unerlässlich – wenn man sein Pferd bis in ein hohes Alter gesund erhalten will und wenn man im Parcours oder im Gelände ein geschmeidiges und rittiges Pferd haben möchte – ein Pferd, das auf feinste Hilfen reagiert und sich in schwierigen Situationen doch noch über den Sprung «rettet», wo es vielleicht distanzmässig aufgrund reiterlicher Fehler nicht ganz passt, das Tempo zu hoch oder zu niedrig ist oder das Pferd zu früh oder zu spät abspringt.

Diese so wichtige Grundlage wird heute oftmals unterschätzt und das ist dann schnell die Basis für gefährliche Situationen oder gar Unfälle. Es ist wie beim Menschen auch: ein elastischer und gymnastizierter Körper fügt sich seltener Verletzungen und Zerrungen zu und reagiert in Gefahrensituationen besser als ein steifer und ungelenker Körper. Trotz allem glauben viele Reiter, dass man diese so unerlässliche Grundlage für das Reiten und Ausbilden eines Pferdes nicht braucht. Nur – ohne dressurmässige Grundlage braucht man von Ausbildung eigentlich gar nicht zu sprechen. Über einen Sprung kommt man mit etwas Geschick des Reiters und dem entsprechenden Vermögen des Pferdes immer. Nur das Wie unterscheidet sich dann ab einem gewissen Schwierigkeitsgrad.

Dressurlektionen unabdingbar

Es ist also egal, ob ich als Freizeitreiter einfach nur im Gelände ausreiten möchte, ob ich Springreiter, Dressurreiter oder auch ein Freund der Vielseitigkeit bin. Lektionen sind für alle Bereiche des Pferdesports wichtig. Lektionen halten ein Pferd elastisch. Richtig ausgeführt, werden Muskeln korrekt aufgebaut, Sehnen, Bänder und Gelenke richtig belastet ohne überlastet zu werden.

Falsch ausgebildetes und gerittenes Pferd. Warum? Die fehlerhaft entwickelte Muskulatur des Pferdes (hier Rücken und Hinterhand) spricht Bände. Die Oberlinie soll rund und harmonisch sein. Das ist hier nicht der Fall. Sich nur am Hals zu orientieren, reicht nicht aus.

A (Ansatz eines Axthiebs), B (stark fehlerhaft ausgeprägter langer Kopfmuskel), C (stark ausgeprägter falscher Knick), D (mangelhaft entwickelter Nackenmuskel). Ein Hals, der sich so darstellt, ist immer auch ein Hinweis darauf, dass in der dressurmässigen Ausbildung einige Fehler gemacht wurden und werden.

Der Galopp ist nicht ausreichend durchgesprungen, der Rücken ist verspannt,
die Nase hinter der Senkrechten, die Reiterin hat einen grob fehlerhaften Sitz. Die Fehler in Anlehnung, Sitz und Einwirkung zeigen sich so schon am Hals.

Lektionen dienen also nicht ihrem Selbstzweck. Dass sie in Dressurprüfungen abgefragt werden, hat den Hintergrund, über die mehr oder weniger korrekte Ausführung zu überprüfen, welchen Ausbildungsstand das Pferd hat und wie losgelassen und mit welch gefühlvollen – am besten fast unsichtbaren – Hilfen es Lektionen ausführen kann.

Besser, sicherer, zuverlässiger

Hält man sein Pferd nicht elastisch und/oder sind grundlegende Fehler und Mängel in Sitz und Einwirkung vorhanden, wird das Pferd im Laufe des Reitpferdelebens steifer. Vielfach kommt es zu frühzeitigen Verschleisserscheinungen durch falsche Belastungen von Gelenken, Sehnen und Bändern. Daneben können Takt- und Gangfehler deutliche Hinweise auf Defizite in der Ausbildung sein und sind häufig Vorstufe zu verspannungsbedingten Fehlbildungen in der Muskulatur oder Erkrankungen. Wir kennen das von uns selbst auch: Stretching und Gymnastik halten uns elas­tisch und fit. Macht man das allerdings nicht regelmässig, falsch oder gar nicht, wird man schnell zum «Steiftier». Man ist nicht mehr so beweglich, weniger reaktionsschnell, bestimmte Bewegungen fallen einem schwer, erste kleine «Wehwehchen» stellen sich ein. Dem Pferd geht es genauso. Durch das Einbinden von gut gerittenen Lektionen wird ein Pferd besser am Sprung, sicherer in der Vielseitigkeit und im Gelände, generell zuverlässiger und einfacher im Umgang. Durch Lektionen wird es geistig und körperlich gefordert, sodass es auf kleinste Zeichen seines Reiters reagieren lernt. Aber warum sieht man dann so wenig Reiter Lektionen üben, wenn es nicht gerade Dressurreiter sind? Vielleicht einfach deshalb, weil das heute kaum einer mehr vermittelt. Wenn Reiter dann Lektionen reiten, dann meist um in der Turnierprüfung zu glänzen. Frei nach H.D. Donner: «Geübt wird, was geprüft wird.»

Geraderichten des Pferdes unterstützen

Wenn man sich Gedanken macht, was alles eine «Lektion» ist, stellt man schnell fest, dass dazu sehr viele Übungen gehören, die Grundlagen sind – Basics also. Es sind all jene Übungen, die die Geschmeidigkeit in der Rippenpartie verbessern und damit das Geraderichten des Pferdes unterstützen. Das müssen nicht Pirouetten, Piaffen oder Passagen sein. Schon eine mit korrekter Stellung und Biegung durchrittene Ecke, eine gut ausgeführte einfache oder doppelte Schlangenlinie, eine korrekt gerittene Acht oder ein fliessender Übergang vom Trab zum Schritt oder das so unverzichtbare Zügel aus der Hand kauen lassen sind jeweils für sich eine Lektion, die man beherrschen sollte. Gerade dabei zeigt sich dann, ob ein Pferd korrekt oder fehlerhaft geritten ist.

Korrektes Zügel aus der Hand kauen lassen im Trab bis zur Schnalle.

Fehlerhaftes Zügel aus der Hand kauen lassen. Das Pferd kommt deutlich auf die Vorhand, fusst mit dem Hinterbein nicht aktiv ab. Die Kruppe ist hochgezogen.

Fehlerhaftes Zügel aus der Hand kauen lassen. Das Pferd nimmt das Gebiss nicht an. Der Zügel hängt durch. Es ist keine korrekte Dehnung nach vorwärts abwärts zu erkennen.

 

Aktives Hinterbein

Beim dressurmässig richtig geritten Pferd ist das Hinterbein aktiv, das Pferd dehnt sich vorwärts abwärts, der Rücken ist hergegeben und schwingt. Beim fehlerhaften Zügel aus der Hand kauen lassen fusst schon das Hinterbein nicht ausreichend aktiv ab. Das Pferd kommt auf die Vorhand, stösst nicht selten in die Hand des Reiters, hat das Maul offen oder es rollt sich einfach ein. Diese vordergründig vernachlässigbaren Fehler geben weitreichende Auskunft über die gesamte Ausbildung. Je geschmeidiger das Pferd im Laufe der Ausbildung in der Rippenpartie wird, umso leichter kann es Übergänge, halbe und ganze ­Paraden, Verstärkungen und Lektionen ausführen. Auch ist es dann in Parcours oder Gelände reaktionsschneller und in den Wendungen durchlässiger und geschmeidiger.

Schlangenlinien, Zirkel, Volten

Die Geschmeidigkeit in der Rippenpartie, und im Verlaufe der weiteren Ausbildung die verbesserte Rippenbiegung, erreicht man über Schlangenlinien, Zirkel, Volten, die grosse und kleine Acht, Tempounterschiede sowie Seitengänge. Eben über eine korrekte dressurmässige Grundausbildung, die mindestens bis zur Stufe L gehen sollte.

Im Zuge einer korrekten Ausbildung reagieren die Pferde dann auf immer feinere Hilfen, halbe Paraden sind fast unsichtbar. Als Reiter hat man immer öfter das Gefühl, man muss nur an die folgende Lektion denken und das Pferd führt sie aus. Wenn man diesen Punkt erreicht hat, das Pferd immer wieder zufrieden abschnaubt, der Rücken als Zentrum der Bewegung zum Schwingen kommt und der Schweif entspannt hin und her pendelt, das Pferd aktiv abfusst, der Takt ­sicher geregelt ist, dann hat das Pferd den notwendigen Grad der Ausbildung erreicht, um sich grösseren Anforderungen zu stellen. Erst dann – und nicht vorher.

Das Pferd von Andrew Hoy war in Luhmühlen eines der wenigen losgelassenen Pferde. Korrektes Reiten nach den überlieferten Grundsätzen der Ausbildung stellt sich immer in innerer und äusserer Losgelassenheit sowie in einer korrekten Muskelbildung des Pferdes dar.

Mit einem so grob fehlerhaften Sitz kann der Reiter keine korrekten halben Paraden geben.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 01/2015)

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