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Johannes Walser und seine selbst gezogene Stute Georgina, welche nun zur Zucht eingesetzt wird.
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Passion für Rennpferde

09.10.2018 09:16
von  Karin Rohrer //

Johannes Walser aus Mümliswil kann auf einen grossen Erfahrungsschatz in der Pferdezucht zurückblicken. Zusammen mit seiner Frau Jeannette hat er die gesteckten Ziele erreicht. Auch wenn der Betrieb nun an den Sohn übergeben wird, ist von einem Ruhestand nicht zu sprechen, denn die Leidenschaft für Rennpferde hält Familie Walser auch weiterhin auf Trab.


Eigentlich ist Johannes Walser in die Rösselersze­ne «hineingerutscht», da sein Vater bei der Kavallerie war und immer Pferde im heimischen Stall waren. 1986 kaufte er sein Elternhaus und nebst einem Pensionär hielt er sein erstes eigenes Pferd. Walser erinnert sich gerne an die Trainings im Reitverein Bals­thal-Thal und die ersten freien Prüfungen, die er im Springsattel absolviert hat. Auch das Fahren faszinierte ihn und seine als Jungpferde gekauften Warmblüter spannte er gerne ein: «Damals gab es noch Prämien für Fahrprüfungen, an welchen man mit Jungpferden teilnahm.»


Ein holpriger Start in die Zucht

Gleich mit den ersten zwei Warmblutfohlen aus eigener Zucht hatte Familie Walser grosses Pech, da beide mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatten und nicht aufgezogen werden konnten. Aufgeben war jedoch nie das Ding von Johannes Walser und mit Schimmelstute Aischa, welche nach einer Sportkarriere mit Willi Melliger in die Zucht ging, hatte er mehr Glück. Drei tolle Sportfohlen durfte er aus dieser Stute ziehen, da­runter auch vom bekannten Vererber Veneur du Defey (Grand Veneur), einem SF-Hengst.

Wildfang (Steamship) lief auf der Rennbahn und galoppierte rund 120000 Franken ein.

Walsers hätten zu gerne ein Fohlen des 1967 geborenen, braunen Vollbluthengstes Prince Ned gehabt und als sie in der Zeitschrift Tierwelt eine Stute ausgeschrieben sahen, welche von diesem englischen Vollblüter tragend war, zögerten sie nicht lange. White Gold war damals 14 Jahre alt und die ers­te Vollblutstute der Familie Walser. «Wir hatten uns so sehr auf den Nachwuchs von White Gold gefreut, mussten aber wiederum einen Schicksalsschlag verkraften, da das Fohlen sehr schwach war und nur drei Tage lebte. Wir waren mit Mutterstute und Fohlen für einen Blutaustausch in der Pferdeklinik, aber leider erfolglos», bedauert Johannes Walser den Verlust.

Ausnahmestute Georgina

Erneut deckte er seine Stute mit Prince Ned und die daraus resultierende Wildrose wurde an einer Auktion versteigert und ein erfolgreiches Rennpferd. Auch das zweite Fohlen Wildfang (Steamship) lief auf der Rennbahn, galoppierte rund 120000 Franken herein und durfte sich für fünf Siege feiern lassen. Ein Ausnahmepferd, welches bis zwölf­jährig auf der Rennbahn lief und nach einer erfolgreich verlaufenen Röhrbeinbruchoperation an einer Kolik starb.

Ausnahmestute Georgina, gezogen aus White Gold und Prince Ned.

Jeannette Walser erinnert sich an das dritte Rennen der damals zweieinhalbjährigen Stute Georgina, gezogen aus White Gold und Prince Ned: «Sie war eine kleine, aber zähe und flinke Stute. Unser Sohn Jan fragte mich, was unsere zwergenhafte Stute unter all diesen grossen Hengsten mache, während sie im Mittelfeld lief. Nach der Hälfte der Bahn war bei diesen jedoch die Luft raus und die kleine Georgina rollte das Feld von hinten auf.» Georgina feierte drei Siege, ist jetzt aus dem Sport und wird künftig für die Zucht eingesetzt.

Immer ein Ass im Ärmel

Walsers genossen immer mehrere Fohlengeburten pro Jahr, einmal sogar drei Warmblut- und drei Vollblutfohlen gleichzeitig, wenn auch nicht alle aus eigenen Zuchtstuten. «Gut 60 Fohlen kamen hier auf die Welt. Aktuell haben wir Zuchtstuten, Pferde auf der Rennbahn oder in Ausbildung und ein paar Pensionäre zur Betreuung», erzählt Johannes Walser.

Johannes Walser (hier auf Corso) hat seine Leidenschaft für Pferde an Sohn Jan weitergegeben.

Ganador läuft im Sport, wurde im Frühling Dritter an einem Rennen in Avenches. Der Trainer setzt auf den Wallach, welcher aus derselben Linie stammt wie Georgina und auch Johannes Walser ist überzeugt, dass aus Ganador ein Siegerpferd wird. Johannes und Jeannette Walser haben als Zuschau­er die Pferderennen in Frauenfeld, Aarau und Dielsdorf besucht und sind noch heute immer wieder dort anzutreffen, die Faszination hat ihren Reiz nicht verloren. «Die Spannung vor und während dem Rennen und natürlich die Action hat uns immer begeis­tert. Man vergleicht die Pferde im Führring, geniesst den Aufgalopp und fiebert beim Start mit. Es ist auch ein ganz anderes Volk in der Renn­szene als zum Beispiel bei Springkonkurrenzen», erklärt Jeannette die Anziehungskraft der Rennszene. Für Johannes Walser ist es eindrücklich, wenn da 13 Pferde im vollen Renngalopp daherkommen. «Die Zuschauer gehen unglaublich mit, die Atmosphäre ist unglaublich bei einem Rennen», betont der 65-Jährige.

Gesicherte Zukunft

In all den Jahren hat Johannes Walser fünf Häuser umgebaut, gekauft und wiederverkauft. Auch zu Hause hat er in Eigenregie etappenweise Stall und Wohnung gebaut und erweitert. Diese Tätigkeiten wurden nebst dem Reit­sport und der Pferdezucht zu einem weiteren Ste­ckenpferd in seinem Leben. Sohn Jan ist 28 und hat Ende 2017 den Betrieb von Johannes Walser übernommen, möchte diesen so weiterführen, sich der Unterstützung der Eltern bewusst.

Auf den weitläufigen Weiden von Jeannette und Johannes Walser tummeln sich Jungpferde, Zuchtstuten und Pensionspferde.

So drehen sich die Diskussionen am Küchentisch vornehmlich um Abstammungen und Zuchthengstauswahl. «Gerade in der Warmblutzucht schaue ich darauf, dass wir Pferde züchten, die quasi von jedermann zu reiten sind», betont Johannes Walser, dem die Rittigkeit der Pferde aus seiner Zucht sehr wichtig ist.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 40/2018)

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