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FEI-Vizepräsident John Madden am Rednerpult bei der Diskussion um die Harmonisierung der Nenngelder.
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Harmonisierung der Nenngelder vom Tisch

19.04.2017 14:45
von  Sascha P. Dubach //

Vor Wochenfrist fand der Gedankenaustausch rund um die Zukunft des Pferde­sports im Rahmen des vom Reitsportdachverbandes FEI organisierten «Sports Forum» statt. Nach den Diskussionen rund um die Zukunft des Nationenpreises (die «PferdeWoche» berichtete) stand vor allem das Einladungssystem und die Nenngeldharmonisierung im Fokus. Zu den weiteren Themen gehörten der Dresscode im Springreiten sowie Risikomanagement und -faktoren in der
Vielseitigkeit oder bei Distanzrennen.


In den vergangenen Wochen wurde in Europas Springsportszene vor allem über ein gewichtiges Thema debattiert: Die Harmonisierung der Startgelder. Diese Diskussion wurde am diesjährigen «FEI Sports Forum» noch einmal intensiv aufgenommen. Dabei hielt FEI-Präsident Ingmar De Vos zu Beginn fest, dass die Initiative nicht von der FEI, sondern von der «International Equestrian Organizers Alliance» (IEOA), der Vereinigung der Turnierorganisatoren, kam. Zu Beginn kamen noch einmal alle Pros und Kontras betreffend Anpassung an das amerikanische Sys­tem zur Sprache. Dabei schweifte die Diskussion dann ab und endete beim Streitpunkt «Paycards» – sprich, wenn für einen Reiter ein Startplatz an einem Turnier erkauft wird. John Madden, erster Vizepräsident der FEI, gab diesbezüglich ein klares Statement ab: «Wir tolerieren keine Paycards, diese sind nicht erlaubt.» Dabei ging mehrmals ein Raunen durch das Publikum. Wie es denn bei der Global Champions League aussehe – das entsprechende Reglement wurde erst vor Kurzem von der FEI akzeptiert – wollte jemand wissen.

IOC-Präsident Thomas Bach (r.) überreicht FEI-Präsident ­Ingmar De Vos einen Anerkennungs-Award.

Immerhin koste die «Grundgebühr» für ein Team zwei Millionen US-Dollar. Ob es sich dabei nicht um ein «Einkaufen» handle? Madden wich aus, meinte: «Das Einkaufen in ein Team des jeweiligen Teammanagers ist ein Investment, keine Paycard.» Er verwies zudem auf die Mehrheits­entscheidung be­züglich Reglemente an der vergangenen Generalversammlung. Alban Poudret, Sportdirektor des CHI Genf und Chefredaktor des «Cavalier Romand», empörte sich zudem bezüglich Einladungsquoten. «Vergleicht man Genf mit der Global Champions Tour, so können wir maximal über zwölf nicht vorgeschriebene Startplätze, die GCT über deren 40 verfügen.» Diesem Votum schloss sich auch Stephan Conter (unter anderem Organisator des CSI5* Knokke, BEL) an. Er insis­tierte nach Beendigung der Diskussion bezüglich Paycard noch einmal derart, dass FEI-Präsident Ingmar De Vos aufstand und ihm direkt antwortete: «Es ist ein freier Markt. Jeder kann eine eigene Serie mit einem eigenen Reglement der FEI einreichen», meinte er. «Wir wissen alle, dass es in der Vergangenheit ‘versteckte’ Paycards gab. Man kauft einen VIP-Tisch mehr als sonst, ist vielleicht Sponsor, vergibt im Gegenrecht einen Start­platz. Doch im Grundsatz toleriert die FEI keine derartigen Machenschaften.» Ob sich der FEI-Präsident in diesem Moment bewusst war, nicht doch vielleicht die «Büchse der Pandora» geöffnet zu haben, ist nicht bekannt. Tür und Tor geöffnet für verschiedene Planspiele hat er auf alle Fälle. Generell als Fazit kann man sagen, dass zwar viele Fragen gestellt wurden, jedoch nichts konkret beantwortet wurde. Der Ball liegt nun beim zuständigen Springkomitee. Ein Vorschlag, der allen genehm sein soll, wird nun ausgearbeitet und den nationalen Verbänden präsentiert. Darüber entschieden wird dann an der Generalversammlung im November dieses Jahres. Eines ist jedoch klar – die Harmonisierung, da ist man sich einig – ist in der von der IEOA geforderten Version vom Tisch. Zu unterschiedlich sind die internationalen Turniere und die jeweiligen Kategorien.

Dresscode und Risikomanagement

Die Debatte über den Dresscode im Springsport war kurz. Man war sich einig, dass die Kleidung so bestehen bleiben soll, einzig die Funktionalität (Bequemlichkeit) könnte verbessert werden. Die FEI ist zudem aufgefordert worden, ein Konzept zu entwickeln, bei welchem die Nationalität und der Name des jeweiligen Reiters anhand der Kleidung besser sichtbar ist. Zudem soll sie einheitlich daherkommen.
Das Wohlergehen der Pferde und Athleten stand am zweiten Tag auf der Agenda. Die FEI hat in umfangreiche wissenschaftliche Forschung investiert, um Risikofaktoren und Risikomanagement vor allem in der Vielseitigkeit und im Distanzreiten zu bewerten.
Diarmuid Byrne und Sam Watson, Mitbegründer der Firma «EquiRatings», mit welchen die FEI einen Vierjahresvertrag abschloss, präsentierten ihre Forschungsergebnisse. Ihr «EquiRatings Quality Index (ERQI)» analysiert die Daten von Pferd und Reiter in der Vielseitigkeit. Dies sei ein Schlüsselelement, um das Risiko zu minimieren. Die irische Fir­ma arbeitet seit längerem mit dem heimischen nationalen Verband zusammen. Im vergangenen Jahr wur­de ein Rückgang der Stür­ze um 66 Prozent verzeichnet. «Vergangene Resultate helfen uns, zukünftige Leistungen vorauszusehen und besser zu planen», so Byrne.
Mitglieder der Universität Glasgow (GBR) präsentierten anschliessend ihre Studie zu Ermüdungsknochenbrüchen im Endurancesport. Mittels einer beeindruckenden Detail­an­a­lyse kamen sie zum Fazit, dass die Geschwindigkeit und die Nichteinhaltung der obligatorischen Ruhezeiten (zwischen den Rennen) die grössten Risikofaktoren sind. Professor Chris Whitton sprach dar­über, wie intensive Trainings zu einer Anhäufung von Schäden führen können. «Prävention ist der Schlüssel», sagte er.

Wichtige Entscheidungen

Nach dem Sportforum trafen sich die verschiedenen Abteilungen der FEI traditionell noch zu weiteren Gesprächen. Wie der Dachverband mitteilte, wurden dabei folgende Entschlüsse gefasst (Auszug): Das Sportforum im nächsten Jahr steht im Zeichen der Jugend. Es wurde ebenfalls bestätigt, dass die Nationenpreisserie – wie gefordert – zur absoluten Toppriorität für die FEI eingestuft wurde. Die nächste Generalversammlung findet im November in Montevideo (URU) statt, jene für 2018 wurde an die Föderation von Bahrain vergeben.

Prinz Faissal bin Abdullah Al-Saud (KSA) erhielt aus den Händen von FEI-Präsident Ingmar De Vos (r.) im Rahmen einer speziellen Zeremonie den «FEI Lifetime Achievement Award».

In der Vielseitigkeit soll es möglicherweise ab 2019 eine neue Serie, kombiniert aus Nationenpreis und Weltcup, geben. Der Antrag, dass die Vierspännerfahrer eine Kostenentschädigung für den Transport an die WEG 2018 nach Tryon (USA) erhalten, wurde bestätigt; weitere Details folgen. Die Veterinärkommission informierte, dass sie in naher Zukunft einen elektronischen Pass für Pferde ausarbeiten und einführen will. Update in Sachen Olympische Spiele in Tokio (JPN) 2020: In diesem Sommer wird mit der Konstruktion der Geländestre­cke für die «Buschreiter» begonnen. Ein Test­event soll 2019 durchgeführt wer­den. Das «E-learning centre» namens FEI-Campus wird im Juni dieses Jahres eingeführt. Des Weiteren wurden diverse Championate vergeben (siehe Kasten).

Awards

Gleich zwei grosse Preise wurden im Rahmen eines Galadinners verliehen. Der saudische Prinz Faissal bin Abdullah Al-Saud erhielt von der FEI den ­«Lifetime Achievement Award» (Lebenswerk) für seine Dienste zugunsten des Pferdesports in seinem Land. Selbst ein begeisterter Reiter, gründete er 1990 den nationalen Verband und steckte viel Geld in die Ausbildung der Reiter. Nur sechs Jahre später nahmen saudische Spring­reiter erstmals an Olympischen Spielen (Atlanta 1996) teil; 2000 in Sydney gab es dann die erste Medaille (Einzelbronze für Khaled al Eid). Zudem wurde über Jahre die Nationenpreisserie unterstützt.
Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, überreichte dem FEI-Präsidenten Ingmar De Vos die «IOC President’s Trophy», quasi als Anerkennung für die Verdienste der FEI. «Der Pferdesport hat viel, auf das er stolz sein kann», meinte Bach am Abend vor über 300 Besuchern. «Der Sport hat nicht nur eine lange olympische Tradition, er war auch immer ein Vorreiter in puncto Geschlechtergleichheit.»

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 16/2017)

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