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Eine Reise mit Pferden ist ein schönes Abenteuer.
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Ein Traum wird wahr

19.04.2017 14:24
von  Chantal Kunz //

Wer träumt nicht davon, mit dem eigenen Pferd den Sandstrand entlangzugaloppieren? Diesen Traum zu erfüllen, ist möglich. Doch braucht es eine gute Vorbereitung und Planung. Zum einen müssen die Pferde an das Fahren im Anhänger gewöhnt sein, zum anderen braucht es einige Dokumente, um den Zoll zu passieren. Ist aber erst einmal alles organisiert, kann das Abenteuer losgehen. Die Erfahrung zeigt, dass sich der Aufwand, mit dem eigenen Pferd zu verreisen, auf jeden Fall lohnt.


Die Hufe donnern über den Sand, die Wellen werfen weissen Schaum auf und die Mähne weht im Wind. So können Ferien im Sattel aussehen. Immer wieder hört man Pferdefreunde davon schwärmen, wie schön es wäre, mit dem eigenen Pferd zu verreisen und sich zum Beispiel den Traum vom Strandgalopp mit ihm zu erfüllen. Für viele bleibt es aber ein Traum. Das muss aber nicht sein, denn Ferien mit dem eigenen Pferd sind gut machbar. Das A und O dabei ist die Planung. Denn bei einer Reise mit Vierbeinern sollten Überraschungen wenn möglich vermieden werden. Im Beispiel sind zwei junge Frauen mit zwei Pferden von der Schweiz in die Niederlande gefahren. Als Ers­tes sollte man sich eine Destination überlegen. Deutschland bietet sehr schöne Reitgebiete und die Nordsee reizt natürlich für ausgedehnte Galopps. Aber auch Frankreich ist bekannt für Ferien im Sattel.

Ein Ausflug zu einem Leuchtturm lohnt sich.

Meeresfrüchte direkt aus dem Meer.

Die Niederlande sind  jedoch auch sehr pferdefreundlich und noch ein Stück näher an der Schweiz als Norddeutschland. Von Zürich nach Zeeland (im Westen von Holland) sind es knapp acht Autofahrstunden. Diese Fahrtzeit ist aber mit einem Personenwagen berechnet, mit einem Pferdeanhänger dauert die Fahrt schnell einmal zwölf Stunden oder mehr. Ausserdem gibt es verschiedene Anfahrtswege, welche sich auch nach dem geplanten Zwischenstopp richten. Doch zuerst zum Ziel.


Das Reiseziel

Eine empfehlenswerte Reisedestination ist im niederländischen Städtchen Domburg zu finden. In den «Domburg Holiday Resort Stables» finden Pferde und Reiter eine Unterkunft, und dies am selben Ort. Für die Zweibeiner stehen gemütliche Appartements zur Verfügung, von wo aus man in wenigen Schritten bei den Stallungen mit Pferdebo­­xen ist. Frische Seeluft wird dabei garantiert. Ein Allwetterreitplatz, ein Paddock, eine Führanlage, ein Sattelraum und Weiden stehen zur Verfügung. Bei einem Besuch der «Domburg Holiday Resort ­Stables» bekommt man auch die niederländische Freundlichkeit zu spüren. Dies kann aus Erfahrung bestätigt werden.

Das regelmässige Ausmisten des Anhängers lohnt sich.

Denn die Reisenden aus dem Beispiel kamen sehr spät am Abend an, müde von einer anstrengenden und langen Fahrt und in strömendem Regen. Die Gastgeber kamen sofort aus ihrer gemütlichen Stube, um beim Ausladen der Pferde zu helfen und waren sich auch nicht zu schade – natürlich mit «Crocs» an den Füssen – den Pferdemist aus dem Anhänger zu schaufeln. Die Gastpferde bekommen in den «Domburg Holiday Resort Stables» täglich frisches Heu und Kraftfutter, welches man selber zusammenstellen kann. Das Füttern und Ausmi­s­ten wird übernommen, so können sich die Feriengäste voll und ganz ihren Lieblingen widmen. Springfreudigen Besu­chern stehen zudem Geländehindernisse und verschiedene Springmaterialien zur Verfügung. Domburg ist ein niederländisches Seebad mit knapp 1500 Einwohnern. Es liegt auf der Halbinsel Walcheren in der Provinz Zeeland. Eine Attraktion des niederländischen Städtchens ist der breite Sandstrand, der sich bis zur Westkapelle erstreckt. Es bietet nicht nur schöne Reitwege, sei es über Feldwege oder am Strand entlang, sondern auch viele Angebote ohne Pferd. Ein Besuch des Städtchens lohnt sich auf jeden Fall. Es empfiehlt sich, durch die Ladenpassage zu schlendern, in einer Bäckerei, beispielsweise im «bier en melk saloon», einen Halt für Kaffee und Kuchen zu machen und später beim Pannekoekenbakker einen Pfannkuchen zu essen. Natürlich ist auch das Angebot an frischem Fisch und Meeresfrüchten sehr gross. Wobei aber auch traditionelle Gerichte wie Fleischkroketten mit Pommes frites und Frittensauce einen Versuch wert sind. Die nähere Umgebung lässt sich am besten mit dem Fahrrad erkunden. So ist man schnell im nächsten Dorf, wobei man dem romantischen Leuchtturm einen Besuch abstatten kann. Aber Achtung, obwohl das Gelände in den Niederlanden flach ist, macht der Wind das «Strampeln» manchmal zu einem richtigen Kraftakt.

Die Vorbereitungen

Wenn man mit dem eigenen Pferd verreist, erwarten einen etwas mehr Vorbereitungen, als wenn man ohne Tiere in die Ferien fährt. Zuerst einmal müssen Zugfahrzeug und Anhänger, oder Selbstfahrer, in gutem Zustand sein. Ein kurzer Check im Voraus lohnt sich ebenso wie das Abklären der passenden Versicherungen. Eine Versicherung für Pannen, Abschleppdienst und Ersatzauto, die auch im Ausland aktiv wird, sollte unbedingt abgeschlossen werden. Meistens sind diese Leis­tungen aber schon in der Fahrzeugversicherung enthalten. Achten sollte man aber darauf, ob die Versicherung für das Fahrzeug gilt oder den Fahrzeughalter. Des Weiteren muss ein Carnet ATA für die Pferde erstellt werden. Dieses Zollpapier bescheinigt, dass die Tiere nur vorübergehend exportiert werden. Bei Unsicherheiten helfen diverse Firmen, ein solches Formular richtig zu beantragen. Um Wartezeiten am Zoll zu minimieren, kann man schon im Vornherein alle Blätter des Carnet ATA mit der Fahrzeugnummer des Autos und des Anhängers versehen. Bei jedem Passieren des Zolls muss das Dokument von beiden Ländern abgestempelt werden. Um die Vierbeiner ohne Probleme über die Grenze zu bringen, ist ein Tierarztuntersuch nötig. Dieser muss von einem amtlichen Tierarzt durchgeführt werden, welcher ein Veterinärzeugnis ausstellt. Dieses, zusammen mit dem Carnet ATA und dem Pferdepass, muss unbedingt für den Grenz­übertritt bereitgehalten werden. Dann erfolgt die Planung der Route. Wenn möglich sollten dabei bekannte Staupunkte umfahren werden. Gemäss Erfahrung ist es sehr nervenaufreibend, wenn man mit den Pferden lange im Stau steht, wie es vor Brüssel (BEL) oft der Fall ist.

In einer grösseren Fahrpause können sich die Pferde erholen, die Beine vertreten und sich wälzen.

Ausserdem wurde im Beispiel ein längerer Stopp eingebaut, bei dem die Pferde auch auf eine Weide gelassen wurden. Dies muss früh organisiert werden, da nicht alle Reitställe bereit sind, Tiere für ein paar Stunden bei sich aufzunehmen. Beim Packen ist vor allem wichtig, dass genügend Pferdefutter für die Fahrt dabei ist. Ausserdem empfiehlt sich ein Wasserkanis­ter, da nicht an allen Raststätten Wasser in der Nähe des Parkplatzes zu finden ist. Auch einen Behälter oder eine Art Tasche für den Mist ist von Vorteil, so kann man ihn einfach entsorgen. Dann kommt natürlich Zubehör wie Sattel, Zaum, Gamaschen, Putzzeug und so weiter dazu. Eine Ersatz-schabracke kann nützlich sein, da diese schnell nass werden kann bei einem Galopp im Meerwasser. Mit einer kleinen Apotheke mit Verbandszeug, Desinfektionsmittel und Fiebermesser ist man für den Notfall gewappnet.

Die Reise

Wenn alles Material und alle Dokumente eingepackt sind, das Heunetz im Anhänger gefüllt und Proviant für die Fahrt bereitsteht, kann das Abenteuer losgehen. Wichtig für den Grenzübergang ist, dass man zum richtigen Zoll fährt, denn nicht alle sind rund um die Uhr besetzt. Da aber das Carnet ATA abgestempelt werden muss, müssen Zollbeamte anwesend sein. Fahrpausen können gut genutzt werden, um kurz den Pferdetransporter auszumisten und die Pferde zu tränken. Wie schon angesprochen lohnt sich ein längerer Halt, je nach Reisezeit natürlich.

Oben: In den «Domburg Holiday Resort Stables» gibt es genug Platz für die Pferde. Unten: Der Weg zum Strand führt durch das Städtchen Domburg.

Dabei können sich die Pferde die Beine richtig vertreten und auch Kraftfutter zu sich nehmen. Am Zielort angekommen, gilt es wieder, die Pferde zu bewegen. Damit sie gleich die Umgebung etwas kennenlernen können, eignet sich ein Spaziergang sehr gut. Und meistens schadet es auch den Menschen nach langer Reise nicht, sich ein bisschen zu bewegen. Sobald die Pferde in ihren Boxen stehen und Auto und Anhänger parkiert sind, kann auch das Appartement bezogen werden. Typisch Holland sind die steilen Treppen nach oben – mit Gepäck und müden Beinen nicht ganz einfach zu bewältigen. Doch der Aufstieg lohnt sich, denn in den «Domburg Holiday Resort Stables» warten oben zwei bequeme Betten, ein Wohnbereich mit Küche, Ess­tisch und Sofa. Im ersten Moment waren die Reisenden einfach nur müde. «Das machen wir auch nur einmal, die Fahrt ist wirklich anstrengend», sagten sie sich.

Der Strand an der Nordsee

Doch diese Meinung sollte sich schnell ändern, denn der Aufwand wird rasch belohnt, und zwar spätes­tens beim ersten Strandritt. Im niederländischen Ferienresort erhält man die Wegbeschreibung «nach dem Stall links, aussen an der Brücke herum reiten, dann beim Kreisel links und hi­nauf zu den Dünen», welche wider Erwarten sehr zuverlässig ist. Innerhalb von zehn Minuten ist man mit den Pferden bei den Dünen angelangt und blickt auf einen kilometerlangen Sandstrand hinunter. Dieser Anblick vom Pferderücken aus macht die anstrengende Anreise wieder wett und ist unbezahlbar. Es gibt immer wieder Wege, die von den Dünen hinab zum Strand führen. Und dann ist der Moment da: Man steht mit dem eigenen Pferd auf dem Sand und das Wasser umspielt die Hufe bei jeder Welle.

Ein Galopp im seichten Wasser lässt das Herz höherschlagen.

Ein Ritt am Meer ist ein Erlebnis für Pferd und Reiter.

Jedoch müssen sich die meis­ten Pferde zuerst daran gewöhnen und weichen dem Wasser am Anfang zuerst aus. Doch nach einiger Zeit steht einem ausgedehnten Strandgalopp nichts mehr im Weg. Wichtig ist, dass man die Gezeiten beachtet. Bei Ebbe kann man fast die ganze Länge gleich am Wasser entlanggaloppieren. Steigt das Wasser, stehen immer wieder Buhnen im Weg. Dies sind jeweils zwei Reihen aus Holzpfos­ten, die den Strand vor Erosionen durch Wasserläufe schützen sollen. Die Zeit, wann die Ebbe am stärks­ten ist, ändert von Tag zu Tag.

Ausflüge ohne die Vierbeiner

Nachdem die Pferde dann wieder vom Sand befreit sind und zufrieden auf der Weide stehen, bietet sich ein kleiner Ausflug an. In kurzer Zeit ist man in Middelburg, der Hauptstadt der niederländischen Provinz Zeeland. Dort lockt eine schöne Einkaufsmeile mit den neusten modischen Trends, Restaurants bieten verschiedenste Esskulturen und wenn man Glück hat, kann man am Markt noch ein Stück holländischen Käse kaufen. Zurück in den «Domburg Holiday Stables» lädt das eigene Appartement zu einem gemütlichen Abend ein.

Eine holländische Windmühle zu besuchen ist fast Pflicht.

Wie auch Fleischkroketten mit Pommes frites zum Programm gehören.

Denn am nächs­ten Tag will man ja fit sein für den nächsten Ausritt. Oder man nutzt das Allwettersandviereck für eine Dressur- oder Springstunde. Rundherum sind auch Geländesprünge inklusive Teich verteilt. Nach Wunsch bekommt man auch Tipps oder eine Reitstunde von der Hausherrin, welche selber international Turniere bestreitet. Die Niederlande kann also für Ferien mit dem eigenen Pferd nur empfohlen werden. Dank den vielen Freizeit- oder auch Wellness­angeboten würden sich in Domburg auch Ferien für die ganze Familie inklusive Pferd anbieten, so haben alle etwas davon.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 16/2017)

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