Suche
Luzerne wird immer häufiger empfohlen.
Previous Next
Aktuelle Themen

Futtertipp aus dem Mittelalter

14.02.2017 11:32
von  Alexandra Koch //

Immer häufiger wird Luzerne als Beifütterung zu Heu als Raufutter empfohlen und verwendet. Doch was steckt hinter der Pflanze? Ist ein Einsatz der eigentlich aus dem Raum um das Kaspische Meer stammenden Luzerne hierzulande überhaupt sinnvoll? Kann sich Luzerne als Ersatz von Weideheu in bestimmten Lebenssituationen des Pferdes lohnen?

Luzerne schmeckte folglich schon den Pferden eines Darius von Persien. Doch wie kann sie heute sinnvoll und wohldosiert für die Bedürfnisse unseres Hauspferdes eingesetzt werden? Fakt ist, dass die Fütterung des Pferdes zu mindestens 50 bis 70 Prozent aus Raufutter bestehen sollte. Dabei ist vor allem wichtig, dass es sich um hochwertiges Heu mit hohem Raufaseranteil handelt.

Luzerne wird oft als Ergänzungsfutter verwendet.

Luzerne wird zwar gerne zur Ergänzung der Fütterung, vor allem in heuarmen Jahren, verwendet, ist jedoch kein Raufutter im eigentlichen Sinn, sondern als Eiweisslieferant vermehrt Kraftfutter fürs Pferd. Interessant wird Luzerne jedoch aufgrund ihres hohen Rohfaseranteils, da sie dadurch als Kraftfutter ihre Energie eher langsam und verteilt freisetzt. Luzerne bindet Stickstoff aus der Luft und kann daraus Eiweiss produzieren. Sie hat einen relativ niedrigen Zucker- und Stärkegehalt – anders als Heusilage.

Positive Eigenschaften

Besonders wird Luzerne durch ihren Nährstoffreichtum. So ist sie nicht nur ein hochwertiger Eiweisslieferant, sondern liefert auch eine ganze Reihe an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Vitamin A ist besonders reichlich enthalten und sorgt für die Gesunderhaltung von Haut und Schleimhäuten und hat positiven Einfluss auf die Sehkraft. Auch für eine erhöhte Fruchtbarkeit von Stuten kann es sinnvoll zugefüttert werden. Vitamin B6 führt zu einer intakten Immunabwehr. Vitamin D sorgt für den gesunden Knochenaufbau. Vitamin E ist verantwortlich für den gesunden und reibungslosen Stoffwechsel. Es greift in den Zellstoffwechsel ein und sorgt dafür, dass es mit den sogenannten Antioxidantien die Zellmembrane schützt. Biotin (auch bekannt als Vitamin H) hat besonders positive Wirkung auf Haut und Hufhorn. Vitamin K nimmt positiv Einfluss auf Blutbildung und -gerinnung. All diese Vitamine sind in Luzerne in hohem Masse enthalten. Beim Blick auf die Mineralstoffe fällt vor allem der Calcium-Phosphor-Anteil ins Auge, welcher mit einem Verhältnis von 5:1 perfekt fürs Pferd geeignet ist. Auch Eisen und Kupfer sind enthalten. Eisen sorgt vor allem für die Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin.

Luzerne ist neben Eiweiss auch reich an Vitaminen.

Bei Boxenhaltung kann besonders häufig Eisenmangel entwickelt werden. Auch Kupfer ist wichtig für die Blutbildung, allerdings ebenso für die Energieumsetzung im zentralen Nervensys­tem. Neben diesen Mineralstoffen und Spurenelementen sind es auch wertvolle Fette, welche die Luzerne zu einem sinnvollen Futtermittel machen. Sie sorgen für ein glänzendes Fell und Hautbild und sind vor allen Dingen im Fellwechsel eine sinnvolle Ergänzung.
Besonders in der Winterfütterung kann Luzerne sinnvoll verwendet werden, da gerade dann häufig ein Mangel an Vitamin D entsteht. Auch für tragende oder laktierende Stuten und für Jungpferde  kann sie eine sinnvolle Futterergänzung sein. Dasselbe gilt für die Aufbaufütterung von kranken Pferden oder Pferden, die gerade eine Erkrankung hinter sich gebracht haben und dementsprechend geschwächt sind. Luzerne ist zudem besser verdaulich als andere Kraftfutter auf Getreidebasis wie Hafer oder Mais. Wenn Luzerne dem Kraftfutter beigemischt wird, kauen Pferde dieses besser und fressen langsamer, was wiederum das Risiko für Koliken verringert. Vor allem wird der Einsatz für Mutterstuten und Jungpferde empfohlen. Obwohl Luzerne auch in der Sportpferdefütterung stark im Einsatz ist, stellt sich die Frage, ob sie hier wirklich nötig und optimal eingesetzt werden kann. Schaden richtet das Getreide richtig gefüttert jedoch keinen an.


Negative Eigenschaften

Wichtig ist bei der Fütterung jedoch, darauf zu achten, dass nicht zu viel Luzerne genutzt wird. Ihre Säure kann langfristig den Zahnschmelz angreifen und Zahnstein sowie Karies verursachen. Luzerne kann zudem Blähungen hervorrufen. Bei der Fütterung muss Wert auf Qualität und eine ausgewogene Ernährung gelegt werden  – also deutlich mehr hochwertiges Heu – um dies zu verhindern. Aufgasungen und Magenüberladungen, die durch zu viel Luzerne (ebenso Klee, junges Grünfutter oder Kohlgewächse) entstehen können, sind unbedingt zu vermeiden. Besonders bei Schimmeln und anderen hellhäutigen Pferden sowie bei Pferden mit gross­flächigen weissen Abzeichen ist es in seltenen Fällen möglich, dass Photosensibilität auftritt. Gemeinhin sprechen viele auch von einer «Sonnenallergie», doch hat diese Reaktion mit einer Allergie nichts zu tun. Photosensibilität steht in Verbindung mit dem Fressen von Johanniskraut, verschiedenen Klee- und Luzernearten sowie Buchweizen.

Seit über 2000 Jahren werden die Pferde mit Luzerne gefüttert.

Beim Kauf von Luzerne sollte darauf geachtet werden, dass dieser nur eine geringe Menge von Melasse zugemischt wurde. Diese wird dafür eingesetzt, den Staub im Futter zu binden. Allerdings ist sie nicht sehr gesund fürs Pferd, wenn auch als brauner Zuckersirup schmackhaft. Pellets, die Luzerne enthalten, werden besonders gern verfüttert. Hier entfällt allerdings der Effekt, dass der Schmetterlingsblütler die Pferde zum Kauen animiert. Das wertvolle Blattwerk wird zudem teilweise vor dem Pelletieren ausgesiebt. Geeignet ist Luzerne vor allem für schwerfuttrige Pferde, die etwas zunehmen sollten. Bei leichtfuttrigen Zeitgenossen sollte man als Halter entweder die Finger davon lassen oder nur in sehr geringem Masse zufüttern, da sie so energie- und nährstoffreich ist.
Da Luzerne in unseren Breiten nicht frisch zu bekommen ist, sind Pellets oder Silage die bekannten Darreichungsformen. Die Problematik der Pellets wurde bereits angesprochen, bei Silage besteht die erhöhte Gefahr von Fehlgärungen durch die sperrigen und nicht leicht luftdicht zu verpackenden Luzernestängel. Derartige Silagen erkennt man an einem unangenehmen Geruch (Buttersäure) beziehungsweise Verfärbungen. Erst ab mindestens 35 Prozent Trockensubstanz kann die Fehlgärung effektiv verhindert werden, besser sind 40 Prozent. Zudem kann es in nicht luftdicht verpackten Ballen leicht zu Schimmelbildung kommen. Ein weiterer kritisch zu betrachtender Aspekt ist der Import von Luzerne aus dem Ausland, da diese in der Schweiz klimatechnisch nicht angebaut wird. Europäische Produkte haben gute Qualität, bei güns­tigeren Produkten aus dem aussereuropäischen Ausland oder bei unklarer Herkunft sollte man Vorsicht walten lassen.

Abstammung

Die Luzerne gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Fabiodeae). Sie ist dadurch mit Lupinen, aber auch Erdnüssen oder der Sojabohne verwandt. Die Luzerne ist eine immergrüne, krautige Pflanze, die dank ihres tief liegenden Wurzelsystems auch Dürrezeiten gut überstehen kann. Die als Futtermittel meistverwendete Bastard-Luzerne ist ein Hybrid aus der Luzerne (Medicago sativa) und dem Sichelklee (Medicago falcata). Heute wird Luzerne weltweit als Futtermittel angebaut. Der Einsatz in der Pferdefütterung ist alles andere als eine Erfindung der Neuzeit, denn bereits vor Christi Geburt nutzten die Perser im Ursprungsgebiet der Pflanze diese als Futtermittel für ihre Pferde. Der antike Volksstamm brach­te sie durch ihre Feldzüge nach Griechenland, von wo aus sie weiterverbreitet wurde. Heute wird Bastard-Luzerne im asiatisch-arabischen Raum ebenso angebaut wie in Südeuropa und Teilen Mitteleuropas, wo ihr Anbau jedoch nur in sehr sonnigen, tiefen Lagen möglich ist.
Luzerne wurde in der frühen Neuzeit durch die Kolonialherren und Eroberer nach Nordamerika und Australien eingeschleppt und dort als Futterpflanze übernommen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden immer mehr Hybriden gezüchtet, was leistungsfähigere Luzernesorten bedeutet. Mittlerweile wurde in den USA auch gentechnisch veränderte Luzerne hervorgebracht, welche jedoch den Weg zur Nutzung in Europa (noch) nicht fand und weltweit starke Protes­te durch Umweltschützer auslöste.
Durch Luzerne kann die Fütterung von Heu aufgewertet werden. Gerade etwas nährstoffarme Heurationen können durch dieses Futtermittel ergänzt werden. Luzerne ist ein hochwertiger Eiweiss- und Vitamin-/Mineralstoff-Lieferant. Als kompletter Heuersatz sollte sie jedoch nur bei laktierenden Zuchtstuten dienen, nicht bei Jungpferden oder Sportpferden. Kritisch gesehen werden können der Futterimport aus dem Ausland sowie die Gefahr von Fehlgärungen, die jedoch auch bei siliertem Heu gegeben ist. Qualitätsprodukte stehen hier wie dort an erster Stelle.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 6/2017)

[...zurück]

Werden Sie Fan auf Facebook!

Die «PferdeWoche» auf Facebook mit speziellen News und Attraktionen.

» Jetzt Fan werden

Mittwochs in Ihrem Briefkasten

Sie haben noch kein Abonnement der PferdeWoche?

» Abonnement bestellen

Folgen Sie uns auf Twitter!

Die «PferdeWoche» auf Twitter mit attraktiven Tweets aus der Pferdewelt.

» Jetzt folgen auf @pferdewoche