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Swiss Paso Fino Farm
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Einen Kindheitstraum erfüllt

14.11.2017 13:56
von  Daniela Ebinger //

Im kleinen Dorf Schocherswil TG steht die europaweit grösste Zucht mit den edlen Paso-Fino-Pferden. Nebst dem Angebot von Reitstunden und Pensionsplätzen züchtet das Ehepaar Daniel und Claudia Greb die südamerikanischen Pferde selbst. Über 100 Fohlen erblickten bei ihnen bereits das Licht der Welt. Friedlich fressen einige Pferde in ihren Futterständen Heu. Ein Fohlen liegt mit allen Vieren ausgestreckt mitten im Auslauf. Eine Paso-Fino-Stute steht in seiner Nähe und scheint ebenso die wärmenden Sonnenstrahlen zu geniessen. Einige Reiter richten ihre Pferde für die Reitstunden oder machen sich bereit für den Ausritt im schönen Gelände mit freiem Blick auf den Säntis und das ganze Alpsteingebirge. Seit 15 Jahren gibt es die Swiss Paso Fino Farm im Thurgau. Claudia und Daniel Greb zogen mit 15 Pferden vom Zürcher Unterland auf den Landwirtschaftsbetrieb. «Durch Zufall wurden wir vom Besitzer angefragt, ob wir Inte­resse an einem Betrieb mit zehn Hektar Land hätten», sagt Claudia Greb und glaubt dabei lieber an Eingebung als an Zufälle. Der Besitzer kam über ein Erbe an den Betrieb und konnte selber nichts damit anfangen. Er hörte über Umwege vom grossen Traum von Claudia Greb. «Ich wünsch­te mir schon als kleines Mädchen einen Hof mit genug Umschwung für mich und meine Pferde», sagt die 41-Jährige.

Ausbildung zur Pferdefachfrau

Ihre Tiere hatte sie damals im zürcherischen Freienstein auf verschiedenen Bauernbetrieben eingestellt. «Dieses Angebot fiel für uns wie vom Himmel und öffnete uns unglaubliche Tore», sagt Claudia Greb. Zur Farm gehören mittlerweile elf Hektaren Land. Rund ein Viertel ist für Weidegang eingezäunt. Den Rest verwendet das Ehepaar zur Heugewinnung – wobei trotzdem noch 120 Tonnen Raufutter pro Jahr zugekauft werden müssen. Das Ehepaar bewirtschaftet das Ganze mit Hilfe von sieben Angestellten selbst. Nächs­tes Jahr schliesst ihre erste Lernende, Lynn Gerster, die dreijährige Ausbildung als Pferdefachfrau mit Fachrichtung Gangpferdereiten ab. «Wir schätzen die Arbeit mit jungen Menschen und finden den Prozess des Erwachsenwerdens interessant», sagt Claudia Greb. Sie ist überzeugt, dass der ganze Umgang und die Arbeit rund ums Pferd den jungen Menschen eine wertvolle Lebensschule bietet, um psychisch wie physisch die eigenen Grenzen zu erkunden. «Sie lernen, sich in ihrem zarten Alter auch dem Tier gegen­über mit klaren Strukturen und Körpersprache durchzusetzen.» Auch sie habe in all den Jahren während des Aufbaus der Farm immer wieder viel dazugelernt. «Wir konnten uns nicht in ein gemachtes Nest se­tzen», sagt sie. Sich das ganze Know-how der Landwirtschaft anzueignen, sei kein einfacher Weg gewesen. «Wir haben durch die vielen guten, aber zum Teil auch schwierigen und anstrengenden Prozesse, die Möglichkeit erhalten, viel zu lernen und daran zu wachsen», so Claudia Greb. Ihr heutiges Wissen wollen sie daher gerne weitergeben. 

Zuchthengst El Cazador de Luna Llena mit Claudia und Daniel Greb.

Bequem und «funktionstüchtig»

Ihr Wissen rund um die Pferde lernte Claudia Greb als junge Frau in den Vereinigten Staaten. Ein Leben ohne Pferde könnte sie sich fast nicht vorstellen. So auch mittlerweile ihr Ehemann Daniel, der aus der IT-Branche vor 15 Jahren als Quereinsteiger zum Rancher wurde. Er bildete sich zusammen mit seiner Ehefrau weiter. In ihre Reitweise fliesst die klassische europäische Reitweise mit ein. Doch primär ist sie von der traditionellen Arbeits- und Trainigsreitweise aus Kolumbien. «Kolumbus brachte nicht nur Pferde mit, sondern auch Kultur und Reitweise», so Claudia Greb. Für sie sind die Paso Finos mit Stockmass von 140 bis 150 Zentimeter sehr handlich. Charakterlich zeigen sich die temperamentvollen Pferde besonders menschenbezogen, arbeitswillig und interessiert. Statt die Gangart Trab ist bei den Paso Finos die natürliche Gangart Paso angeboren und wird in drei Geschwindigkeitsstufen mit unterschiedlichem Versammlungsgrad in Classic Fino, Paso Corto und Paso Largo unterteilt. «Dieser Viertakt ist eine Gangart, die beinahe erschütter­ungsfrei und bequem zum Reiten ist», sagt Claudia Greb. In die Schweiz kamen die ers­ten Tiere vor rund 40 Jahren. Doch der Import von Süd­amerika und den USA beschreibt Claudia Greb als eher schwierig. Sie weiss, von was sie spricht. Denn sie holte während der Aufbauphase ihrer Zucht von Amerika einige Male geeignete Zuchttiere in die Schweiz. Heute ist die Swiss Paso Fino Farm im kleinen Dorf Schocherswil im Thurgau europaweit der grösste Zuchtbetrieb in der Paso-Fino-Szene. Daher ist nicht erstaunlich, dass ihr Kundenkreis weit über die Grenze hinaus reicht.

Zentraler Anbindeplatz auf der Swiss Paso Fino Farm.

Fohlen gezielt züchten

Auf der Farm leben mittlerweile über 70 Paso Finos und einige wenige Ponys. «Letztes Jahr erblickte bei uns das 100. Fohlen das Licht der Welt», erzählt Claudia Greb erfreut. Ihre eigenen Aufzuchttiere bleiben auf der internen Fohlenweide. Mit drei Jahren beginnen sie mit Bodenarbeit. Die Pferde werden sanft an Sattel und Reiter gewöhnt. Das Ziel ist nicht nur, viele Menschen für die sensible und doch temperametvolle Rasse Paso Fino begeistern zu können, sondern ihre Besitzer zu motivieren, sich mit dem Wesen auseinanderzusetzen, es zu verstehen sowie Zeit in die Weiterbildung von Mensch und Pferd zu inves­tieren.

Daniel Greb mit Zuchthengst Alejandra del Seminole.

Hengststall: Wallachgruppe mit Junghengstgruppe.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 45/2017)

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