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Samantha McIntosh ist auch als Sam bekannt.
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«In Tryon können wir Kiwis in die Top Ten vorstossen»

05.06.2018 10:17
von  Text: Peter Wyrsch / Fotos: Katja Stuppia //

Alle nennen sie Sam. Ihr Kurzname ist im Springreitsport Begriff. Sam ist eine Lady, heisst mit komplettem Namen Samantha McIntosh und ist Neuseeländerin. Sie spricht nebst ihrer englischen Muttersprache hervorragend Deutsch, auch Schwyzerdütsch. Die 42-jährige Sam hat nämlich nebst ihrem 13-jährigen Aufenthalt in Aach in Baden-Württemberg auch eine längere Schweizer Vergangenheit. Sie schätzte es, wieder in ihrer zweiten Heimat zu sein, haderte aber am CSIO St. Gallen dennoch. Ihr Spitzenpferd Check In hatte Fieber, muss­te kranheitshalber passen, womit auch die neuseeländische Equipe im Nationenpreis platzte.

«PferdeWoche»: Was war los? Weshalb der Verzicht in St. Gallen?
Samantha McIntosh: Das Spitzenpferd ist nicht in Form. Check In ist krank. Ich versuchte es mit dem Hengst am Freitag vor dem Grand Prix. Er hatte keine Kraft. Er hat Fieber. Schonung ist angesagt.

Sie hatten aber noch andere Pferde in St. Gallen. Estina und Alaid de Chez Nous ...
... aber keinen Check In. Er ist meine Nummer eins. In seinem Sattel gewann ich Mitte Februar mit unserer Equipe den Nationenpreis in Abu Dhabi. Es war der erste Nationenpreissieg von Neuseeland überhaupt. Ich war mächtig stolz, verzeichnete ich doch keinen Fehler und blieb auch im Stechen makellos.


Sam McIntosh im Sattel der 14-jährigen Belgierstute Estina.

Waren Sie erstmals am CSIO in St. Gallen?
Nein. Ich war schon 1996 im Gründenmoos, als die Schweiz letztmals im Nationenpreis siegte. Und auch um die Jahrtausendwende war ich in St. Gallen, als ich bei der Familie Mändli in Biessenhofen als Bereiterin tätig war.

Waren Sie nicht schon zuvor in der Schweiz?
Mit 17 Jahren wanderte ich aus. Ich habe meinen Kontinent und meine Heimat verlassen und bin nach Altnau an den Bodensee zur Familie Kessler gezogen. Marianne Kessler hatte bei uns in Neuseeland ein Pferd gekauft. Es hiess Happy Lucky. Ich war sehr «lucky» mit ihm und konnte so meine Reiterkarriere lancieren.

Es folgten weitere Schweizer Stationen.
Vier, fünf Monate durchlief ich die harte Schule bei Thomas Fuchs in Bietenholz. Danach war ich zwei Jahre beim leider viel zu früh verstobenen Pferdefachmann Markus Mändli. Von den beiden Trainern und Ausbildern habe ich sehr viel gelernt. Sie beeinflussten meine Reitweise.

Dann zogen Sie nach Deutschland weiter.
Rund 13 Jahre war ich bei der Familie Orschel-Lüthi in Aach angestellt. Ich durfte junge Pferde ausbilden und nahm sporadisch auch die damals kleine Kaya unter meine Fittiche. Und ich wechselte die Nationalität.

Samantha McIntosh.


Ritten Sie denn für Deutschland oder die Schweiz?
Nein, für Bulgarien. Mein Chef Günter Orschel bewog mich zum Nationenwechsel. Neun Jahre ritt ich für Bulgarien und hatte die bis anhin erfolgreichste Zeit mit guten oder sogar sehr guten Pferden.

An welche denken Sie?
An den Holsteiner Loxely, an Flèche Rouge und an Royal Discovery, mit dem ich 2000 an den Olympischen Spielen in Sydney und am Weltcupfinal in Las Vegas teilnehmen durfte. Im Wüstenstaat Nevada wurde ich 13. Royal Discovery wurde dann an die US-Amerikanerin Alison Firestone verkauft.

Nahmen Sie auch an anderen Championaten teil?
An drei Weltreiterspielen und fünf Europameisterschaften. Ich war für Bulgarien mit Flèche Rouge und Loxely an zwei WEG, 2002 in Jerez (Einzelelfte) und 2006 in Aachen, und vertrat Neuseeland 2010 in Lexington nochmals mit Loxely. An Europameisterschaften nahm ich für Bulgarien in Mannheim, Hickstead, Arnheim, Donau­eschingen und San Patrignano teil. Ich habe an diesen Titelkämpfen viel Erfahrung sammeln können.

Sie zogen aber auch von Aach, wo Sie mit dem deutschen Springreiter Fritz Fervers liiert waren, weiter. Sam, die Unstete?
Ich brauche oftmals einen neuen Kick, eine neue He­rausforderung. Ich zog nach Aach zu Katharina Offel in die Nähe von Köln, übersiedelte dann weiter zu Tal Milstein nach Asse in Belgien, ehe ich 2011 wieder in meine Heimat nach Neuseeland zurückging.

Stammen Sie aus einer Reiterfamilie?
Meine Mutter Penny und mein Vater Colin waren Springreiter, Mama auch Trainerin. Nur mein Bruder Adam hat es nicht so mit Reiten. Er verkauft in Neuseeland Lastwagen. Das bringt offenbar mehr ein. Ich verbrachte nach meiner Rückkehr drei Jahre im neuseeländischen Cambridge, wo ich ein kleines Grundstück besitze, einen Stall und ein Haus bauen liess. Irgendwann kehre ich endgültig heim, im Herzen bin ich Neuseeländerin. Neuseeland ist meine Heimat.

Aber nun sind Sie seit vier Jahren wieder in Europa und reiten an grossen Turnieren mit.
In Neuseeland hat Reiten nicht so eine grosse Bedeutung wie Rugby oder Rudern. Die Spitze ist nicht breit, aber nicht zu unterschätzen. Einige wie Bruce Goodin haben Erfahrung.


Was für Pferde bilden Sie gerne aus?
Ich liebe elegante Pferde mit viel Blut. Sie haben einen eigenen Motor. Einen solchen in Betrieb zu setzen, macht mich glücklich. Ich bin geduldig und spüre oft die Pferde. Und wenn sie Fortschritte machen, habe ich besonders Spass. Und dies jeden Tag.

Das Team Neuseeland mit (v. l.) Bruce Goodin, Samantha McIntosh, Equipenchefin Ulrika Goodin, Daniel Meech und Richard Gardner gewann den Nationenpreis im Rahmen des CSIO5* in Abu Dhabi (UAE).


Check In heisst Ihr Spitzenpferd. Der Oldenburgerhengst ist aber schon 15-jährig ...

... aber noch immer frisch. Der Zenit ist noch nicht überschritten. Vor Wochenfrist klassierten wir uns am Fünfstern-CSIO in Rom in einem Springen über 155 Zentimeter als Vierte. Und vor fünf Wochen haben wir seine potenzielle Nachfolgerin gekauft, eine achtjährige Franzosenstute. Alaid de Chez nous, die auch in St. Gallen in kleinen Prüfungen startete, ist nun bei uns und wird uns noch viel Freude bereiten.

Wo leben Sie jetzt?
In einem weiteren Land, in Frankreich. In La Teste-de-Buch, südlich von Bor­deaux, im Arrondissement Arcachon am Atlantik. Ich reite dort fünf Pferde, vier für Sponsoren, eines für Papa Colin. Es ist schön, an den grössten Sanddünen Europas mit Pferden zu galoppieren und Reihern, Brachvögeln und Strandläufern zuzusehen.

Die Gegend ist auch ein Zentrum für Austern.
Ich weiss und mag die «huîtes» sehr. Ich habe schon oft solche geschlürft. Ich mag sie. Aber zubereiten kann ich sie nicht. Für die Küche bin ich ungeeignet. Ich bin fürs Reiten zu gebrauchen.

Welches sind Ihre Saisonziele?
Die WEG in Tryon in den USA. Ich bin schon quali­fiziert. Wenn alle im Team gesund bleiben, Reiter und Pferde, können wir in die Top Ten vorstossen.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 22/2018)

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