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Ein Tag mit den «Speidel-Sisters».
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Lauras Spins mit den Speidel-Sisters

31.10.2017 11:58
von  Text: Peter Wyrsch/ Fotos: Talitha Boakye //

Roy ist ein keltischer Vorname und auch die hebräische Abkürzung von «Roe scheli». Übersetzt heisst dies «mein Hirte». Hirten sind beim Bewachen von Herden verantwortlich, Cowboys bei Rindern. Mit einem Roy machte auch Laura Delli Liuni Bekanntschaft. Mit ihm drehte sie sich als «Cowgirl» schon im Kreis. Lauras Roy ist aber kein Cowboy, sondern ein Pferd dieses Namens. Ein braver, fünfjähriger Fuchs, ein Quarterhorse. Mit ihm feierte das 14-jährige Girl aus dem solothurnischen Flumenthal eine Premiere. Im Westernsattel sitzend, glückten ihr unter kundiger Anleitung erstmals Spins, eines der gängisten Manöver im Westernreiten. Laura hatte gleich zwei erstklassige Reining-Lehrmeisterinnen: Die Zürcher Speidel-Sisters, die Pro-Vizemeisterin Adrienne und die amtierende Amateur-Championne Marisa, vermochten die gelehrige Laura fürs Westernreiten zu begeistern.

Laura, die in Hubersdorf die achte Klasse besucht und entweder Bereiterin, Praxisassistentin bei einem Tierarzt oder Optikerin lernen möchte, sass schon von klein auf im Sattel. Mama Monika, selbst Bereiterin und nunmehr im Gastgewerbe tätig, hat ihre Liebe zu Pferden ihrer Tochter übertragen. Papa Canio, von Beruf Heizungsmonteur, hat mit Pferden wenig am Hut. Ebenso der 22-jährige Bruder Dario, gelernter Confiseur, der sich während sechs Jahren als Skispringer in Einsiedeln versuchte. Laura aber ist ein Pferdefreak. Vor drei Jahren hat sie das klassische Reiterbrevet erworben. Sie versuchte sich mit einem familieneigenen Pferd auch schon im Wes­ternsattel mit dem typischen Horn, der am Fork befestigt ist.

Unten: Das fünfjährige Quarterhorse Roy und die 14-jährige Laura Delli Liuni (l.) treffen auf der Westerreitanlage von Speidels in Einsiedeln ein und werden sogleich unter die Fittiche der Speidel-Schwestern genommen.

«Nach ein, zwei Jahren bin ich dann aber auf die englische Reitweise umgestiegen und habe mit einer Schweizer Warmblutstute namens Hastique bis im Vorjahr einige kleine Parcours bestritten und kam in Brevet-konkurrenzen über 65 und 70 Zentimeter fehlerfrei durch.» Nun aber gehört die besondere Pferdeliebe zwei familieneigenen Vierbeinern, dem Araberwallach Amor und dem sechsjährigen Welshpony Passoa.

Neuer Trainer für Speidels
Im Westernsattel von Roy sitzend, genoss die hübsche Laura die Privatlektion mit den «Speidel-Sisters». In Einsiedeln, in der grossen, lichtdurchfluteten neuen Reithalle der Reining-Family, kam die Solothurnerin in den Genuss eines aussergewöhnlichen «PferdeWoche»-Tages.

Pro-Reiterin Adrienne Speidel mit ihrem Paradepferd.

Der brave Roy, der zum Verkauf ausgeschrieben ist, wurde mit den Quarterhorses Grace, der sechsjährigen Palominastute und dem fünfjährigen Soldier im Pferdeanhänger speziell von seinem Heimatstall in Hotwiel in Hombrechtikon zum Training nach Einsiedeln gefahren. Neben den Skisprungschanzen üben die Speidels seit Mai dieses Jahres in der grossen Reithalle (35 mal 80 Meter) drei- bis viermal pro Woche und sporadisch auch mit ihrem neuen Trainer, dem Amerikaner Don Boyd, mit dem auch sonst reger Gedankenaustausch stattfindet. Neuer Elektronik sei Dank.

Lehrstunde von Bointi und Budu
Laura führte Roy zwei­händig. «Bis fünfjährig werden die meisten Wes­ternpferde zweihändig geritten», erklärt Marisa, Adriennes jüngere Schwester, die familienintern nur «Budu» genannt wird. «Training mit Reiningpferden setzt mit ungefähr zwei Jahren ein. Und mit drei folgen in der Regel die ersten Wettkämpfe.» Laura lauscht ob den Ausführungen. In der Aufregung vor der Privatlektion hat sie vergessen, die Reitstiefel anzuziehen. Mama Monika hilft, holt die Stiefel aus dem Wagen. Nun sitzt Laura im Sattel. «Entspann dich. Bleib locker im Kreuz. Dreh mal eine Volte und zieh das Bein weg», lauten die Anweisungen von Adrienne, familenintern nur «Bointi» genannt. Vom Schritt geht es in den Trab und alsbald in den Galopp. Reining-prüfungen werden ja ausschliesslich im Galopp geritten.

Laura zeigte sich mit Roy als gelehrige und talentierte Westernreiterin.

Laura wagt immer mehr und setzt schnell um, was gefordert wird. Und nach zehnminütiger, gezielter Instruktion dreht sie sogar die ersten Spins, die spektakulären 360-Grad-Drehungen auf der Hinterhand des Pferdes. «Halte die Zügel nach unten, die Beine nach vorne, den Rücken nach hinten. Und schau, es klappt. Roy versteht dich. Glückwunsch.» Die Speidels sind des Lobes voll über die raschen Fortschritte ihrer gelehrigen Schülerin. «Sie hat Talent, Gespür und setzt Anweisungen gut und schnell um. Aus ihr könnte mal auch eine gute Reinerin werden», sind sich «Boin­ti» und «Budu» einig. «On verra» würde der Franzose dazu sagen.

Die Reining-Familie
Schauplatzwechsel. Der Tag mit den Speidel-Sisters begann für Laura in Hotwiel in Hombrechtikon: Auf dem Weiler an erhöhter, bevorzugter Wohnlage im Bezirk Meilen hat sich die Familie Speidel ein Pferdeidyll geschaffen. Da lässt sich verweilen und leben. Die prächtige Aussicht auf die Insel Ufenau, auf den Zürichsee und die Voralpen besticht ebenso wie die Gebäulichkeiten. Das Gelände hat eine Grösse von 13 Hektaren, verfügt über zahlreiche Weiden und Wiesen, Sand- und Galoppbahn, Führanlage, eine helle Reithalle (20 mal 40 Meter), Pferdestallungen für eigene Pferde und Pensionäre und weist als Prunkstück ein in den 20er-Jahren erbautes und 1980 geschmackvoll restauriertes Zürcher Landhaus auf. Im historischen Gebäude, das der bekannte Industrielle und Autografensammler H.C. Bodmer im englischen Stil erbaut hat, haust Mama Speidel.

Laura inspiziert die Anlage der Familie Speidel in Hombrechtikon, mit fachkundiger Begleitung der beiden Schwestern Marisa und Adrienne.

Ariane Speidel-Bodmer, die passionierte Reinerin, hat ihr Westerngen an ihre Töchter übertragen. Die 34-jährige Adrienne teilt die Leidenschaft Reining mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Marisa. Adrienne, die Dekorationsgestalterin gelernt hat, führt seit 2013 den Pensionsstall ihrer Mama in Pacht, verfügt mehr Zeit für ihre Pferdepassion. Ihr stehen mehr Reiner zur Verfügung. Sie reitet sportlich in einem höheren Level und ist daher Pro-Reiterin. Die temperamentvolle Marisa, die fünf Jahre auch der Liebe wegen in Arizona weilte, gilt als «Amateurin». Sie arbeitet in Zürich als Coiffeuse «mit Stuhlmiete in einem 80-Prozent-Pensum», präzisiert sie. «Budu» wohnt selbst nicht im familieneigenen Pferde-idyll. «Ich bin selbstständig und hause in Uerikon, bin aber nur einen Steinwurf von meinen Pferden entfernt.»

Haarschnitt für Model Laura
Während der kleine, bullige und dynamische Chexylution, das Paradepferd von Adrienne, welches sie nur «Chex» nennt, und die talentierte Stute Gumps All Mighty in ihren Boxen in Hotwiel ihre Winterpause geniessen, sind die Speidels stets im Trab, äh im Galopp. Adrienne kocht für ihre Gäste Spaghetti mit Tomatensau­ce, Marisa greift zu Schere und Kamm. Sie verpasst Laura einen Gratis-Haarschnitt und beweist ihr Flair für Individualität und Kreativität. «Flach, gerade oder scheiteln», fragt sie ihr Model nach dem Haarewa­schen. «Und soll ich die Spitzen schneiden? Ausgleichend?»

Laura erhielt von Coiffeuse Marisa Speidel gleich noch eine neue Frisur.

«Damen-Trio» (v. l.): Marisa Speidel, Laura Delli Liuni und Adrienne Speidel.

Laura nickt und erhält eine topmoderne, gestylte Bewegungs-Fön-Frisur. Model ist das richtige Stichwort. Die adrette Laura, 175 Zentimeter gross, hat eine Mannequinfigur. Kein Wunder, dass sie für eine Modeschau und Werbefotos mit Ex-Bachelor Tobias Rentsch auserwählt wurde. Ihr Konterfei ziert Werbeinserate – auch in der «PferdeWoche». Doch ihre Liebe gehört (vorderhand) den Pferden, besonders ihrem Amor.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 43/2017)

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