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Die deutsche Springreiterin Laura Klaphake.
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Im Eiltempo zum Erfolg

26.09.2017 14:40
von  Alexandra Koch //

Die deutsche Springreiterin Laura Klaphake ist erst 23 Jahre alt – und doch erlebte sie gerade ihre neunten Europameisterschaften. Sie begann im Ponysattel, arbeitete sich über Junioren und Junge Reiter nach oben, ritt zu nicht weniger als sechs internationalen Medaillen und nahm in Göteborg an ihren ersten Europameisterschaften der Senioren teil. Dennoch sucht Laura Klaphake trotz eines Lebens, in dem Pferde stets die Hauptrolle spielten, ihr Glück nicht ausschliesslich im Sattel. Der Reitsport, betont sie, soll nicht dazu dienen, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Laura Klaphake möchte nicht eines Tages erleben, dass sie die Freude am Reiten verliert, nur weil es ausschliesslich dem Zweck dient, ein finanziell abgesichertes Leben zu führen. Für die junge Sportlerin war immer schon klar, dass sie einen anderen Beruf ergreifen wollte. Darum begann sie nach dem Abitur sofort ein Studium, welches sie mit dem Bachelor in internationalem Management und Marketing abschloss. Mittlerweile hat die 23-Jährige ein Masterstudium des Immobilienmanagements als Fernstudiengang an der Universität Boch­um begonnen. Dies ermöglicht es ihr, sich die Zeit besser einteilen zu können, mehr für ihre Pferde da zu sein und damit auch ihre reit­sportliche Karriere in dem Mass voranzutreiben, wie es ihr aktuell gelingt. «Ich muss nur einige Tage im Jahr in Bochum vor Ort sein, was es mir sehr angenehm macht, dieses Studium in Einklang mit meiner momentan so erfolgreichen Reitsportkarriere zu bringen», erklärt sie. «Allerdings bedeutet es auch, viel in Eigenregie zu arbeiten. Viele Inhalte werden online angeboten, auch zahlreiche Vorlesungen. Es erfordert Disziplin. Doch ich sehe es positiv, weil ich so das Studium sehr gut mit dem Reiten verbinden kann. Ich kann mir alles frei einteilen, wenn es auch sehr zeitintensiv ist. Bislang macht es mir sehr viel Spass.» Während ihres Bachelor-studiums dagegen hat Laura Klaphake einmal eine längere Auszeit von den Pferden genommen. Auch dies hat zum Erwachsenwerden beigetragen, betont die junge Sportlerin. Sie konnte während des Semesters, welches sie in Argentinien verbrachte, ein ganz anderes Leben kennenlernen. «Es war wirklich ganz toll und eine herausragende Erfahrung», beschreibt sie mit einem Lächeln auf den Lippen. «Allerdings sass ich sechs Monate auf keinem Pferd, was sich erstmal richtig komisch anfühlte. Ich habe das Reiten schon vermisst, aber wusste zum Glück, dass meine Pferde gut versorgt waren und nicht verkauft würden. Meine Mutter ritt sie weiterhin für mich. Sonst hätte ich vermutlich diesen Auslandsaufenthalt nicht gemacht. Das Ausland­ssemes­ter war zunächst schwierig, da man ja die Studieninhalte mit den Muttersprachlern in deren Sprache lernt. Man musste sich zunächst schon durchkämpfen, aber es hat sich gelohnt, denn nun spreche ich fliessend Spanisch. Ich bin in Argentinien sehr viel gereist und habe ein «normales» Leben ohne Pferde geführt. Das ist für einen Reiter schon ziemlich gewöhnungsbedürftig.»

Laura mit ihrem VaterJoseph Klaphake und dem Wallach Silverstone.

Streicheleinheiten für Silverstone.

Pferdeverrücktes Elternhaus

Im Hause Klaphake dreht sich alles um Pferde – und das schon seit vielen Jahrzehnten. Schon vor 30 Jahren trafen Lauras Vater Joseph und Paul Schocke­möhle zusammen. Seit vielen Jahren lebt die Familie bereits in Mühlen, Lauras Pferde stehen auf Scho­cke­möhles Anlage und sind zum Grossteil in seinem Besitz. Vater Joseph Klaphake ist sozusagen die rechte Hand von Schocke­möhle, verantwortlich für das Management der Reitanlage, den Verkauf und die Dressurpferdezucht. Er ritt einst selbst erfolgreich bis Klasse S Dressur und Springen und war als Auktionsreiter bei den Oldenburgern in Vechta mit von der Partie. Lauras Mutter Gaby Klaphake wuchs ebenfalls mit Pferden auf. Auch ihr Vater war bereits im Springsattel unterwegs. Sie selbst räumte bei Pony-Europa­meisterschaften kräftig ab. Da scheint es kein Wunder, dass der Apfel ganz offensichtlich nicht weit vom Stamm fiel und Laura ebenfalls in den (Spring-) Sattel stieg. Die junge Frau mit den wehenden blonden Haaren hat im Übrigen noch zwei Brüder: Felix, der mit Pferden weniger anfangen konnte und heute in Amsterdam studiert, sowie Enno, 17 Jahre, der ebenfalls an Pony-Europa­meisterschaften mit goldenem Lohn teilnahm und mittlerweile erfolgreich auf Gross­pferde umgestiegen ist. «Ich reite wohl schon länger, als ich laufen kann», erinnert sich Laura an ihre Anfänge. «Mein erstes Pony war Uno, an meinen ersten Turnierstart kann ich mich nicht einmal mehr erinnern. Meine Familie hat mir das Reiten praktisch in die Wiege gelegt. Die vielen Championate als Jugendliche brachten mir durchaus viel Erfahrung, was sich heute positiv auswirkt. Meine sechs EM-Medaillen waren ganz besondere Erfolge, ebenso meine drei Siege bei den Deutschen Meisterschaften.» Aber: Reiten war lange Zeit nicht Lauras einziger Sport: «Lange Zeit spielte ich Handball in der Landesliga. 14 Jahre lang war das neben dem Reiten mein zweiter Sport. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge musste ich davon Abschied nehmen, da es sich zeitlich einfach nicht mehr hätte vereinbaren lassen.»

Im Sattel unterwegs mit Bruder Enno.

Mit ihrer Familie lebt Laura Klaphake in Mühlen (GER).

Fang mich, wenn du kannst

Der Name ihrer EM-Stute Catch me if you can erinnert nicht nur an einen Hollywoodfilm, sondern ist vor allem im Parcours Programm. Denn die erst neunjährige Braune aus der Oldenburger Zucht beweist schon in jungen Jahren enormes Talent. Genauso alt ist auch der Wallach Silverstone, Lauras zweites Erfolgspferd. Nicht nur zu Silber, sondern gar zu Gold trug Silverstone Klaphake im finalen Umlauf der Deutschen Meisterschaften der Spring­reiterinnen, nachdem Catch me in der ers­ten Runde den Grundstein gelegt hatte. So unterschiedlich die beiden Pferde auch sein mögen, für die Springreiterin sind sie beide gleichermassen wertvoll und erfahren ihre vollste Liebe und Zuneigung. «Ich habe beide Pferde mit sechs Jahren unter den Sattel bekommen», berichtet sie. «Meine Eltern haben mich bei der Ausbildung sehr unterstützt. Es ist für mich so ein tolles Gefühl, die Pferde alle selbst ausgebildet zu haben und sie wirklich von ganz kleinen Prüfungen bis zum Grand-Prix- Sport gebracht zu haben. Es war mit allen Pferden ein Weg mit vielen Höhen und Tiefen. Aber bei meinen aktuell besten Pferden Catch me und Silverstone habe ich immer schon gemerkt, dass sie selbst richtig ehrgeizig sind und immer wollen. Silverstone ist schwieriger zu reiten als Catch me, aber auch mit ihm haben wir uns durchgekämpft. Zu Hause ist meine Stute Catch me immer ganz lieb. Oft hat sie richtig viel Energie, aber das ist ja auch schön zu sehen. Silverstone hat wahnsinnig viel Energie und ist auch etwas schreckhaft. Wenn Decken auf dem Platz hängen, muss man sich diese mit ihm erst einmal ganz genau von allen Seiten anschauen. Auch so manches Blatt im Wind war ihm schon zu gefährlich. Aber beide sind ganz besondere Pferde mit einem riesengrossen Herz.» Beide Pferde stehen aktuell nicht zum Verkauf, was im Stall Schockemöhle durchaus ein Ausnahmefall ist. «Dank ihm darf ich diese grossartigen Pferde reiten. Man kann also durchaus sagen, dass der Erfolg ohne ihn so nicht möglich wäre. Es ist meiner Meinung nach einfach Wahnsinn, was er sich aufgebaut hat. So ein grosser Stall mit so vielen Pferden und Reitern – das muss einem erstmal gelingen. Es ist immer etwas los und toll zu sehen, wie die jungen Pferde dort ausgebildet werden und langsam in den Sport hineinwachsen. Es wird dort auf jeden Fall niemals langweilig. Paul selbst gibt mir auf Turnieren schon mal den einen oder anderen Tipp, was mich dann immer besonders freut», strahlt Laura Klaphake.

Laura Klaphake mit ihrem Freund Patrick Döller.

Laura Klaphake ist seit ihrer Geburt vernarrt in Pferde.

Riesenerfolge

«Die letzten Wochen und Monate – im Grunde genommen das ganze Jahr – waren einfach unglaublich gut», beschreibt Klaphake ihre momentane Gefühlslage. «Ich kann sehr sicher sagen, dass es das beste Jahr meiner reiterlichen Karriere war. Es begann damit, dass ich in Oliva Nova in Spanien unterwegs war und dort einige tolle Platzierungen holen konnte, inklusive einen zweiten Platz auf Silverstone im Grossen Preis auf Dreisternniveau. Schon zu diesem Zeitpunkt waren die Pferde super drauf und das ging zurück in Deutschland so weiter. Dann folgten Hagen, Nörten-Hardenberg, wo ich jeweils Vierte im Grossen Preis war, Hamburg mit dem fünften Platz in der Global Champions Tour und Balve mit dem Meistertitel. Kurz darauf ritt ich meinen ers­ten Nationenpreis mit den Senioren in Rotterdam – ein ganz grosses Erlebnis für mich. In Aachen holte ich viele Platzierungen und den 13. Platz im Grossen Preis nach einer tollen Nullrunde von meiner Catch me im ersten Umlauf. Hätte mir dies jemand zu Anfang des Jahres gesagt, hätte ich ihn wohl für verrückt erklärt.» Und die Europameisterschaft in Schweden? War sie der Höhepunkt? Eine Medaille gab es dieses Mal noch nicht für die so erfolgreiche junge Dame. Fünfte wurden die Deutschen im Nationenpreis, Klaphake selbst erreichte im Einzelfinal einen sehr guten 17. Platz, einen Rang vor CHIO-Sieger Gregory Wathelet. «Meiner Meinung nach lief die EM wirklich sehr gut. Catch me ist so super gesprungen, wir konnten uns von Runde zu Runde steigern und eine Riesenmenge an Erfahrung mitnehmen.» Nun ist für Laura erst einmal ein wenig Entspannung angesagt. Sie freut sich, auch mal durchatmen zu können. «Wenn ich Zeit habe, mache ich am liebs­ten etwas mit Freunden oder meiner Familie. Ich gehe beispielsweise auch gerne joggen. Und zum Entspannen fahre ich mit meiner Mama zum Shoppen.» Manchmal hat sie dann auch Zeit, ein wenig zu träumen. Von den Olympischen Spielen beispielsweise, dem grossen Ziel, das sie seit ihrer Kindheit hat. Mit ihren herausragenden Auftritten in diesem Jahr ist sie ihm ein grosses Stück näher gekommen.

Laura Klaphake mit Catch me if you can. 

Laura und ihre Mutter Gaby Klaphake. 

 

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 38/2017)

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