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Siege sind der Lohn der Arbeit. Karin Suter (3. v. l.) und Mitbesitzer Marc Neu­schwander (l.) an der Siegerehrung von She’s Magic unter Morgane Bürgin.
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Frauenpower par excellence

17.07.2018 09:15
von  Barbara Würmli //

Karin Suter ist die erste Frau, die sich in der Schweiz als voll­berufliche Rennpferdetrainerin etablieren konnte. Als wäre dies nicht genug, ist sie auch erfolgreich als Züchterin. Einfach ist der Weg der Powerlady aber nicht, denn neben grossen Erfolgen gehören auch Tiefschläge zu ihrem Alltag.


Karin Suter wurde als Mädchen von ihrem Vater mit dem Pferdevirus angesteckt und hat ihre Pferdekarriere mit klassischen Reitstunden begonnen. Als Vater Heinrich Weber die Faszination Galoppsport entdeckte und 1970 mit Almrausch sein erstes Rennpferd erwarb, entflammte auch das Herz seiner Tochter für die edlen Vollblüter und die klassischen Disziplinen waren kein Thema mehr. Die Weber-Rennpferde waren während vielen Jahren bei Trainer Karl Klein in Dielsdorf stationiert und die junge Karin lernte dort den Rennstallalltag von der Pike auf, ritt im Training mit, hatte aber nie den Wunsch, die Pferde zum Beruf zu machen. Sie erzählt rückblickend: «Ich habe die kaufmännische Lehre absolviert und war danach als Bankkauffrau tätig. Für mich war die Zeit im Stall und auf der Rennbahn der ideale Ausgleich. Auf die Idee, den Galopp­sport zum Beruf zu machen, kam ich nie. Vermutlich, weil das damals noch eine fast reine Männerdomäne war.»

Heirat läutet Wende ein
Es war die Liebe, die eine Art Lebenswende einleitete, auch wenn ihr dies damals nicht bewusst war. Sie heiratete den Jockey Urs Suter, der nach seiner Rennreiterkarriere ein eigenes Trainingsquartier in Dielsdorf aufbaute. Zwar arbeitete Karin damals noch vollberuflich in der Bankenwelt, begann sich aber um die administrativen Belange des Betriebs zu kümmern und verbrachte immer mehr Zeit im Rennstall. Schliesslich gab sie ihren angestammten Beruf auf und arbeitete voll im Trainingsbetrieb mit. Doch was kam, war nicht die perfekte Zukunft. Die Ehe zerbrach und Urs Suter entschied sich, seine Trainerkarriere in Deutschland weiterzuverfolgen.

Zwei Powerladys, die sich verstehen: Karin Suter mit der selbstgezogenen Hoffnungsträgerin Sweet Soul Music, die sie liebevoll «Blondie» nennt.


Karin Suter stand ohne Existenz da. Sie erinnert sich: «Mir hat es den Boden unter den Füssen weggezogen. Ich war seit einigen Jahren nur noch im Rennsport tätig, hatte aber weder eine eigene Firma noch eine Trainerlizenz. Natürlich überlegte ich mir, wieder als Kauffrau tätig zu werden, aber der Wiedereinstieg wäre schwierig geworden. Zudem hatten meine eigenen Pferde keinen Trainer mehr und auch einige andere Besitzer aus der Zeit mit Urs Suter wollten ihre Pferde nicht nach Deutschland in seinen neuen Betrieb umsiedeln.» All dies gab den Startschuss zur eigenen Karriere als Trainerin. Karin Suter schmunzelnd: «Alles war im Umbruch und ich rutschte ins Trainermetier, ohne zu wissen, wohin das führt.»

Neuanfang
Die Lösung des Lizenzproblems ergab sich durch Trainer Urs Muntwyler. Er hatte seinen Betrieb unter tragischen Umständen verloren. Ein Brand hatte seinen Stall und einen Grossteil der ihm anvertrauten Pferde vernichtet. So gründeten er und Karin Suter ein neues Trainingsquartier, wieder in Dielsdorf. Es war aber von Anfang an klar, dass diese Zusammenarbeit nur so lange bestehen blieb, bis Suter die Trainerlizenz hatte. Zwei Jahre später war es so weit und die Neotrainerin übernahm den Betrieb in Eigenregie. Sie blickt zurück: «Als der Moment der alleinigen Verantwortung da war, kamen nochmals leise Zweifel auf, ob ich als Frau  in der Männerdomäne bestehen könne und ob mich die Besitzer wirklich ernst nehmen. Aber es gab kein Zurück mehr und mein Ehrgeiz war geweckt.»

Viele Pferde und grosse Erfolge
In den frühen Nullerjahren erlebte Karin Suter sehr erfolgreiche Zeiten. Sie hatte bis zu 40 Pferde im Stall und belegte in den Trainerstatistiken regelmässig Plätze unter den ers­ten fünf. Es fiel auf, dass es die Powerfrau mit den vierbeinigen Ladys besonders gut kann.

Die ehrgeizige Sweet Soul Music (M.) erkämpft sich mit Jockey Dennis Schiergen in Baden-Baden den dritten Platz in einem stark besetzten Listenrennen.

So sind es denn auch Stuten, die Karin Suter auf ihre grössten Erfolge angesprochen, in den Vordergrund rückt. «Ich konnte bis heute bereits dreimal den Schweizer Prix de Diane – das sogenannte Stutenderby – gewinnen. Mit meiner heutigen Zuchtstute Soul of Magic, mit Maya Suters Nayfashion und letztes Jahr mit meiner aktuellen Hoffnungsträgerin Sweet Soul Music. Das Stutenderby ist vom Gefühl her fast ein bisschen mein Rennen geworden», so die Trainerin. Die harte Soul of Magic gewann aber auch noch zweimal den Grand Prix Jockey Club und holte sich auf Listen­ebene im Ausland insgesamt vier Blacktype-Resultate, die sie für die Zucht prädestinierten.

Emotionen pur
Die emotionalste Geschichte in der Karriere der Trainerin ist jedoch der Sieg von Stall SVHs First Time im Grossen Preis von St. Moritz 2008. Die Stute gewann das prestigeträchtige Rennen bereits ein Jahr zuvor, doch der Sieg wurde ihr wegen Dopings aberkannt. Der bis dahin grösste Erfolg der Trainerin wurde zum Tiefpunkt. Sie erzählt: «Es war eine Tragödie. In der Probe von First Time fanden sich kaum messbare Spuren eines Entzündungshemmers, den ich ihr natürlich nicht verabreicht hatte. Da im Doping die Nulltoleranzgrenze gilt, mussten wir das Urteil aber annehmen.» Karin Suter ist sich sicher, dass die Stute Reste des Medikaments in der Gastboxe vor Ort aufgenommen hatte. Umso grösser war die Genugtuung, als First Time ein Jahr später nachdoppelte und den Grossen Preis auf Schnee zum zweiten Mal und diesmal rechtmässig gewann. Karin Suter spürt den Stein, der ihr damals vom Herzen fiel, noch heute: «Es war ein unglaubliches Gefühl für die ganze En­tourage, als wir auch den letzten Zweiflern zeigen konnten, dass das Pferd wirklich das Zeug dazu hatte, dieses grosse Rennen zu gewinnen.»

Kleine, aber feine Zucht
Aktuell ist die bereits angesprochene Sweet Soul Music die Anwärterin für grosse Siege. Vor rund zehn Jahren nahm Karin Suter deren Mutter Soul Of Magic aus dem Renn­sport, um mit ihr im Gestüt Berwangerhof unweit der Schweizer Grenze zu züchten. Inzwischen sind es sechs Nachkommen geworden. Der erstgeborene Shinning Magic konnte sich zwar nicht in die Siegerlisten eintragen, lief aber mehrmals in die Geldränge und ist heute noch als Führpferd für die Jungpferde im Einsatz. Mit She’s Magic, Soul Princess und Sweet Soul Music konnten drei Nachkommen Siege einheimsen. Der zweijährige Soul Surfer besucht noch die Rennpferdegrundschule und hat noch nie Seide getragen.

Keine Garantie
Doch so sehr sich Soul of Magic als Zuchtstute bewährt hat, so gab es doch auch Rückschläge zu verkraften. Karin Suter erzählt traurig: «Die zweitgeborene Sound of Magic verstarb bei einem Unfall in der Nacht. Sie und ein weiteres Fohlen lagen morgens tot auf der Weide. Wie die tierärztlichen Untersuchungen ergaben, sind die beiden wohl durch etwas in Panik geraten und im Dunkeln mit voller Wucht zusammengeprallt. Beide waren sofort tot.» Und auch mit der viertgeborenen Soul Princess hat Karin Suter Hochs und Tiefs erlebt. «Sie hatte viel Talent, was sie als Dreijährige mit zwei Siegen und dem tollen zweiten Platz im Stutenderby bewies. Doch gesundheitlich war sie fragil und hatte wiederkehrende Sehnenprobleme», so die Züchterin. Entsprechend wurde sie vierjährig als Zuchtstute verkauft.

Zucht langfristig gesichert
Auf die Frage, wieso sie die Stute nicht in ihre eigene Zucht eingebracht habe, erklärt Suter: «Züchten ist ein teures Hobby, mehrere Stuten mit Fohlen würden mein Budget übersteigen. Soul of Magic ist zur Zeit von Protectionist trächtig, sie kommt aber langsam in die Jahre und es wird vielleicht ihr letztes Fohlen sein. Da aber Marc Neuschwander, der Mitbesitzer von She’s Magic, am Züchten interessiert ist, haben wir den Plan, diese in einem Jahr aus dem Sport zu nehmen und mit ihr die Soul-of-Magic-Mutterlinie weiterzuführen.»

Zukunftspläne
Bei der Frage nach der Zukunft seufzt Karin Suter: «Zu den besten Zeiten hatte ich 40 Pferde im Training, aktuell sind es noch zwölf. Der Schweizer Rennsport steckt in der Krise. In den letzten Jahren haben viele ältere Besitzer den Galoppsport aufgegeben und neue kommen kaum nach. Auch lassen immer mehr Schweizer ihre Pferde im Ausland trainieren. Für mich und auch für die meisten meiner Berufskollegen geht es täglich ums Überleben. Unter diesen Umständen weit in die Zukunft zu planen, ist unmöglich.»


Leistung bestätigen

Zumindest zu Sweet Soul Musics Zukunft lässt sich die Trainerin dann aber doch noch etwas ent­locken. Die vierjährige Stute sorgte vor einigen Wochen in Baden-Baden für Furore, als sie als grosse Aussenseiterin Dritte in einem Listenstutenrennen wurde, in dem mehrere Gegnerinnen bereits Grupperennerfahrung hatten, also in der höchsten Kategorie gelaufen waren. Dieses Resultat soll die Stute nun bestätigen. Karin Suter erläutert: «Wenn alles nach Plan läuft, wird sie im Juli im ‘Grand Prix d’Avenches’ – einem zur französischen ‘Défi du Galop’-Reihe zäh­lenden Listenrennen – an den Start gehen. Kann sie sich dort bestätigen, wird sie in Baden-Baden (GER) auf noch höherer Ebene in einem Gruppe-II-Stutenrennen aufgestellt. An diesem Punkt kommt dann die bodenständige Trainerin doch noch kurz ins Schwärmen: «Wenn Blondie – so der Kosename von Sweet Soul Music – irgendwann auf Gruppeebene ein Sieg gelänge, würde sich ein Traum erfüllen ...»

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 28/2018)

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