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Max Kühner mit Chardonnay.
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Faible für junge Pferde

14.03.2017 15:03
von  Chantal Kunz //

Schon seine Eltern hatten eine Passion für Pferde und auch seine Kinder lieben die Tiere. Max Kühner hat die Tiere zu seinem Beruf gemacht. Er ist als erfolgreicher Springreiter oft unterwegs und betreibt zwei Firmen. Seine freie Zeit widmet der Deutsche am liebsten seiner Familie. Ende März wird er nun zum ersten Mal am Weltcupfinal in Omaha antreten.

Max Kühner mischt in der obersten Klas­se des Spring­sports mit und konnte bereits ein paar Erfolge, wie Podestplätze in Weltcupspringen und Grossen Preisen, feiern. Der für Österreich startende Deutsche ist aktuell auf Platz 36 der Weltranglis­te. 2010 ist Kühner mit seiner Familie nach Starnberg in Bayern gezogen. Dort haben sie 20 Boxen und einen Freilaufstall mit drei bis fünf Pferden. «Unsere Anlage bietet super Trainingsvoraussetzungen, wodurch wir die Pferde gut auf die Turniere vorbereiten können.» Kühner besitzt insgesamt  40 Pferde, etwa 20 stehen ausserhalb bei den Bereitern, die mit ihnen zu nationalen Prüfungen fahren. 

Passion für Pferde

Die Leidenschaft für die Pferde hat er wohl von seinen Eltern übernommen, obwohl diese das Reiten als Hobby gesehen haben und er nun hohe sportliche Ziele hat. Während des jährlichen Winterurlaubs in Kitzbühel (AUT) nahm Kühner das erste Mal Reitunterricht. Von da an war auch er mit dem Pferdevirus infiziert und er trat allmählich erfolgreich an Springturnieren an. «Mein Vater wollte kein eigenes Pferd kaufen, da er ahnte, was damit alles auf ihn zukommen würde.» So bekam er von einer Züchterin ein Pony zur Verfügung gestellt. «Da war ich wirklich sehr froh darüber, sie hat mir sehr viel ermöglicht», so der 43-Jährige. Die Geschichte, wie er dann zu seinem ersten eigenen Pferd gekommen ist, sei lustig. Er hat die regionale Meisterschaft gewonnen, ein Jahr später ist er Dritter geworden. «Ich musste mir auf der ganzen Heimreise von der Züchterin anhören, wie schlecht das sei», erzählt Kühner. Die Züchterin hätte ihm schliesslich das Pony verwehrt, was für den Jugendlichen damals sehr schlimm gewesen sei. «Ich habe Rotz und Wasser geheult.» Seine Grossmutter sass zu diesem Zeitpunkt auch mit ihnen im Auto und habe das Gespräch mit angehört. «Kurz vor Mitternacht hat es bei uns an der Haustüre Sturm geläutet und meine Grossmutter stand davor. Sie sagte zu meinen Eltern, wenn sie mir kein Pferd kaufen würden, werde sie mir morgen eines holen.» Und so war es auch. Max Kühner ging mit seiner Grossmutter los und durfte sich ein Pferd aussuchen.

Für Österreich am Start

2015 hat er zur österreichischen Nation gewechselt, dies aus rein sportlichen Gründen. Im deutschen Ranking war er immer zwischen der siebten und elften Position. Er hatte zwar gute Chancen und rückte auch mal vor, aber es gab immer so grosse Namen, die an der Spitze standen. «Da man viel weniger nach vorgegebenem Plan arbeiten muss, wenn man an der Spitze steht, habe ich gewechselt, um für Österreich zu starten. Österreich wurde es, da ich schon seit Kindesalter dort Ferien mache, einige Jahre habe ich auch dort gelebt und habe auch dort reiten gelernt.» Er habe sich auch mit Hugo Simon, dem österreichischen Springreiter mit deutschen Wurzeln, ausgetauscht und dieser habe ihm Tipps gegeben. In der Anfangszeit war er auch Bundestrainer und sie stehen auch jetzt noch in Kontakt. Er rufe immer wieder mal an und sage nach einem Turnierstart: «So nicht, Junge», sagt Kühner lachend. Zur Schweiz sei die einzige Verbindung die Turniere. «Sieben Fünfsternturniere in der Schweiz, das ist enorm für die Grösse, fast schon einzigartig. Deshalb denke ich, sind die Schweizer ein pferdebegeistertes Publikum, das merkt man auch an der Stimmung.» Ausserdem hat Kühner seit Kurzem eine Firma in der Schweiz, nämlich die «Lease Force Schweiz». Dies ist eine Leasingfirma mit Hauptsitz in München. Sie gehört in Deutschland zu den grössten bankenunabhängigen Gesellschaften. Es werden Maschinen, Lastwagen, Pferdetransporter, Forstmaschinen und viele weitere Fahrzeuge geleast. «Dieser Bereich begleitet unsere Familie schon seit Langem, mein Vater gründete vor 40 Jahren in Deutschland eine Leasinggesellschaft. Vor zehn Jahren habe ich dann mit Kollegen ein neues Unternehmen gegründet.» Das ist aber nur eine von zwei Firmen, die Kühner betreibt.

Max Kühner mit seiner Frau Liv und den beiden Töchtern.

Kühner tauscht sich oft mit Hugo Simon (l.) aus.

Das zweite Unternehmen heisst «MK Sporthorses», womit er 2004 die gewerbliche Tätigkeit rund um Pferde aufnahm. Somit kann er die Leidenschaft für Pferde, für die Arbeit und die Finanzierung für den Sport verbinden. Die eigenen Unternehmen seien für ihn natürlich ein Vorteil, denn dadurch könne er sich so organisieren, dass er einen grossen Teil der Arbeit von unterwegs erledigen kann. Ausserdem ist die Zielgruppe beider Unternehmen auch auf Turnieren anzutreffen. «Um fit zu bleiben, gehe ich noch ins Fitnesscenter, dann ist die freie Zeit aber meistens auch schon um. Ich stehe immer früh auf und reite meine Pferde. Das Ziel ist, um 9 Uhr fertig zu sein, um ins Geschäft zu fahren. Dadurch kann ich dann am Abend so zu Hause sein, dass ich die Kinder noch ins Bett bring­en kann.»

Die Zeit zu Hause sei für ihn die Entspannung. Als er Liv geheiratet habe, hätte er ihr gesagt, dass sie schauen soll, dass sie jedes Jahr einmal in die Ferien fahren, erzählt der Familienvater. «Wir haben das bis jetzt erst einmal geschafft. Aber dieses Jahr haben wir wieder mal Ferien in Griechenland gebucht.» 

Wann immer möglich begleitet die Familie Max Kühner zu den Turnieren.

Eine Gratwanderung

Kühner und seine Frau Liv haben zwei Töchter, sie sind vier und sieben Jahre alt. Auch sie seien bereits dem Pferdevirus verfallen und besitzen auch schon eigene Ponys. «Die ältere reitet aber am liebsten mein Pferd, das ich jeweils im Weltcup reite. Der mag das auch ganz gerne», sagt Kühner mit einem verschmitzten Lachen im Gesicht. Natürlich sei es immer eine Gratwanderung, um Familie, Unternehmen und den Reitsport unter einen Hut zu bringen. «Ich habe das grosse Glück, dass die Familie voll mitzieht und alle die gleiche Begeisterung für den Sport teilen», erklärt der Spring­reiter und Unternehmer. Auch seine Eltern kämen auch jetzt noch ab und zu mit, wenn er auf Turnier ist. Die Kinder und meine Frau seien immer mit dabei, denn seine Frau arbeitet im Unternehmen mit und reitet die Pferde dressurmässig. «Ich bin nicht abergläubisch, wenn aber meine Tochter dabei ist, bekomme ich immer irgendein Glücksbringer in die Hosentasche gesteckt und dann glaube ich auch daran.» 

Liv Kühner unterstützt ihren Mann bei der Arbeit mit den Pferden, vor allem im Bereich Dressur.

Max Kühner gemeinsam mit seiner Tochter.

Pferde und Erfolg

Ich konnte von jedem Pferd bisher etwas lernen. «Ein gutes Pferd spricht mit mir.» Es rede nicht, aber es sage, was los ist, was ihm einfach falle oder eben auch nicht, präzisiert Kühner. «Um das geht es ja, dass wir uns immer besser auf die Pferde einstellen und ihnen einen Support geben können.» Er versuche, immer von allen Pferden etwas zu lernen. Auch von schlechteren Pferden, denn diese müsse man präziser reiten als ein talentiertes Pferd, damit es null geht. «Grundsätzlich hab ich ein Faible für Pferde, die hoch im Blut stehen.» Für den 34-Jährigen ist es wichtig, dass er Pferde selbst ausbildet. Er kaufe oft sehr junge Pferde, in denen er Potenzial sehe und bilde sie dann aus. So kenne er die Pferde wirklich gut und freue sich umso mehr über einen Erfolg, den er mit einem selbst ausgebildeten Pferd erreicht hat, so der Unternehmer. Auf diesem Weg kamen auch seine aktuellen Toppferde schon in jungen Jahren zu ihm nach Schaanberg. Coeur de Lion kam mit sieben Jahren zu Kühner. «Er war immer sehr verspielt, hatte aber viele Möglichkeiten. Doch da er viel gebockt und rumgespielt hat, mussten wir viel mit ihm arbeiten.» Anfangs Januar hat Kühner mit Coeur de Lion in Leipzig das Barrierenspringen gewonnen. Dies sei seine Lieblingsprüfung, erzählt der Reiter und sagt, der Wallach sei mit 17 Jahren topfit. Mit dem bayerischen Warmbluthengst Acantus GK konnte Kühner die ers­ten grossen Erfolge feiern. «Er war ein ganz treuer und hochsensibler Partner. Als ich die ers­ten Male in Aachen eingeritten bin, war ich schon sehr nervös. Und dann habe ich plötzlich gespürt, wie er sagt: ‘Es ist kein Problem, das machen wir schon.’ Das ist ein unglaubliches Gefühl.» Er freue sich über jeden Erfolg, ob an einem grösseren Turnier oder an einem kleineren, so der Springreiter. Auch Vorbilder hat er verschiedene. «Jeder hat etwas, das ich bewundere. Bei den einen ist es, wie sie ein Stechen reiten, andere bewundere ich dafür, wie sie ihre Pferde einsetzen.»

Max Kühner mit Electric Touch am CSI Zürich.

Mit Chardonnay konnte Kühner schon einige Erfolge feiern. 

Natürlich gibt es auch Ärgernisse im Springsport. «Wenn ich Ungerechtigkeiten gegenüber den Pferden sehe, vor allem wenn ich sehe, dass man damit durchkommt. Das ertrage ich kaum.» Wiederum lobt er aber die Entwicklung des Sportes, welche positiv für die Reiter sei. «Natürlich ist es schön, wenn es mehr zu gewinnen gibt, was einen unterstützt, einen Turnierstall zu unterhalten. Wir machen es ja ganz ohne Sponsoren, das ist nicht einfach», erklärt er. Nun fasst er sein Ziel, die EM in Göteborg, ins Auge.

Die Anlage von Kühner befindet sich in Starnberg. Dazu gehören unter anderem 20 Boxen.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 10/2017)

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