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Linda Tellington-Jones.
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Mit Fingerspitzengefühl zum Erfolg

10.05.2016 15:54
von  Sandra Leibacher //

Um die Lern- und Leistungsbereitschaft der Pferde ohne Gewalt zu verbessern, können sie «gettoucht» werden. Dahinter steht ein gewaltloses, gezielt auf Berührungen beruhendes System, genannt die TTouch-Methode von Linda Tellington-Jones, welche die Bindung zwischen Pferd und Mensch intensiviert. Die grosse Persönlichkeit war letzte Woche für einen Kurs zu Gast auf dem Weierhof in Wängi TG und vermittelte ihre Werte.

«Change your mind – change your horse» mit dieser Lebenseinstellung lehrte und vermittelte Linda Tellington-Jones die Tellington-TTouch-Methode letzte Woche während fünf Tagen höchst­persönlich am Pferdekurs im Pferde- und Therapiezentrum Weierhof AG in Wängi. Die weitgereiste, sehr engagierte und aktive Persönlichkeit konnte die Teilnehmerinnen mit ihrem enormen Wissens- und Erfahrungsschatz, mit Tipps, Anregungen und direkten Vorführungen an den von den Teilnehmerinnen mitgebrachten Pferden begeistern. Ihres Zeichens eine Koryphäe in der Pferdekommunikation weckte die 78-jährige Kanadierin seit über 40 Jahren mit der gewaltlosen, tiefgründigen, auf feinen Berührungen und ethischen Grundsätzen basierenden Therapie und der Bodenarbeit bei einem grossen, hauptsächlich weiblichen Publikum reges Interesse. Linda Tellington-Jones verfasste zahlreiche Bücher, Videos und Veröffentlichungen zu­guns­ten eines respektvollen, zwangslosen und kommunikativen Umgangs mit Tieren und Menschen. Diese Chance und exzellente Möglichkeit, die vermittelten Werte direkt von der berühmten Pferdetrainerin mit ihren aussergewöhnlichen Fähigkeiten persönlich zu erhalten, eröffneten den 23 begeis­terten Kursteilnehmerinnen aus der ganzen Schweiz, Deutschland und Österreich unzählige neue Erkenntnisse und «Aha-Momente».

Hier wird das Pferd auf den künftigen Reiter vorbereitet, indem es lernt, ruhig unter verschiedenen Gegenständen hindurchzugehen und stehen zu bleiben. Fotos: Sandra Leibacher

Die Erfahrungen des Tages werden anschliessend im Team besprochen.

Die am Kurs teilnehmenden 17 Pferde unterschiedlichster Rassen hatten verschiedene Probleme, Ängs­te, Widersetzlichkeiten und Verhaltensauffälligkeiten, die es zu behandeln gab. Während fünf Tagen arbeitete die Verhaltensforscherin zusammen mit ihren ausgebildeten Assis­tentinnen mit den vierbeinigen «Patienten». Mit viel Ruhe, Geduld und Verständnis «gettoucht», konnten die Teams enorme Verbesserungen des körperlichen und geis­tigen Wohlbefindens der Teilnehmerpferde erreichen.
Die einmalige Gelegenheit des Pferdekurses in Wängi mit der Anwesenheit der Expertin Linda Tellington-Jones in persona wurde für ein paar persönliche Fragen genutzt.


«PferdeWoche»: Was unterscheidet aus Ihrer Sicht die gewaltfreie TTouch-Methode von den andern?

Linda Tellington-Jones: Früher habe ich, wie alle andern, mit den Pferden auf der Volte gearbeitet. Mit der Tellington-Methode und Körperarbeit möchte ich, dass das Pferd freiwillig mit mir geht und mir gerne folgt.

Das Pferd soll gleich viel Spass haben wie der Reiter: Dies bedingt, dem Pferd ein Vertrauensgefühl und Sicherheit zu geben, damit es uns überall hin folgt. Die Methode soll dem Menschen das Bewusst­sein in eine vertrauens- und respektvolle Kommunikation zu seinem Pferd lernen.

Wie kam es zur «Tellington-Jones»-Methode?

1975 reiste ich erstmals an die Pferdefachmesse Equitana und demonstrierte dort das gebisslose Reiten nach der TT.E.A.M.-Methode. Das sei gefährlich und man könne doch ein Pferd so nicht reiten, schrieben damals die Skeptiker in den Fachzeitschriften. Ein Pferd so zu reiten, ist jedoch ein besonderes Gefühl. Der deutschen Autorin Ursula Bruns, die leider am 22. April 95-jährig verstarb, bin ich sehr dankbar. Ich arbeitete mit meinen Pferden rein intuitiv auf diese, meine Art und sie spornte mich an, eine Methode daraus zu entwickeln. So entstand die Tellington-Jones-Methode und sie hat meine Idee europaweit verbreitet. Ursula war es auch, die als Pionierin die Offenstallhaltung für Pferde in die Welt hinaustrug.

Was ist das Ziel Ihrer Methode?

Das Pferd hat von sich aus einen natürlichen Arbeitsantrieb. Hinter meiner Methode steht die Idee einer respektvollen Beziehung ohne Dominanz, Strafe und Gewalt zum Pferd.

Die Tellington-Methode steht im Zusammenhang mit der Zellkommunikation, basierend auf der Quantenphysik. Die Zellkommunikation und die damit verbundenen gefühlten Empfindungen werden mit kreisförmigen Bewegungen an definierten Körperpunkten (Touch) wesentlich verbessert. Diese manifestierte Philosophie ist mittlerweile auch durch ein Pilotprojekt wissenschaftlich bestätigt. So erreichen wir ein besseres Gleichgewicht zwischen Pferd und Reiter, wodurch wiederum die Zusammenarbeit zwischen Tier und Mensch optimiert werden kann.

Haben Sie selbst noch Pferde?

Nein. Ich lebe mit meinem Mann auf Hawaii, bin aber nur vier Monate im Jahr zu Hause. Die restliche Zeit bereise ich haupt­sächlich Europa (Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich und Italien), Amerika und auch Südafrika.

In Asien, hauptsächlich China und Japan, arbeitet eine sehr erfolgreich ausgebildete Instruktorin. Einmal im Jahr versuche ich auch, die Schweiz zu besuchen. Meine absolute Lieblingsstadt ist Bern. Ich wohne jeweils direkt im Herzen der Altstadt und fühle mich unheimlich wohl und bin begeistert.

Linda Tellington-Jones gibt den Kursteilnehmern Tipps.

Sie kennen die Schweiz demnach gut. Wie gefällt es Ihnen hier?

Ich liebe die Schweiz! Seit 1970 komme ich regelmässig in die Schweiz und pflege seit damals eine sehr enge Freundschaft mit dem Zootierarzt Prof. Dr. vet. Ewald Isenbügel und seiner Familie aus Zürich. Ich bin leidenschaftliche Zoobesucherin und den Zoo Zürich besuche ich jedes Mal, wenn ich in der Schweiz bin. Ich finde ihn den zweitschönsten Zoo der Welt. Vor allem die Gorillas und die Elefanten mit ihrem neuen Elefantenhaus haben es mir angetan. Aber auch die vielen anderen Tiere wie Löwen, Kamele, Yaks und Schneeleoparden verzücken mich. Zu den Schneeleoparden habe ich noch eine kleine Anekdote meinerseits.

Anlässlich des 70. Geburtstags meines Freundes, Tierarzt Ewald Isenbügel, reis­te ich vor zehn Jahren nach Zürich. Die zwei neunmonatigen Schneeleopardenjungen litten damals an einer Entzündung, verbunden mit hohem Fieber und blutigem Ausfluss aus den Nasen. Der Tierarzt und seine Studenten gaben den Jungtieren keine oder nur eine geringe Überlebens­chance und ich fragte, ob ich mit meiner TTouch-Methode versuchen dürfte zu helfen. So behandelte ich beide Schneeleoparden, indem ich sie rund 30 Minuten vom Kopf bis zur Schwanzspitze nach meiner Tellington-Methode massierte. Zehn Minuten später senkte sich das Fieber, sie überlebten und wurden wieder gesund. Mein Freund nennt es bis heute noch «Das Wunder von Zürich».

Sie arbeiten nicht nur mit Pferden, sondern wie erwähnt erfolgreich mit anderen Tieren, beispielsweise Hunden. Worauf basieren Ihre Hundekurse im Wesentlichen?

In der heutigen Zeit ist der Hund praktisch ein Familienmitglied und wohnt zusammen mit uns im Haus. Die meisten Kursteilnehmer, die zu uns kommen, haben Probleme mit ihren Hunden. Leg dein Herz in die Hand und mit der Hand berührst du dann den Hund. Verfügt man über die Fähigkeit, die damit verbundene Erkenntnis zu erlangen, kann man mit der TTouch-Methode und unseren Lernparcours das tiefere Verständnis und Vertrauen des Hundes fördern. Es findet eine klare, definierte Kommunikation zwischen Tier und Mensch statt.

Ist ein Kurs für 2017 in der Schweiz geplant?

Im Moment ist noch alles offen, geplant ist noch ­nichts. Ich bin jedoch so begeistert vom Weierhof, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, im Herbst 2017 wieder nach Wängi zu kommen. Die Anlage ist ideal und was ich vor allem begrüsse, ist die Philosophie und die Überzeugung, mit der Nathalie Spörri diesen Betrieb führt. Zusammen mit Lily Merklin, meiner Kursverantwortlichen für die Schweiz, werde ich das noch besprechen.

Als Nächstes geht es nach München, wo wir ein neues Video drehen werden. Im Anschluss reise ich nach Avignon und danach nach Washington. Danach geht es nach Hause nach Hawaii zu meinem Mann.

Das Pferde- und Therapiezentrum Weierhof, ideales Kurslokal mit ausgezeichneter Aura.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 18/2016)

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