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Reiten bei Eis und Schnee
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Sicher im Winter unterwegs

09.01.2018 11:54
von  Alexandra Koch //

Ausreiten macht Spass: im Frühjahr, im Sommer, im Herbst. Nur im Winter haben so manche von uns Zweifel, ob es nicht auf dem Reitplatz oder in der Reithalle sicherer für Pferd und Reiter ist. Zweifel, die durchaus Berechtigung haben! Im Winter sollte ein Ausritt durchaus achtsamer angegangen werden als in der warmen Jahreszeit. Dennoch ist Bewegung an der frischen Luft – auch mal durch den Schnee – für Pferd und Reiter wohltuend und förderlich für die Gesundheit. Wie klappt es also mit dem sicheren Ausritt ohne Sorge auch in der kalten Zeit? Je nach Region erleben wir im Winter im Grunde mehr matschiges Regenwetter als tatsächlich Schnee und Eis. Doch egal wie die Witterung im Winter genau ist, Vorsicht ist immer geboten. Unerfahrene Reiter sollten in dieser Jahreszeit auf keinen Fall alleine ins Gelände ziehen (dies ist ­allerdings auch in den an­deren Jahreszeiten nicht ­em­p­fehlenswert!). In der Gruppe unter Führung eines erfahrenen Rittführers und mit der richtigen Ausrüstung kann ein Winterritt durch den Schnee allerdings zum gesunden Ver­gnügen für alle Beteiligten werden. Auch Topreiter sind sich einig: Ausritte gehören im Winter auf jeden Fall dazu! Nur so können Pferde gesund durch die kalte Jahreszeit kommen und ihr Immunsystem an der frischen Luft stärken. Dressurreiterin Stefanie Scheitlin erklärt, dass es für ihre Pferde fast täglich nach draussen geht. «Ich gehe mit meinen Pferden regelmässig ausreiten. Da spielt das Wetter eigentlich weniger eine Rol­le. Wichtig ist eine gute Ausrüstung wie Hufgrip und Stollen. Sicherlich ge­he ich bei grosser Eisglätte nicht raus, sondern reite in der Halle. Aber ansonsten finde ich, ist es wichtig, dass die Pferde bei jeder Jahreszeit ins Gelände kommen. Die Beine schütze ich im Sommer wie auch im Winter mit Gamaschen.» Auch Vielseitigkeitsreiterin Teresa Stokar ist im Winter häufig draussen unterwegs. «Ich gehe auch im Winter mindestens einmal in der Woche mit meinen Pferden ausreiten, sonst bekommen sie einen ‘Arbeitskoller’. Bei Sturm und Hagel muss halt jedoch manchmal auf einen Ausritt verzichtet werden. Im Winter, wenn Schnee liegt, ist es aber toll, einen langen Ausritt zu geniessen.»

Gamaschen und Glocken schützen auch im Winter die Beine.

Der richtige Halt

A und O beim winterlichen Ausritt ist der richtige «Grip». Das Wegrutschen im Schnee sollte unbedingt vermieden werden, da die empfindlichen Pferde­bei­ne sich dabei schwerste Verletzungen zuziehen können. Als Schutz der Beine beim Ritt und vor allem bei leichterem Wegrutschen empfehlen sich Gamaschen. Sie saugen sich im Schnee nicht voll wie Bandagen und sind leicht von Schmutz zu befreien. «Wichtig ist, dass diese nicht verrutschen oder Druckstellen auslösen. Auch Glocken sind bei einem ‘Schneegalopp’ empfehlenswert, da ein Eisen schnell heruntergezerrt ist und dies unschöne Verletzungen nach sich ziehen kann», erklärt Teresa Stokar. Springreiterkollegin Stella Trümpis Tipp: «Gamaschen mit Knopf, nicht mit Klettverschluss benutzen, denn der wird nass und dann fangen die Gama­schen an zu rutschen.» Schnee ist hierzulande weniger pulvrig als vielmehr pappig. So sammelt er sich bei normalem Beschlag auch sehr schnell als dicker Klumpen im Huf. Der als «Aufstollen» bekannte Vorgang sorgt dafür, dass das Pferd immer weniger Halt hat und sich zunehmend unsicher fortbewegt. Beschlagene Pferde sollten darum Spezialeinlagen unter die Hufeisen bekommen. Sie werden zwischen Huf und Eisen eingenagelt und verhindern die Stollenbildung. Derartiger «Hoof Grip» besteht aus einer Gummisohle mit einem Wulst, aus welchem der Schnee bei jedem Schritt des Pferdes wieder nach draussen gedrückt wird. Durch Steine können derartige Einlagen leider beschädigt werden. Sind sie jedoch nach der schneereichen Zeit noch intakt, ist es möglich, sie im Folgejahr nochmals zu verwenden. Eine weitere Möglichkeit, das Gehen im Gelände für das Pferd sicherer zu machen, besteht im Auftragen von «Huflederkitt». Dieser kann selbst vom Reiter auf die gereinigte Hufsohle aufgetragen werden und schützt diese so vor dem Aufstollen. Viele Reiter bevorzugen den Kitt, da hierfür kein Hufschmied erforderlich ist. Doch die Handhabung und das korrekte Auftragen erfordert ebenfalls etwas Fingerspitzengefühl. Die Kitt-Tafel wird in warmem Wasser aufgeweicht, geknetet und in die gereinigte Hufsohle eingearbeitet. Der Huflederkitt hält eine Beschlagperiode und kann wiederverwendet werden. «Im Schnee und Matsch sind auch Stollen von Vorteil, da man einfach einen besseren Halt hat und dadurch mehr Sicherheit hat», beschreibt Teresa Stokar. «Allerdings würde ich dann keinesfalls auf Glocken verzichten, wegen der Verletzungsgefahr.» Es gibt viele unterschiedliche Arten von Stollen. Welche man genau nehmen möch­te, ist Geschmackssache. In den letzten Jahren haben die Stollen zum einfachen Einklicken viele Freunde gewonnen. Eisen mit Stollenlöchern müssen ebenfalls vorab vom Hufschmied angefertigt werden. Das Verletzungsrisiko durch Stollen wird durch Gamaschen als Beinschutz gemindert. Stella Trümpi empfiehlt vorne ganz klei­ne Stollen und hinten mittelgrosse. Das passt für die meisten Pferde gut. Sie betont auch, wie wichtig in diesem Fall das Benutzen von Glocken ist. Barhufige Pferde haben weniger Probleme mit dem Schnee, da sich dieser nicht in den Eisen verfangen kann. Dennoch herrscht Rutschgefahr bei eisigen Flächen, die oft gar nicht so leicht erkennbar sind … Und gerade unbeschlagene Pferde rutschen hier besonders leicht aus – wäh­rend sie im Tiefschnee sehr sicher vorwärtsgehen.

Auf den richtigen Halt im Schnee kommt es an. 

Achtsam reiten

Weder Reiter noch Pferd können genau wissen, was sich unter der Schneede­cke befindet. Darum sollte man sich stets achtsam und vorsichtig fortbewegen. Wenn eine Schneebahn auf Wegen bereits durch Autos platt gefahren wurde, ­können sich gefährliche Rutschflächen bilden. Ist der Schnee noch frisch gefallen, können darunter Löcher, Maulwurfshügel und Eisstellen nicht ausgemacht werden. Auf Schotterwegen und Wiesen als Untergrund finden Pferde am besten Halt, da sich hier kaum Rutschflächen bilden können. «Gefährlich ist meines Erachtens  besonders festgetretener Schnee bei Tauwetter», erklärt Teresa Stokar. «Dieser bildet die reinste Eisbahn und ist nicht emp­fehlenswert für einen Ausritt.» Besondere Aufmerksamkeit ist nötig bei höheren Schneeverwehungen. Hier können sogar Gräben, Baumstämme oder andere Hindernisse am Boden verborgen liegen. Bei länger anhaltendem Frost können auch Furchen im Weg zu einer festgefrorenen Gefahr werden. Dann sollte sich der Reiter lieber am Rand im Gras bewegen als direkt auf dem Weg. Beim Reiten im Schnee sollte das Pferd immer eher am langen Zügel geritten werden, damit es sich mit dem Hals besser ausbalancieren kann. Sollte man in eine Situation geraten, in der man unsicher ist, ob der Boden wirklich zum Reiten geeignet ist, ist Absteigen die beste Wahl. Sowohl Reiter als auch Pferd haben alleine einen weitaus sichereren Halt. Galopp sollte nur geritten werden, wo man die Strecke bereits genau im Schritt inspiziert und für sicher befunden hat. Wer unsicher ist, sollte auf winterlichen Galopp draussen verzichten. Auch Traben auf durch den Frost harten Böden kann langfristig gefährlich werden, da es den Sehnen schadet. Haupt­sächlich sollte jeder Winterritt darum im Schritt stattfinden. Was nicht heisst, dass ein Galopp im Pulverschnee auf einer sicheren Strecke ein «No-Go» wäre. Nicht vergessen sollte man beim Winterritt ausserdem, dass die Landschaft für den Reiter zwar häufig wunderschön, für das Pferd aber vor allem «anders» aussieht. Es kann sein, dass es vor zahlreichen scheinbar völlig harmlosen Dingen scheut. Darum ist es wichtig, ihm jederzeit Sicherheit geben zu können, aber auch auf ein Durchgehen gefasst zu sein. Wenn das Pferd beim Verlassen des Hofes hektisch wird, sollte man es zunächst durch die verschneite Landschaft füh­ren und ihm dadurch Si­cherheit geben.

Der richtige Beschlag kann den Ritt im Schnee sicherer machen.

Schlammschlacht

Häufiger als in den Schnee reiten wir hierzulande im Winter in den Regen hi­naus. Nasser Boden und Schlammlöcher können jedoch ein mindestens eben­so grosses Risiko darstellen. Auf Wegen, die von Traktoren oder Forstfahrzeugen befahren werden, ist die Gefahr von besonders tiefen Schlammböden, die obendrein überaus rutschig sind, besonders gross. Auch von Bächen durchzogene Wiesen und Pfade oder die aufgewühlten Bereiche hinter Natursprüngen sollten eher gemieden werden. Galopp – gar in kurvigem Gelände – sollte nun auf keinen Fall geritten werden. Neben der Sturzgefahr werden die Sehnen und Gelenke deutlich be­las­tet. Schrittreiten ist deshalb bei einem derartigen Wetter ebenfalls angesagt! Vor dem Ritt sollte man – ebenso wie bei Schneeritten – unbedingt noch einmal alle Hufeisen kontrollieren. Ist eines locker, wird es vom Schlammboden gnadenlos angezogen und löst sich.

Richtiges Aufwärmen

Ein Kaltstart ist beim Reiten in keiner Weise und zu keiner Jahreszeit empfehlenswert. Im Winter benö­tigen die Muskeln und Sehnen jedoch noch etwas länger, um tatsächlich auf «Betriebstemperatur» zu kommen. Deshalb sollte das Pferd zunächst in der Halle oder auf dem Reitplatz ausgiebig im Schritt aufgewärmt werden, bevor es ins Gelände geht. 20 Minuten sollten dafür min­des­tens einkalkuliert werden, 30 Minuten sind optimal. Neben dem Aufwärmen ist es zur Gesunderhaltung des Pferdes ebenfalls wichtig, es auf keinen Fall zu sehr beim Reiten in der Kälte aufzuheizen. Gerade zum Ende des Rittes hin sollte es langsam tro­cken geritten werden. Wäh­rend der letzten halben Stun­de des Rittes soll­te Schritt am langen Zügel geritten werden, damit das Pferd wieder entspannen und sich erholen kann und die Körpertemperatur in den normalen Bereich absinkt. Beim Absitzen noch verschwitzte Stellen sollten zunächst warm abgewasch­en und unbedingt so schnell wie möglich mit einem Frotteehandtuch tro­cken gerieben werden. Danach sollte das Pferd zur Gesunderhaltung eingedeckt werden, bis es tro­cken ist. Geputzt werden sollte es erst nach dem Trocknen. Wenn einem als Reiter zu kalt auf dem Pferderücken wird, kann es übrigens auch helfen, den Sattel zu verlassen und das Pferd zu führen. Dies sorgt für vermehrten Kreislauf in den Beinen.

Gut eingedeckt

Problematisch werden Minusgrade vor allem für geschorene Pferde. Sie müssen eine Decke tragen. Für den Ritt im Schnee eignet sich eine Nierendecke. Sie sollte auch Pferden, die über kein dickes Winterfell verfügen, angelegt werden. Bei einem längeren Winterritt ist eine Wolldecke sinnvoll, die man bei einer Pau­se oder langsamem Führen über die Kruppe legt. Kein Pferd sollte vor dem Ritt zu ausgiebig gebürstet werden, da dies die natürliche Schutzfunktion des Felles vor der Kälte einschränken kann. Fazit: Wer sicher reitet und einige Vorkehrungen trifft, kann auch im Winter ins Gelände. Allerdings sollte er die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen wissen.

Auf glattem oder schwer einzuschätzendem Untergrund sollte unbedingt geführt werden.

Bei Tauwetter ist besondere Aufmerksamkeit gefragt.

 

 

 

 

 

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 01/2017)

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