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Eva Senn.
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Trotz Pension täglich im Stall

14.02.2017 10:52
von  Peter Wyrsch //

Sie haben sich 1973 im Schnee bei einem Ausritt im Wald in der schönen Gegend des Niederamtes im Kanton Solothurn kennengelernt. Heinz Senn, der gelernte Schlosser und Freizeitreiter, und Eva Widmer, die in Olten aufgewachsene Primarlehrerin und lizenzierte Springreiterin. Die damals 21-jährige Amazone tadelte den reifen Herrn, der sich erdreistet hatte, auf einer Langlaufloipe zu reiten. Aus der Rüge wurde Liebe. 1980 wurde geheiratet, aus Eva Widmer wurde Eva Senn, eine national und international etablierte Dressurreiterin mit EM-, WM- und Olympiateilnahmen, und aus einem kleinen Stall mit sieben Boxen in Lostorf die Hengststation Senn.

Seit dem Olympiadiplom mit dem von Otto Hofer erworbenen Belgienfuchs Renzo, dem sechsten Rang mit der Schweizer Dressur­­equipe an den OS in ­Atlanta 1996, dem WM-Start 1994 in Den Haag und der EM 1995 in Mondorf sind Jahre vergangen.

Eva Senn im Sattel von Renzo an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta (USA).

Die Dressurreiterin war in den Anfängen auch im Springsattel unterwegs.

Mit Viva Danza, dem Hengst in Eigenbesitz, hatte sich Eva Senn 2011 vom Spitzendressursport zurückgezogen. Auch die 1980 eröffnete Hengststation in Lostorf wurde Mitte 2016 mit dem Erreichen des ordentlichen Pensionsalters der Hausherrin eingestellt. Die mehrmals erweiterte, familieneigene Reitanlage mit 33 Pferdeboxen und 14 Hektaren Land haben die Senns aber behalten. Springreiter Elian Baumann, unter anderem GP-Sieger auf Baros 2015 in Humlikon, und dessen Freundin Natalie Donski, die jahrelang im Klushof in Oensingen bei Pius Schwizer junge Pferde ausbildeten, heissen die neuen und engagierten Pächter. Ganz dem Reit­sport und den Pferden hat Eva Senn aber nicht den Rücken gekehrt. «Ich bin noch täglich im Stall und habe sieben eigene Pferde, die grösstenteils bei Elian in Beritt sind. «Wir züchten aber nicht mehr», verriet die seit jungen Jahren in Pferde vernarrte Tochter einer Lehrersfamilie.

Hunde- statt Pferdezucht

Diese Aussage stimmt eigentlich nicht ganz und bedarf einer Präzisierung. Wohl züchtet Eva Senn keine Pferde mehr, aber der Hundezucht, ihrer zweiten Tierliebe, ist sie treu geblieben.

Eva ist auf Pferd und Hund gekommen.

Obwohl im idyllischen Haus in Trimbach ein deutscher Kurzhaar-Vorstehhund namens Cora Hundeliebe empfängt, ist seit 1984 die Zucht von Parson Russell Terriers Evi Senns grosse Passion. «Schon zweimal hatten wir Achterwürfe, was ausserodentlich selten ist», erzählt sie, während die jüngsten Welpen im Stall um sie herumschnuppern und wedeln. «Im Sommer erwarten wir den nächsten Wurf.»


Stall statt Schule

Eva Senn wechselte in jungen Jahren von der Schulstube in den Reitstall. Sechs Jahre hatte die Primarlehrerin auf der Unterstufe in Walterswil Erst- und Zweitklässler unterrichtet. Mit dem ersten Lohn als Lehrkraft hatte sie mit Fidelio ihr erstes eigenes Pferd erworben, nachdem sie als Fünf­jährige erstmals im Zirkus Knie während dessen Gastspiel in Olten auf einem Pony «herumrutschen» durfte, was ein Schwarz-Weiss-Bild belegt. Mit 17 Jahren erwarb die sehr offenherzige und bodenständige Person die Reitlizenz und bestritt Springprüfungen bis in die M-Klasse. Auch die damalige Military, die Vielseitigkeit, gehörte zu ihren Leidenschaften.

 

Wo alles begann: Eva (r.), 1957 erstmals auf einem Pony im Zirkus Knie.

Vereint auf dem Sofa im eigenen Heim – Eva und Heinz Senn.

Die zufällige Bekanntschaft mit Heinz Senn änderte Evas Leben nicht nur privat, sondern führte auch zu einer Zäsur in ihren Reitdisziplinen. Sie sattelte um. Sie wurde Züchterin, Ausbildnerin und Dressurreiterin. Die Heirat vor 37 Jahren mit dem Stahl- und Metallbaufabrikanten ging auch einher mit einer Stallerweiterung, dem Bau der Reithalle und dem Beginn der Deckstation Senn. Ihr dressurmässiger Einstieg begann mit dem besonders begabten Hengst La Paz, den sie mit geduldigem und beharrlichem Training bis zur GP-Reife führte. Mit Dinas gelang ihr der Aufstieg ins nationale Dressurkader und 1993 wurde sie erstmals für ein Championat berücksichtigt. Mit der Schweizer Equipe wurde sie an den Europameisterschaften in Lipica Teamvierte. Fortan und besonders nach dem Kauf von Renzo gehörte Eva Senn zusammen mit Christine Stückelberger, Mutter Doris und Sohn Daniel Ramseier zur Schweizer Equipe. Eine Medaille an internationalen Titelkämpfen blieb zwar versagt, nicht aber an nationalen Meisterschaften. Eine Silberauszeichnung 1995 und eine Bronzemedaille 1996 mit Renzo nehmen in der Vitrine mit all den grössten Auszeichnungen eine Sonderstellung in Senns gemütlicher Wohnstube ein. Fotos an den Wänden erinnern an besondere Pferde und die grössten Erfolge. Der Aufstieg von Eva Senn in die Elite erstaunt umso mehr, als dass die gewissenhafte und fleissige Ausbildnerin erst im Alter von 39 Jahren ihren ersten Dressur-Grand-Prix ritt.


Lieblingshengst Aquilino

Ein Hengst war ihr besonders ans Herz gewachsen: der braune, bildschöne Oldenburger Aquilino. «Er war ein charmanter ‘Strahlemann’, der sich sehr zu Menschen hingezogen fühlte. Er war lieb und lus­tig und ein Klassevererber. Er hat bislang über 500 Nachkommen. Und Gefriersamen sind immer noch vorhanden. Im Frühjahr 2015 ist er leider 21-jährig gestorben», erzählt Eva Senn etwas wehmütig.

Mit ihrem Liebling Aquilino am CD Frauenfeld 2006.

Der hervorragend gezogene Hengst mit Körung in Dänemark hat einen festen Platz in ihrem Herzen gefunden. «Sicherlich war Renzo, den wir im Winter 1993/94 von Otti Hofer erwarben, mein bes­tes Pferd. Aussergewöhnlich war seine Leistungsbereitschaft. Und er hatte besondere Stärken in Piaffe und Passage. Aber Aquilino eben, er war mein Liebling. Seine Tumorerkrankung machte auch mich wochenlang matt und krank.»


Herr über 260 Angestellte

Gatte Heinz Senn, inzwischen 88-jährig und trotz einem operativen Eingriff am Herzen immer noch körperlich und gedanklich rüstig, machte beruflich Karriere. Der Jagd- und Freizeitreiter machte sich mit 28 Jahren selbstständig. Er baute in Oftringen eine stattliche Firma mit Geschäftsfeldern im Stahl- und Metallbau, Blech- und Edelstahlsegment, in Notstromanlagen, mit Pneukranen und Transporten auf. Was vor mehr als 50 Jahren als Einmannbetrieb in einer Werkstatt begann, stieg zu einem der wichtigsten Arbeitgeber des Bezirks Zofingen auf.

Eva präsentiert stolz ihre Trophäensammlung.

Eva mit ihrem Enkel Eloan.

Die Firma zählt 260 Angestellte. Deren operative Leitung hat Heinz Senn seinen drei Söhnen Beat, Jörg und Heinz junior übertragen. Wenn es ihm die Kraft und Zeit erlaubt, schaut Heinz senior aber immer noch fast täglich vorbei. Die Firma ist sein Lebenswerk. Tochter Brigitte hat sich als Psychologin ausbilden lassen, ist verheiratet und nicht im Betrieb tätig. Einzig Philipp, der gemeinsame Sohn mit Evi, ist nicht aktiv in der familien­eigenen Aktiengesellschaft beschäftigt. Er ist Informatiker. Dieses Jahr hat die Senn AG ihr 60-Jahr-Jubiläum. Das soll gefeiert werden. 500 Angestellte werden mit Anhang zu einem zweitägigen Aufenthalt in den Europapark nach Rust eingeladen. Heinz Senn: «Das ist unser Dank für die wertvolle Zusammenarbeit.»

Emirate und Kanada

Inzwischen ist die im Sternzeichen des Skorpions geborene Eva Senn zehnfache Grossmutter und wird gerne auch als Omi eingespannt. «Wir ­geniessen aber auch das Leben, essen gerne in guten Restaurants, kredenzen einen edlen Tropfen Wein und reisen gerne in die Ferien.

Seit 40 Jahren macht Eva Ferien in Dubai.

Seit 40 Jahren machen wir jeweils in Dubai Urlaub.» Und warum nicht in Kanada, Heinz’ zweiter Heimat? «Kanada ist sein Revier. Da ging er mit Freunden oft und gerne zur Jagd und hat ­Elche, Bären und Wölfe geschossen.» Imposante Trophäen an Wänden und Böden im Wohnraum erinnern eindrücklich an das grosse Steckenpferd von Heinz Senn.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 6/2017)

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