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Anhängerfahrtraining auf dem TCS-Übungsgelände in Stäfa.
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Richtig bremsen – sicher ankommen

06.03.2018 13:07
von  Chantal Kunz //

Mit einem Anhänger geradeaus fahren klappt meistens ganz gut. Doch schnell gerät man in eine brenzlige Situation und muss auf glatter Fahrbahn heftig bremsen. Solche Extremsituationen kann man im Anhänger Basiskurs von «TCS Training & Events» austesten und so das sichere Fahren mit Anhänger lernen.

Jedes Wochenende finden hunderte Turniere statt und locken die Reiter und ihre Pferde auf die Turnierplätze. Den Weg dorthin bewältigen die meisten auf vier Rädern. So weit, so gut. Doch plötzlich steht man auf dem engen Turnierplatz und der Anhänger hat sich beim Manövrieren verkeilt. Es geht weder vor- noch rückwärts. Oder die Fahrbahn wird durch starken Regen so rutschig, dass man sich eine Reise mit Pferdeanhänger zweimal überlegt. Fast jeder Reiter hat solche Situationen schon hautnah erlebt. Abhilfe kann ein Anhängerkurs, beispielsweise vom «TCS Training & Events», schaffen.

Bei der Vollbremsung werden die Teilnehmer gut angeleitet.

«Das Gespann manövrieren», «eine Vollbremsung machen», «Extremsituationen erleben» oder «ein langes Stück rückwärts fahren» waren die Ansprüche an den Anhänger Basiskurs letzte Woche im Trainingszentrum Betzholz von «TCS Training & Events» in Hinwil.

Das Zugfahrzeug kennen

Die Wünsche der Kursteilnehmer wurden erfüllt. Die kurze Theorie zu Beginn des Kurses gab einen frischen Überblick über bereits Gelerntes. Doch die Fahrprüfung ist bei den meisten schon einige Zeit her. So war es sehr nützlich, sich wieder einmal Gedanken zu machen, ob man bei einer stark befahrenen Autobahneinfahrt nun mit dem Zugfahrzeug lieber abbremst oder ein Stück auf dem Pannenstreifen fährt, um sich schliesslich in den Verkehr einzureihen. Auf der Piste ging es zuerst darum, sein eigenes Zugfahrzeug kennenzulernen. Die Teilnehmer kuppelten  ihre Anhänger ab und reihten sich auf der bewässerten Fahrbahn ein. Mit 50 Kilometer pro Stunde musste eine Vollbremsung ausgeführt werden. Da kam doch der eine oder andere ins Staunen, wie lange der Bremsweg seines Fahrzeuges war. Dies half sehr, um einen Eindruck zu bekommen, wie das Gefährt bei simuliertem Glatteis auf zu heftiges Steuern oder zu wenig Bremsdruck reagiert. Doch auf einer geraden Fahrbahn zu bremsen ist das eine – dies in einer Kurve zu tun ist nochmal etwas ganz anderes.

Der Anhänger reagiert

Am Nachmittag bekamen die Kursteilnehmer die volle Last des Zugfahrzeuges zu spüren. Gestartet wurde mit einem Slalom am Hang. Da auch dort die Fahrbahn etwas nass war, musste man in den engen Kurven des Slaloms die Geschwindigkeit etwas drosseln. Zudem bietet ein solch glatter Hang die Tücke, dass man nach einem Stopp nicht mehr anfahren kann. «In einem solchen Fall rate ich euch, mit Rückwärtsfahren den Anhänger etwas quer zu stellen. So könnt ihr dann in die eine Richtung wegfahren und müsst nicht das ganze Gespann gerade den Hang hinaufziehen», erklärt Ins­truktor Fritz Scheibler.
Danach kam wieder das Bremsen. Diesmal ging es mit Anhänger auf die bewässerte Fahrbahn. «Beschleunigen und wenn die Wasserfontäne aufspritzt voll auf die Bremse treten», hiess der Befehl von Scheibler, den er den Teilnehmern über Funk mitteilte. Die Reaktionen der Anhänger waren hier ganz verschieden. Die leichteren Anhänger rutschten eher mal in die eine oder andere Richtung. Schwere Modelle blieben tendenziell in der Bahn, verursachten aber durch das Schieben des Zugfahrzeuges einen längeren Bremsweg. Brenzlig wurde es erst, wenn man dem Hindernis «Wasserfontäne» noch ausweichen wollte. «Bremse sofort lösen», rief dann Fritz Scheibler in sein Funkgerät. Was mit dem Personenwagen alleine einwandfrei funktioniert, verhält sich mit Anhänger etwas anders. Da bedarf es nur ganz feinen Lenkbewegungen, um den Anhänger gerade hinter dem Zugfahrzeug zu halten. Doch auch hier gibt es einige hilfreiche Tipps. Zum einen ist der Blick sehr wichtig. Wie auch auf dem Pferderücken fährt man im Auto dorthin, wo man hinschaut. Also nie das Ziel aus den Augen verlieren. Auch bei der Lenkung gibt es Pa­rallelen zum Pferdesport. Wie das Pferdemaul ist auch die Lenkung des Autos meistens sehr fein eingestellt. Gerade mit Anhänger braucht es eine feine Hand, um keine Überreaktion zu provozieren. Vor allem beim Fahren im Kreis kommt dann das Drosseln der Geschwindigkeit hinzu, was bei der Vollbremsung sowieso gegeben ist. Auf rutschiger Bahn mit Gespann in einem Kreisverkehr zu fahren ist – wie von den meisten Teilnehmern bemerkt wurde – bei zu hoher Geschwindigkeit nicht angenehm. «Ja, jetzt kommt der Anhänger auf der linken Seite», kommentierte dann der Instruktor, was sich mit einem kurzen Blick in den Seitenspiegel sofort bestätigte. Den eigenen Anhänger im Kreisverkehr plötzlich nur noch im äusseren Seitenspiegel zu sehen, ist sehr eindrücklich. «Etwas weg vom Gas und die Räder ein bisschen gerade stellen», hilft Scheibler in solchen Situationen sofort weiter. Und siehe da, das Gespann beruhigt sich gleich wieder. Der Puls schnellt aber ab und zu in die Höhe. Doch die Reaktionen des Anhängers am eigenen Leib zu spüren und Gefahrensituationen mit Tipps bewältigen zu können, ist eine gute Erfahrung, welche Sicherheit gibt.

Der Instruktor zeigt, wie man die Stützlast überprüft. 

Alles mal rückwärts

Einen Anhänger rückwärts oder seitwärts zu parkieren, eine lange Strecke rückwärts fahren, eine S-Kurve sowie einen Kreisel rückwärts bewältigen oder auch den Slalom mal rückwärts absolvieren – auch das wird den Kursteilnehmern in dem Trainingszentrum von «TCS Training & Events» nicht vorenthalten. Obwohl vieles zuerst erschreckend wirkt, kommen diese Situationen im Alltag öfters vor, als man sich wünscht. Auch hier hilft der Instruktor weiter und gibt individuelle Tipps. Mit ein bisschen Übung sind die Aufgaben dann auch immer einfacher lösbar. «Es gibt leider kein allgemeingültiges Rezept, wann man einlenken und wann das Gespann gerade richten soll. Jedes Fahrzeug und jeder Anhänger verhält sich individuell. Es hilft jedoch, sich zu merken, wann der Knickpunkt erreicht ist. Also ab wann man den Anhänger bei Rückwärtsrichten nicht mehr gerade stellen kann», sagt Scheibler. Neben dem Manövrieren gibt es immer wieder ein bisschen Theorie. Wer hat zum Beispiel schon einmal die Stützlast gemessen? Viele Hände gehen bei dieser Frage nicht in die Höhe. Also wird das gleich mal gemacht. Auch die Erklärung, weshalb die Stützlast wichtig ist, folgt sogleich: «Wenn der Anhänger zu wenig Gewicht auf dem Deichsel hat, kann er womöglich das Fahrzeug hinten fast anheben, wodurch dieses wie auch der Anhänger eher ins Schleudern geraten.» Die gut dosierte Theorie, die praktischen Tipps und die Erfahrungen mit dem eigenen Zugfahrzeug geben viel Sicherheit für den Umgang im Strassenverkehr. Und dies sollte ja das oberste Ziel jedes Pferdebesitzers sein: Seinen vierbeinigen Freund sicher ans Ziel zu bringen.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 9/2018)

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