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Juan-Carlos Capelli, Vizepräsident Longines.
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Treibende Kraft im Pferdesport

20.02.2018 11:28
von  Christian Jaques //

Die Schweizer Uhrenmarke Longines ist als Sponsor im Pferdesport nicht mehr wegzudenken. Juan-Carlos Capelli, Vizepräsident und «Head of International Marketing», sprach im Januar dieses Jahres über ihr Credo «Elegance is an attitude» und weshalb gerade der Pferde­sport für die Uhrenmarke so wertvoll ist.

«PferdeWoche»: Longines ist der bedeutendste Pferdesportpartner weltweit. Weshalb haben Sie den  Pferdesport ausgewählt?
«Juan-Carlos Capelli»: Die Philosophie von Longines basiert auf drei Grund­pfeilern: Tradition, Performance und Eleganz. Ohne Zeitmessung gäbe es keine Sportanlässe. Der Einstieg in den Pferdesport erfolgte über unser erstes Chronograph-Uhrwerk im Jahre 1878. Damit konnten die Einlaufzeiten der Pferderennen erstmals präzise gemessen werden. 1912 waren wir als Partner an einem Springreitturnier in Lissa­bon engagiert. Präzise Zeitnahme schafft Vertrauen, da sie unbestechlich neutral ist. Wir sind also über die Zeitmessung zum Pferdesport gekommen und haben das Potenzial darin realisiert.

Eleganz ist ein Grundpfeiler der Longines-Haltung. Verbirgt sich hier das angesprochene
Potenzial?
Ja genau. Es gibt keinen besseren Botschafter für unseren Leitsatz «Elegance is an attitude» (Übersetzung Redaktion: «Eleganz ist eine Gesinnung, Einstellung»), als der Pferdesport. Es sind grundsätzlich drei Aspekte: Nennen Sie mir eine Sportart, bei der sich die Zuschauer und die Sportler elegant anziehen. Bei bedeutenden Pferderennen sind bei den Besuchern elegante Kleidung, Zy­linder und fantasiereiche Hüte Standard. Beim Springsport tragen die Reiter Krawatte oder Nadel und ein Jackett. Zum Zweiten messen sich Damen wie Herren in den gleichen Kategorien. Im Pferdesport gibt es keine geschlechterspezifische Unterscheidung. Und drittens strahlt die Zusammenarbeit zwischen Reiter und Pferd eine ganz besondere Harmonie aus. Diese drei Elemente machen den Pferdesport zur elegantes­ten Sportart überhaupt und entsprechen in ihrer Aussage unseren Produkten.

Sie unterstützen als Haupt­sponsor etwa 50 der wichtigsten Renn­meetings sowie über 100 internationale Springsportanlässe auf höchstem Niveau, sind Partner der FEI und haben mit der Lancierung der «Longines Global Champions Tour» wesentliche Impulse für den Pferde­sport gegeben. Besteht hier nicht die Gefahr eines «Overkills» der eigenen Präsenz?
Der Pferdesport hat eine starke lokale Verankerung. Nehmen Sie zum Beispiel das Wochenende an dem Royal Ascot, der CHIO5* in Rotterdam, die Longines China Tour und in Monte Carlo ein Global Champions Tour Event. Etwa 300000 Besucher sind ­alleine in Royal Ascot vor Ort, in Rotterdam etwa 50000 Zuschauer und in China und Monte Carlo verfolgen Zigtausende die Springprüfungen. Hier werd­en lokal Emotionen freigesetzt, die sich gegenseitig nicht konkurrenzieren. Im Gegenteil. Wo erleben Sie einen Anlass, an dem zeitgleich Queen Eli­sabeth und tausende begeis­terte Rennsportfreunde dem Einlauf entgegenfiebern? Hier stimmen die Ausstrahlung der Anlässe mit dem Image und der breitgefächerten Produktepalette von Longines überein. Von den über 4000 FEI-Events pro Jahr ist Longines Partner von rund 100.

Juan-Carlos Capelli, Vizepräsident Longines.

Was spielen die Medien für eine Rolle in der Auswahl Ihrer Anlässe?
Eine wichtige; die Printmedien berichten über den Sport, sind im jeweiligen Land und damit mit den Veranstaltungen und den nationalen Sportlern verbunden. Die Emotionalität und Longines-Präsenz erfolgt auch über die Berichterstattung. Die elektronischen Medien sind quasi die nach aussen wirkenden Verstärker. Die von Longines unterstützten Anlässe wie ein «Arc de Triomphe» werden von gegen einer Milliarde Menschen weltweit angeschaut. In Amerika ­erreicht das «Kentucky Derby» nach dem Superbowl eine der höchsten Zuschauerzahlen. Die Spring­sportanlässe erreichen in China ein Millionenpublikum. Das Fernsehen überträgt wie kein anderes Medium bildstark Spannung dank präziser Zeitmessung, Eleganz und die Harmonie zwischen Reiter und Pferd. Alles Aussagen, die zu Longines passen.

Ihr breitgefächertes Engagement kostet Geld, viel Geld. Da stellt sich die Frage, wieviel gibt Longines für das Pferdesport­engagement aus?
Über Beträge sprechen wir verständlicherweise nicht. Der Reitsport ist aber ein wichtiges Marketinginstrument. Unsere lokalen, respektive nationalen Inves­titionen richten sich nach der Marktgrösse und dem Absatz. Natürlich überprüfen wir unsere Engagements laufend in Bezug auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Das gehört zur professionellen Partnerschaft. Wichtiger ist aber, der Pferdesport ist heute global und wächst weltweit, namentlich in Asien und dem amerikanischen Kontinent. Er fasziniert gleichermassen Männer wie Frauen, anders als zum Beispiel der Formel-1-­Automobilrennsport. Das harmonische Zusammenspiel zwischen Pferd und Reiter hat eine ganz spezielle Ausstrahlung, die mit der Longines-Botschaft deckungsgleich ist. Unsere Uhren verkaufen sich erfolg­reich, auch weil Image und Produkt übereinstimmen. Der Pferdesport spricht die Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten an und entspricht damit unserer Philosophie: Longines ist nicht abgehoben, unsere Uhren sind Qualitätsprodukte für jedermann.

Longines ist heute der weltweit grösste Sponsor des Pferdsportes. Ein Ausstieg würde diesen praktisch zum Erliegen bringen. Sind Sie sich dieser Verantwortung bewusst?
Alle unseren Engagements sind langfristig angelegt. Im Ski Alpin sind wir seit 1924 (Zeitmessung), im Kunstturnen seit 1912, im Pferdesport, wie gesagt, seit 1878 involviert. Unlängst gratulierte uns die FIS (Int. Skiverband) zu unserem 50-jährigen Engagement in Aspen als einzigen, langjährigen Partner. Wir sind uns dieser Verantwortung wohl bewusst und nehmen sie ernst. Es gibt keinen Grund, die weltweit positive wechselwirkende Ausstrahlung des Pferdsportes in Verbindung mit Longines aufzugeben. Nicht zuletzt helfen wir mit der letztes Jahr eingegangenen Partnerschaft mit der FEI, dass sich der Pferdesport auf lange Frist weiter entwickeln kann.

An praktisch allen Turnieren sind Sie Titel- oder Hauptsponsor mit entsprechender Präsenz. Kritiker sprechen von erdrückender Dominanz und damit einer Erschwernis, weitere Sponsoren zu finden. Wie reagieren Sie auf solche Kritik?
Das ist in gewisser Weise eine Schutzbehauptung. Tatsache ist, dass wir an keinem Turnier mehr als 30 bis 40 Prozent der Visibilität beanspruchen. Bleiben also noch zwei Drittel für die weiteren Partner. Mit unserem Engagement wollen wir Turniere ermöglichen, nicht andere Sponsoren verdrängen. Es bleibt dem Veranstalter genügend Raum für weitere Partner, aber man muss diese aktiv suchen. Für das Sponsoring der Veranstalter können wir keine Verantwortung übernehmen. Mit unserem weltweiten Engagement schaffen wir lokal keine Konkurrenz, im Gegenteil, wir wollen den Pferdesport über unser Engagement weiterentwickeln. Viele Veranstalter nutzen das Longines-Engagement auch als Argument für die Suche weiterer Sponsoren, denn wir garantieren Longines-seitig eine professionelle Umsetzung, was sich auch auf die Veranstaltung im Sinne der Eleganz und Qualität überträgt.

Simon Baker, Kate Winslet, Eddie Peng – um nur einige zu nennen – sind Botschafter von Longines. Sie treten aber nicht nur als Werbeträger auf. Sie sprachen Longines-Engagements abseits vom Turniersport an. Was ist da­runter zu verstehen?
Der Sport war immer ein Teil der Longines-Welt, aber nicht nur. Ich will nur zwei Engagements erwähnen. Dank unserer Partnerschaft mit Steffi Graf und Andre Agassi konnte die Stiftung «Children for Tomorrow» gegründet werden. Sie bietet einen Schulcampus für 1200 kriegs­traumatisierte Kinder an, die dort betreut wieder in ein normales Leben zurückgeführt werden. Oder nehmen Sie das «Longines Masters» von Paris, an denen der blinde Reiter Salim Einaïni anläss­lich eines ‘Foundraisings’ zugunsten handicapierter Menschen das Publikum mit seinen Springparcours begeisterte. Sie können sich kaum vorstellen, wie viel Freude mit solchen Engagements ausgelöst wird. Für uns ist Eleganz nicht nur mit Schönheit verbunden, sondern sie widerspiegelt auch eine Herzensangelegenheit.

Longines will auch den Reitsport weiterentwickeln. Was muss man sich darunter vorstellen?
Um an die Spitze zu kommen, braucht es eine Basis. Ich will ein Beispiel nennen. China hat vor wenigen Jahren den Pferdesport entdeckt. Um diese rasante Entwicklung zu unterstützen, hat Longines mit Ludger Beerbaum, dem wohl erfolgreichsten deutschen Springreiter, die «Longines World Equestrian Academy» in Zusammenarbeit mit «Dashing Equestrian» gegründet. Diese Akademie hat sich zum Ziel gesetzt, junge, talentierte chinesische Reitsportler zu fördern und ihnen eine bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen. Ludger Beerbaum stellt sich zur Verfügung, zweimal jährlich in Riesenbeck und Peking Reitseminare durchzuführen, um damit den Grundstein für künftige erfolgreiche chinesische Reiter zu legen.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 7/2018)

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