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Heinrich Schönenberger zeigt ein Pferd aus seinem Stall in Rupperswil AG.
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Energiebündel mit sozialem Tatendrang

05.07.2016 13:58
von  Charles Stoob //

Er ist ein Mann, der bis dato hart ist mit sich selbst, mit seinem Umfeld, aber dennoch eine hohe Feinfühligkeit besitzt. Heinrich Schönenberger, der inzwischen 90-jährige diplomierte Metzgermeister, Mitglied des militärischen Korps in Korea 1954/55 und 1964 beim Roten Kreuz im Jemen, kann sie nicht immer zeigen, aber sie ist da. Und zwar in reichlichem Mass. Der Wachtmeister der Infanterie liebt den Frieden über alles und ­engagierte sich deshalb unerschrocken in einem Umfeld der tödlichen Zwietracht.

Heinrich, wir nennen ihn Heiri, ist auf einem Bauernhof in Mitlödi im Glarnerland aufgewachsen. Er ist der jüngste von drei Söhnen. Sein Vater verunglückte tödlich beim Holzen, als er fünfjährig war. Seine Mutter bewirtschaftete mit dem männlichen Nachwuchs den Hof weiter. Der älteste wurde Landwirt, Heiri absolvierte eine dreijährige Metzgerlehre, je zur Hälfte in Ennenda und Glarus.

Heinrich Schönenberger.

Der Grundstein seiner Existenz war damit gelegt. Das war wichtig, denn der innovative Glarner strebte nach Höherem. Nach den beruflichen Wanderjahren fand er eine Anstellung in der Gross­metzgerei Bell in Zürich. Er arbeitete dort derart diszipliniert, dass er in die Position eines Filialleiters gehievt wurde. Das motivierte ihn, mit einer Meis­terprüfung ein noch grösseres Wissen und Können zu erlangen. Er bestand sie bravourös.
Nach der Lehre musste auch er den Dienst fürs Vaterland leisten – bei der Infanterie in Luzern. Nachher eingeteilt im Glarner Bataillon/Stabskompanie als Küchenchef. Mit der an­schliessenden Unteroffiziersschule in Thun wurde er schnell mal Wachtmeis­ter. Zwei Jahre später ­wur­de ihm mit dem Stern die höchste Auszeichnung als Küchenchef verliehen. Ein Grad, der später seinen Lebensweg mit extremer Beanspruchung begleitete.

Korea und Jemen

Das begann so richtig damit, dass das couragierte Glarner Energiebündel Schönenberger, und das war er schon seit Kindsbeinen, sich auf eine Ausschreibung, wo ein Koch für die Schweizer Truppe in Korea gesucht wurde, spontan meldete. Nur wenig später, nach einem schönen Wochenende mit Skifahren, lag zu Hause ein Telegramm: Morgen, neun Uhr, im Bundeshaus Nord in Bern antreten. Heiri wurde bei der dort stattfindenden Aufnahmeprüfung, die er problemlos bestand, von der Pflicht die englische Sprache zu beherrschen befreit. Zum Glück für ihn. Seine Meinung: «D’Härdöpfel werded au weich ohni Englisch.» Er wurde tatsächlich in die Offizierstruppe aufgenommen. Das war im Nachhinein gesehen wiederum das Glück für diese. Zusammen mit den Schweden leis­teten die Schweizer im Auftrag der UNO die Überwachung der entmilitarisierten Zo­ne zwischen Süd- und Nordkorea. Eine Aufgabe von steten Gefahren umgeben. Aber ein biss­chen entschärft, weil bestens kulinarisch verpflegt von Heiri. Vom März 1954 bis Ende 1955 dauerte sein Einsatz.

Einen harten Schicksalsschlag musste er hinnehmen, als er heimkam, um seine ihm zustehenden Ferien zu verbringen. Er muss­te erfahren, dass sein ältes­ter Bruder zu beerdigen war, der durch einen Unfall ums Leben kam. Weiteres Wirken in Korea wurde damit hinfällig, die Mutter brauchte auf dem Hof seine Unterstützung.

Heiri (l.) mit Kameraden des Fussballvereins Glarus.

Heiri ging 1949 an der Ski-Schweizer-Meisterschaft in Gstaad an den Start.

Der Sport treibende Schönenberger (Skifahren und Fussball) lernte 1957 seine Ines kennen, heiratete sie im gleichen Jahr und zog mit ihr ins aargauische Rohr. Er hatte dort eine Liegenschaft mit Metzgerei, ist ja logisch, gekauft, und einem Restaurant. Letzteres hat er aber in Pacht gegeben. 1964 bekam er eine Anfrage vom Roten Kreuz für ein Engagement im Jemen. Der Küchenchefverband habe dafür Unterstützung geboten, für sie eine Persönlichkeit zu finden, die mit ähnlichen Aufgaben bereits Erfahrungen habe sammeln können, hiess es im Schreiben. Heiri, geschmeichelt, sagte sofort zu – ohne seine Frau Ines in Kenntnis zu setzen. Mitten in der Wüste neben einem mobilen Kriegsspital kochte er mit gewohnter Hingabe für das ganze Personal. Um in der Fremde familiär nicht einsam zu werden, bat er Ines nach Jemen zu kommen. Sie ging und blieb rund ein halbes Jahr, Heiri insgesamt ein ganzes.

Der Pferdehändler

Er ist als Spät- und Quereinsteiger 1970 aber auch ein bekannter und geachteter Pferdehändler in der Schweiz geworden. Damals notabene mit dem zweithöchsten zugesprochenen Kontingent (heute aufgehoben). Er hat sich spezialisiert auf den Import von Irländern. Seine seriöse Art, Handel zu treiben, wurde auch in Irland hoch geschätzt. 18 früher stets belegte Boxen – in der Gegenwart selbstverständlich reduziert – stehen im aargauischen Rupperswil zur Verfügung. Das Wiehern war ihm ja als Bauernsohn nicht fremd. Bis dato, denn mit 90 hört für ihn das Leben noch lange nicht auf.

Korea und Jemen – diese Ereignisse bewahrten Schönenberger – das Energiebündel mit sozialem Gewissen – vor Hochmut und lehrten ihn die Demut. Da­rauf ist er stolz.

Hier ist Schönenberger in einem Beduinenzelt bei Beratungen.

In Ukt, einem Ort in der Wüste von Nordjemen, war er ein beliebter Mann.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 26/2016)

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