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Das Podest der Zweispänner Pony (v. l.): Sandra Chardonnens mit Ehemann François, Christof König mit Ehefrau Sarah und Janine Perroud sowie Eliane Ody Bapst.
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Neue Schweizermeister bei den Fahrern

29.08.2017 14:53
von  Claudia A. Spitz //

Kein Fahrer konnte seine Titel von 2016 verteidigen, was zeigt, dass auf hohem Niveau um Medaillen gekämpft wurde. Zum ersten Mal Gold gab es für Felix Affrini bei den Vierspännern, Beat Schenk holte sich den Titel nach fünf Jahren zurück und als Premiere wurden in der Kategorie L Medaillen vergeben. Die Veranstalter scheuten kein Mühe und stellten die ganze Infrastruktur für vier Tage auf die Felder rund um das kleine Dörfchen Niederwil bei Andelfingen. Es war eine wundervolle Atmosphäre an einem Turnier, das von der ganzen Bevölkerung mitgetragen wurde. Bereits am Donnerstag mussten L-Fahrer und Ponys zur Dressur antreten. Bei den L-Einspännern setzte sich Martina Vetterli vor Werner Pfister an die Spitze und bei den Zweispännern bezwang Daniel Meier Andreas Heule ganz knapp. Eine ers­te Überraschung gab es bei den Pony-Zweispännern. Sandra Chardonnens setzte sich an die Spitze und verwies Christof König auf den zweiten Platz. «Für mich war es gut, am Donnerstag zu fahren, es war wenig los auf dem Platz und meine Ponys konnten sich voll konzentrieren, da sie nicht abgelenkt wurden.» Bei den Pony-Einspännern klassierte sich Melanie Miesch knapp vor Linus Berther. Wie letztes Jahr erwartete man, dass sich Stefan Ulrich und Leonhard Risch einen Kampf um Gold bei den Einspännern liefern würden. 2016 holte Ulrich in Bern Gold. In der Dressur am Freitag gewann Leonhard Risch, das Verdikt war klar, vier der fünf Richter sahen ihn auf dem ersten Platz. Schon etwas zurück lagen Jonas Jutzi, Giacomin Barbüda und Mario Gandolfo.

Dominic Falk mit seinem Welshpony-Vierspänner.

Grosser Vorsprung

Als nahezu perfekt beurteilten die Richter die Dressur von Beat Schenk bei den Zweispännern. Alle fünf sahen ihn deutlich auf dem ersten Platz und bewerteten seine Vorstellung mit 31,62 Punkten, was 80,24 Prozent entspricht. Bereits zwölf Punkte zurück lag der zweitklassierte Michael Bühlmann. Dahinter reihten sich Mario Bezzola und Werner Ulrich ein. Als Achter klassierte sich Titelverteidiger Bruno Widmer. Obwohl gleichzeitig die Europameis­terschaft der Vierspänner in Göteborg ausgetragen wurde, konnten sich sechs Gespanne für diese Schweizer Meisterschaft qualifizieren. Die Dressur gewann Hansheiri Weiss, der diese Saison mit einem jungen Gespann in Angriff genommen hatte und Willy Birrer auf den zweiten Platz verwies. Das beste Hindernisfahren bei den Vierspännern zeigte Felix Affrini mit einer Nullrunde. Damit gewann er seinen ersten Titel bei den Grosspferden. Dies, nachdem er diese Saison erfolgreich den Pony-Vierspänner seiner Frau vorgestellt hat. «Schön war, dass mein Sohn Pascal am Freitag im 20. Rang klassiert wurde und ich am Sonntag zum ersten Mal Gold gewann.» Die erste Medaille war es für die zweitklassierte Marie Louise Reifer. Die bei allen beliebte Tandemfahrerin erfüllte sich damit einen lange gehegten Traum, auf den sie hart hingearbeitet hatte. Sie hat ihre P.R.E.-Stuten selber ausgebildet. Hansheiri Weiss führte sein junges Gespann zu Bronze vor Willy Birrer. Gold gab es auch für den einzigen Pony-Vierspänner, gefahren von Dominic Falk.

Eine Klasse für sich war bei den Zweispännern Beat Schenk.

Souverän

Beat Schenk war auch in der letzten Teilprüfung voll konzentriert und zeigte einen sauberen Parcours ohne Fehler. Damit gewann er seinen ersten Titel seit 2012 mit dem grossen Vorsprung von gut 16 Punkten. «Ich bin froh, dass ich mich diese Saison dank meines Sponsors voll auf das Fahren konzentrieren kann und die SM war eine gute Abschlussvorbereitung auf die WM Ende September.» Bruno Widmer musste einen Abwurf in Kauf nehmen, konnte aber seinen zweiten Platz halten und gewann Silber. Werner Ulrich schloss den nationalen Teil seiner ers­ten Saison bei den Zweispännern erfolgreich ab, blieb ohne Fehler zwischen den Kegeln und sicherte sich die Bronzemedaille.

Viel Sonne

Bereits am Vortag war klar, dass der Marathontag lang und heiss werden würde. Die Sonne sorgte für bis zu 30 Grad im Schatten. Wie immer in Niederwil waren die Hindernisse eine Augenweide. Der Eifelturm war der Blickfang des Turnierplatzes, im Wasserhindernis fühlte man sich wie in Venedig und das Mikado war ein Symbol für die Komplexität der Aufgabe für die Fahrer, in den sieben Hindernissen die schnells­ten Wege für ihre Gespanne zu finden. Bei noch angenehmen Temperaturen eröffneten die Einspänner L den Geländetag. Am bes­ten meisterte die Aufgabe Renate Burkhard-Bär, die Tanja Spring auf den zweiten Platz verwies. Als Dritte klassierte sich Dina Mess­mer. Die erst 16-jährige Nachwuchsfahrerin liess den dressurzweiten Werner Pfister hinter sich. Dieser setzte sich aber in der Gesamtwertung an die Spitze, knapp vor Burkhard-Bär und Spring. Daniel Meier entschied auch den Marathon der Zweispänner L für sich, trotzdem konnte er sich in der Gesamtwertung nicht absetzen, da Andreas Heule, genau wie in der Dressur, nur knapp geschlagen war. Cédric Scherrer zeigte auch an dieser Schweizer Meisterschaft, dass er zu den weltbesten Marathonfahrern gehört. Er gewann mit einem Nachwuchspony, dank seiner sauberen konzentrierten Fahrweise, vor Melanie Miesch und Vera Bütikofer. Damit schob sich Scherrer auf den zweiten Platz der Gesamtwertung, nur gerade 0,04 Punkte hinter Miesch, aber schon deutlich vor Bütikofer. Christof König hatte als gelernter Zimmermann den Organisatoren nicht nur tatkräftig beim Aufbau geholfen, er gewann die Geländeprüfung auch mit seinem Haflingerponygespann. «Der Marathon war schnell und flüssig ausgeflaggt, es war toll, hier zu fahren.» Er setzte sich damit auch an die Spitze der Gesamtwertung vor Sandra Chardonnens. Im Laufe des Tages fanden sich zahlreiche Zuschauer auf dem Turnierplatz ein, die sich an gutem Pferdesport erfreuten.

Erste L-Meisterin bei den Einspännern: Renate Burkhard-Bär mit Mooshof Querry.

Pech für Ulrich

Mario Gandolfo gewann die Geländeprüfung bei den Einspännern. «Es war ein sehr gut konstruierter Marathon, technisch, aber auch rhythmisch zu fahren. Mit der Hitze war er anspruchsvoll für die Pferde.» Zweiter wurde Jonas Jutzi vor Urs Bernhard und Leonhard Risch. Nur auf den zehnten Platz fuhr Stefan Ulrich, er war schnell unterwegs, mit Bestzeiten in einigen Hindernissen. Im letzten passierte es dann: Er zog schnell aus der letzten Kurve, sein Beifahrer konnte sich nicht mehr halten und stürzte, was zehn zusätzliche Strafpunkte bedeutete. So setzte sich Leonhard Risch nach dem zweiten Tag in der Gesamtwertung klar an die Spitze. Auf den zweiten Platz nach vorne arbeitete sich Mario Gandolfo vor Jonas Jutzi. Stefan Ulrich als Vierter lag aber nur einen Punkt hinter Bronze zurück. Bruno Widmer war der Bes­te im Marathon bei den Zweispännern und arbeitete sich auf den zweiten Gesamtrang nach vorne. Aber auch Beat Schenk hatte eine gute Fahrt, wurde Zweiter und konnte so seinen schon grossen Vorsprung nochmals etwas ausbauen. Werner Ulrich fuhr regelmässig und sehr solide. So konnte er den Schlusstag vom dritten Platz aus in Angriff nehmen, war sich aber bewusst, dass die Gegner nur knapp hinter ihm und Bronze waren, denn mit Michael Bühlmann und Karl Hueber lagen zwei weitere Fahrer im gleichen Punkt. Am schnellsten unterwegs bei den Vierspännern und Tandems war Dominik Falk mit seinen Welshponys. Dahinter und als Bester mit den Gross­pferden setzte sich Felix Affrini mit einer kontrollierten, sauberen Fahrt. Marie Louise Reifer war mit ihrem Tandem Dritte im Gelände und damit vor dem Schlusstag Gesamt­zweite bei den Gross­pferden.

Meier Finalsieger

Der Samstag war nach dem Marathon nicht zu Ende. Es standen noch zwei weitere Entscheidungen auf dem Programm. Zuerst wurde bereits zum zweiten Mal im Final des Jugendcups um Medaillen gekämpft. Die Teilnehmer konnten sich an zwei Turnieren während der Saison für diesen Final qualifizieren. Vier Teilnehmer starteten zu diesem Hindernisfahren nach Idealzeit in zwei Umgängen. Dabei geht es darum, ohne Fehler möglichst nahe an eine vorgegebene Zeit zu kommen, Über- oder Unterschreitung von mehr als fünf Sekunden ergibt Strafpunkte. Mit nur zweimal 0,5 Punkten für Zeitfehler gewann Lukas Meier diesen Final souverän vor Tim Kramer, der mit zwei Shettys am Start war. Dritter wurde Bryan Yerly vor Lisa Sommer. Die letzte Entscheidung des Tages fiel in der Tandemprüfung. Sie wurde vom Präsidenten des Tandemclubs Schweiz Heinz Wohlgemuth gewonnen. Als Zweite klassierte sich Marie Louise Reifer, die in dieser Prüfung mit zwei anderen Pferden am Start war. Auch diese Prüfung hatte noch zahlreiche Zuschauer, die danach auch wissen wollten, ob ihr Favorit beim «Säulirennen» gewinnen würde.

Die Entscheidung

Bereits um acht Uhr begannen am Sonntag die Entscheidungen, da das Programm reich befrachtet war. Die Einspänner L mussten zuerst einfahren. Der Hindernisparcours war anspruchsvoll, aber gut zu fahren. Er verlangte mit seinen Linien volle Konzentration, um leichte Fehler zu vermeiden. Die beste Fahrt in der ersten Entscheidung gelang Renate Burkhard-Bär. Sie sicherte sich damit mit Mooshof Querry CH den ersten Meistertitel in der Kategorie L. «Ich freue mich riesig, da ich in der Nähe wohne. Es ist schön, dass auch die L-Fahrer nun eine Meisterschaft haben.» Zweiter war Werner Pfi­s­ter, der Henriccione CH eingespannt hatte, vor Tanja Spring mit Houcine CH. Bei den Zweispännern L konnte Andreas Heule am Schlusstag mit dem Sieg im Hindernisfahren noch an Daniel Meier vorbeiziehen und sich den Meistertitel sichern. Dritter wurde Rudolf Signer vor dem Tessiner Urgestein Dr. Giacomo Ghezzi. Die Einführung der L-Schweizer-Meisterschaft kann nach der ersten Saison als gelungen bezeichnet werden. Sie hat doch viele Fahrer motiviert, Vollprüfungen zu bestreiten und auf das Ziel Meis­terschaft hinzuarbeiten. Für die Zuschauer wurde es im Laufe des Tages schwierig zu entscheiden, ob sie das Kegelfahren verfolgen wollen oder einen Blick zum gleichzeitig ausgetragenen Holzrücken werfen sollen. Bei den Pony-Einspännern musste Cédric Scherrer mit Calypso in den Hindernissen einen Fehler in Kauf nehmen, trotzdem sicherte er sich den Titel vor Vera Bütikofer und Cicco d‘Oro. Sie sagte dazu: «Nachdem es an der WM nicht nach Wunsch lief, freue ich mich über diese Medaille zum Abschluss der Saison.» Dritte wurde Melanie Miesch mit De Nira. Bei den Zweispänner-Ponys verteidigte Christof König die Führung und gewann Gold vor Sandra Chardonnens. Mit Bronze ihre erste Medaille gewann Eliane Ody Bapst. Die Entscheidung um die Medaillen lancierte Stefan Ulrich bei den Einspännern mit einer sauberen Nullrunde im Kegelfahren. Jonas Jutzi gelang keine schlechte Runde, aber ein Abwurf und etwas Zeitüberschreitung warfen ihn auf den vierten Platz in der Endabrechnung zurück und sicherte Stefan Ulrich Bronze mit Pamino U. Mario Gandolfo und Hakam du Seneut CH bewiesen gute Nerven, blieben ohne Abwurf und gewannen die Silbermedaille. Verdienter Meister wurde Leonhard Risch, der mit seinem bewährten Lasting ebenfalls ohne Punkte war und so nach dem zweiten Platz 2016 auf das oberste Podest zurückkehrte. OK-Präsident Thomas Wegmann konnte am Sonntagabend zufrieden auf vier Tage guten Fahrsport zurückschauen: «Es ist super gewesen, es hat alles gut geklappt, kleine technische Probleme gibt es einfach.» Einmal mehr gehört zum Schluss der Dank all den ehrenamtlichen Helfern, ohne die eine solche Veranstaltung genauso wenig möglich wäre wie ohne Sponsoren.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 34/2017)

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