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Monika Signer durfte ein Tag mit Eveline Bodenmüller verbringen.
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Monikas Traum erfüllt sich

18.07.2017 13:59
von  Peter Wyrsch //

Monika Signer auf Waldmann. Keine Utopie, sondern Tatsache. Die Ponyreiterin aus Egnach durfte an ihrem besonderen Tag bei der erfolgreichen CC-Reiterin Eveline ­Bodenmüller im Zürcher Weinland sogar in den Sattel deren Spitzenpferdes Waldmann steigen. Der 13-jährige Holsteinerschimmel «Waldi» wird die Schweizer Vielseitigkeitsequipe an der EM im polnischen Strzegom vertreten und soll der ehrgeizigen, aber bodenständigen Bodenmüller zu einem Resultat in den Top-20 im Einzel und zu einem Spitzenergebnis im Team verhelfen. Auf dem Sandplatz im Pensionsstall Wydenbuck in Henggart ging für die 16-jährige Thurgauer Bauerntochter ein erster Traum in Erfüllung. Nachdem Waldi, das im letzten Jahr erfolg­reichs­te CC-Pferd in Schweizer Zügeln, in seiner Eckbox mit Auslauf freudig begrüsst worden war, wurde er für ein leichtes Training als Vorbereitung für das regionale Springturnier in Gossau SG bereit gemacht. Monika durfte beim Striegeln und Bürsten selbst Hand anlegen und Waldi auch zäumen. «Möchtest du ihn auch reiten?», fragte Eveline die staunende Monika. Was für eine Frage! Der Glanz in den Augen und das schüchterne Lächeln auf den Lippen waren Antwort genug. Monika durfte in den Sattel des sensiblen Schimmels steigen. Voller Stolz ritt sie ihn im Sandviereck unter Anweisungen der zweifachen Schweizermeisterin, EM- und WM-Teilnehmerin an. «‘Waldi’ ist ein Goldschatz, der ger­ne im Mittelpunkt steht», erzählt Eveline nebenbei, ohne ihre Augen vom ungewohnten Paar abzulenken. «Es ist nicht das erste Mal, dass jemand anderes in Waldis Sattel sitzt. Auch meine Gotte Ursula reitet ihn bisweilen aus. «‘Waldi’ ist leicht zu reiten, vorsichtig, zuverlässig und brutal schnell. Er ist klar im Kopf, hat seine Stärken im Cross und im Springen und in der Dressur in den letzten Jahren regelmässig Fortschritte erzielt.» 

Privattraining mit Eveline Bodenmüller.

Für die EM bereit

Der behutsame, jahrelange Aufbau und das gegenseitige Vertrauen zeitigt für die aktuelle SM-Zweite Früchte. Das erfolgreichste Schweizer Paar des vergangenen Jahres ist in Form und für die EM bereit. Die Teilzeitlehrerin hat mit Waldi im Frühjahr einen Zweistern-CC im italienischen Casorate Sempi­­one gewonnen, klassierte sich Mitte Mai in Dreisternprüfungen als Dritte bei der EM-Hauptprobe in Strzegom und Ende Juni als Sechste in Wiener Neustadt. «Er hat aber auch Flausen im Kopf und einige Eigenarten», fährt Eveline fort. «Er ist sehr sensibel mit seinen Pferdenachbarn, muss regelmässig laufen und will gefordert werden. Und er reist im Pferdecamion ungerne und nur in einem Dreieranhänger. Gemeinsam haben wir aber noch viele Ziele. Die EM ist das Nahziel, Olympia 2020 das Fernziel, und ich möchte unbedingt einmal in Aachen reiten.»

Waldmann in Familienbesitz

Der Schimmel Waldmann ist in Familienbesitz. Zur einen Hälfte ist die Reiterin auch Eignerin. Die andere Hälfte gehört ihrer Mutter Esther. Zu Bruder Mathias, Leiter der Reit­sportanlage im Buck in Aesch bei Neftenbach bei Winterthur, und zur älteren Schwester, der Juristin Manuela, hat Eveline ein gutes Verhältnis – im Gegensatz zu Papa Jörg, dem zehnfachen Military-Schweizermeister, mit dem sie kaum mehr Kontakt pflegt.

Die Halbamateurin

Eveline Bodenmüller hat sich selbstständig gemacht. Sie will auf eigenen Füssen stehen und nicht von Pferdebesitzern und Sponsoren abhängig sein. Von Einkünften im Pferdesport kann und will sie nicht leben. Deshalb hat sie ihren Pferdebestand reduziert: auf Spitzenpferd Waldmann (Waldstar – Laren­za) und die achtjährige in der Schweiz gezogene Stute Violine de la Brasserie, die bei Bruder Mathias logiert, zu dem sie nach «Ausflügen» in Elgg und Rossrüti wieder zurückgekehrt ist. «‘Vio’ ist meine Zukunftshoffnung. Sie ist sehr dominant und hat viel Blut. Das verwundert nicht, weil ihre Mutter Clarté de la Brasserie Angloaraber ist. Noch hat sie Defizite in der Dressur.» Eveline, ausgebildete Pädagogin mit Hochschulabschluss, ist Lehrerin. Sie unterrichtet in einem 60-prozentigen Pensum an einer Sonderschule in Schaffhausen. «Ich habe in der Einschulungsklasse sechs Schüler. So kann ich mich jedem ideal widmen.» Im Herbst plant sie zusätzlich ein Studium. Sie möchte sich zur Heilpädagogin ausbilden lassen. Drei Jahre wird sie nebst persönlichem Training, Wettkämpfen, gelegentlichen Weiterbildungen in der Dressur bei Hansruedi Geissmann, Springlektionen bei Roland Würscher und Sportmentaltrainerin Ursula Liechti und selbst erteilten Reitstunden, nochmals die Schulbank drücken. Da bleibt ausser zweimal Joggen pro Woche und kuschligem Beisammensein mit Lebenspartner William kaum mehr Freizeit.

Ein Traum wird wahr: Monika Signer darf Eveline Bodenmüllers EM-Pferd Waldmann reiten.

Monika durfte beim Striegeln und Bürsten selbst Hand anlegen und Waldi auch zäumen.

Das andere Gefühl

Und Monika, wie war das Gefühl im Sattel von Waldi? «Anders, komplett anders als mit meinem Pony Beauty. Pferde sind eben viel grösser. ‘Waldi’ reagierte sofort auf kleins­te Einwirkungen mit Sitz, Schenkel und Zügel. Aber er ist sehr brav. Ich glaube, er mag mich. Ich habe mit ihm auch geredet und hatte das Gefühl, dass er mich verstand und mir auch half.» Auf das Pferd respektive auf das Pony gekommen ist Monika Signer durch ihr Gotti Sonja Nater, die eigene Pferde besitzt und in Hörstetten therapeutischen Reitunterricht erteilt. «Da wurde ihre Liebe zu Ponys und Pferden geweckt», weiss Mami Chris­tel, die mit ihrem Mann Werner im Lohrn in Egnach eine Milch- und Obstwirtschaft mit 50 Kühen und Hühnern und Beerenplantagen betreibt. Chris­tel reitet selbst auch und bewegt das familieneigene Pony Beauty, die wunderschön gezeichnete 14-jäh­rige Stute, wenn ihre Töchter Monika und die zwölf­jährige Leandra keine Zeit dazu haben. Sohn Lars (18) interessiert sich weniger für Pferde. Er bildet sich zum Forstwart aus.

 Monika Signer verbrachte ein Tag bei der erfolgreichen CC-Reiterin Eveline ­Bodenmüller im Zürcher Weinland.

Monika Signer und ihre hübsche Scheckponystute Beauty.

Beauty ist «beauty»

Beauty ist eine Braunschecke aus einer Lewitzerrasse und zieht wegen ihres besonderen Exterieurs alle in ihren Bann. «Ponys waren und sind immer meine Lieblinge», gesteht auch Eveline Bodenmüller, die ehemalige dreifache Ponyschweizermeis­terin und EM-Zweite im Jahre 2000. «Seit dem 21. November 2013 ist Beauty bei uns», weiss Monika genau. «Sie ist 146 Zentimeter gross und galoppiert und springt gerne. Sie ist mutig, muss aber präzis geführt werden. Besonders wenn die Parcours technisch und anspruchsvoll sind.» Mit Beauty hat sie vor drei Jahren den Silbertest bestanden, ist zwei Jahre bei den OKV-Newcomers mitgeritten und nahm schon erfolgreich an Jump Greens und Geländeteilprüfungen teil. In Springen der Kategorie B 70 und B 80 klassierte sie sich schon wiederholt im ersten Rang. Nächste Starts sind in Werdenberg, Birchwil und Häggenschwil geplant. Seit wenigen Tagen hat Moni die Schulzeit abgeschlossen. «Ich mochte vor allem textiles Werken und Mathematik», sprudelte es aus ihr heraus, als sie auf Lieblingslektionen angesprochen wurde. Daheim hilft sie auch auf dem Bauernhof gerne mit. Am liebs­ten tränkt sie die «Kälbli». Im Spätsommer wird sie eine Lehre als Fachfrau Gesundheit im Spital Münsterlingen beginnen. Berufliches Fernziel ist «Rettungssanitäterin». «Ich möchte einmal bei der Rega arbeiten. Das wäre toll und spannend. So könnte ich vielen in Not geratenen Menschen helfen», ergänzt die sehr soziale Hobbyreiterin, die ihr Mami als sehr hilfsbereit, fleissig und zielorientiert charakterisiert.  

Monika konnte von den wertvollen Tipps der erfolgreichen CC-Reiterin profitieren.

Beim Mittagessen «bombardierte» Monika Signer Eveline Bodenmüller mit Fragen.

Begehrtes Souvenir: Bodenmüllers Unterschrift auf dem Helm.

Training mit Eveline

Nach dem Mittagessen in einem Bäckerei-Café in Henggart kam für den Teen­ager die grosse Stunde: Privattraining mit Eveline Bodenmüller auf dem Sandplatz und im Gelände im Buck in Aesch, wo Mathias Bodenmüller Ende Juli und Anfang August diverse Spring- und Dressurprüfungen ausgeschrieben hat. Die Haare unter dem Helm zu einem Rossschwanz zusammengebunden, in rotem T-Shirt und sichtlich nervös, drehte Monika mit Beauty kerzengerade im Sattel sitzend die ersten Runden. «Du musst ruhiger reiten, lösen mit der Hand und denk an das innere Bein», warf Eveline mehrmals ein und stellte bald einmal fest, dass Beauty ein Springpony sei. Nach einem kleinen Parcours über Fässer, Oxer, Steilsprünge und Wellenplanke ging es dann ins Gelände. Es folgten Passagen über Gräben, Wälle, Baumstämme; über Treppen, rauf und runter, und durch Wasser. Ponystute Beauty machte mutig mit. Die unerschrockene Monika ebenfalls. «Wir haben gemeinsam viel Vertrauen im Gelände», bemerkte sie. «Du musst noch mehr Spannung im Körper haben», wies sie Eveline zurecht, sparte aber dann auch nicht mit Lob: «Reiterin und Pony haben keine Angst, sind in einem flotten Rhythmus und setzen angebrachte Korrekturen gut um. Moni muss aber noch besser die Übersicht gewinnen, vo­rausschauen. Dann hat sie es auch ringer mit den Dis­tanzen.»Die Korrekturen kamen an. Rüebli als Belohnung waren für das Pony gewiss. Und seit dem besonderen Tag prangt eine persönliche Widmung auf Monikas Reiterhelm mit Unterschrift der ambitionierten CC-Reiterin, die sehr strukturiert ist, sich aber selbst als kleine Chaotin bezeichnet.

Vielseitiges Training: Monika Signer und Beauty im Springgarten...

... im Bach

... und in der Wasserpassage.

 

 

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 28/2017)

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