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Die Reithalle der Pferdepension Wyss in Seeberg BE ist eine einzigartige Holz-Plexiglas-Konstruktion.
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Viel Holz, Farbe und familiäre Atmosphäre

25.08.2015 15:48
von  Karin Rohrer //

Wenn Familie Wyss oder ihre Pensionäre die Pferde für einen Ausritt durch die Wälder und ländlichen Gegenden satteln, zählen sie schon fast zu Grenzgängern. Denn das Reitgebiet rund um den Steinhof gehört zum Kanton Solothurn. Die Gemeinde Seeberg jedoch liegt im Oberaargau, und zwar im Kanton Bern.

Im Januar 2014 standen hier, mitten im Dorf Seeberg, noch Profile. Nach einer intensiven Planungs- und Bauphase konnten Mit­te dieses Jahres die letzten Arbeiten abgeschlossen werden. «Na­türlich hatten wir unsere Vorstellungen und standen auch unter einem gewissen Druck bei einem Start mit all diesen Investitionen. Aber unser gros­ser Traum war es, einen Pferdehof zu haben und nun konnten wir den Wunsch in die Tat umsetzen», sinniert Markus Wyss.

Markus und Renate Wyss, Warmblutstute Whoopie und Tochter Christina.

«Leben heisst, etwas zu versuchen, wagen, riskieren – denn wer nichts riskiert und wagt, tut nichts – hat nichts und ist am Ende nichts», ist das Motto von Renate Wyss und sie strahlt dabei über das ganze Gesicht. Man spürt, wie wohl sie sich mit ihrer Familie fühlt im neuen Eigenheim.

Innovativer Reithallenbau

Gleich daneben springt ein lichtdurchflutetes Stallgebäude mit einem durchdachten Auslaufkonzept ins Au­ge, dahinter die Reithalle, welche visuell der Umgebung angepasst ist. «Diese Holz-Plexiglas-Konstruktion ist in der Schweiz bisher anscheinend einmalig. Durch das Plexiglas kann weder Regen noch Laub vom nahen Wald in die Reithalle eindringen. Trotzdem hat man als Reiter freie Sicht auf den Wald», beschreibt Markus Wyss die Vorteile dieser Bauart.

Die Reithalle verfügt über eine einzigartige Holz-Plexiglas-Konstruktion an den Seitenwänden.

Zusammen mit seinem Sohn und seinem Schwiegervater hat Markus die gesamte Verschalung der Reithalle übernommen und damit sein Handwerkertalent unter Beweis gestellt. Der Reithallenboden besteht aus einer speziellen Mischung von Sand und Holzschnitzel, wie er auch auf Top-Anlagen wie in Wiesbaden eingesetzt wurde. Sattelkammer wie auch Waschküche sind mit einer Heizung ausgestattet, damit auch im Winter ein rasches Trocknen der Decken gewährleistet ist. Das Reiterstübli mit Blick in die Reithalle eignet sich dank seiner Infrastruktur mit Küche und WLAN auch als Konferenz- oder Seminarraum. Auffällig sind die in Grün, Orange und Gelb gehaltenen Wände. Renate hat diese im Teamwork mit ihrer Tochter selbst gestrichen, denn Farbe ist ihnen wichtig. «Das Leben ist farbig und lebhaft und so gehören bunte Farben bei uns einfach dazu», lacht Renate, die sich für Naturheilkunde und Werken interessiert und aktiv Sport treibt.

Warmblut, Freiberger und Isländer

Die 50-jährige gelernte Krankenschwester ist TCM Therapeutin/Naturheilpraktikerin für Mensch und Tier. Neben dem Stallgebäude hat sie eine Praxis für Kleintiere eingerichtet und so erstaunt es nicht, dass ihre Arbeitstage frühmorgens anfangen und spät enden. Dennoch findet sie Zeit, ihre 16-jährige Warmblutstute Whoo­pie zu reiten. Auch Ehemann Markus teilt die Leidenschaft fürs Reiten, und zwar mit seinem Freibergerwallach Lukas. Der gelernte Elektroingenieur arbeitet Vollzeit als Teamleiter im Bereich Informatik bei einer Grossbank. «Für mich ist das Misten oder Füttern der Pferde ein wunderbarer Ausgleich und klarer Kontrast zum hektischen Alltag im Büro», betont der 53-Jährige. Die zwei Söhne Andreas und Michael haben mit Reiten eigentlich nichts mehr am Hut, aber dafür deren Schwester Christina. Die 23-jährige Lehrerin ist viel mit ihrem Isländer Frigg unterwegs und hilft auf dem Pferdehof mit.

Viel Platz und Raum

Der Gruppenlaufstall setzt sich aus 200 Quadratmeter eingestreutem Bereich und 750 Quadratmeter frei zugänglichem Aussenplatz (mit Verbundsteinen) zusammen. Zur Integration oder auch Gruppenaufteilung kann der Stall durch Schiebetüren mit vertikalen Gittern in sieben Bereiche unterteilt werden und die Pferde können sich durch die Schiebetüren trotzdem beschnuppern. Eine in dieser Weise abgetrennte Integrationsbox misst 25 Quadratmeter und kann auch einen Teil des Auslaufes beinhalten. «Durch die intensive Pferdebetreuung und die variable Stallarchitektur ist auch eine Integration von Pferden, die noch nie in einer Gruppe lebten, möglich. Zudem können verletzte Pferde optimal therapiert werden», erklärt Renate Wyss das Baukonzept.

Der Innenteil des Stalltrakts ist luftig, lichtdurchflutet und bietet viel Platz, auch in der Stallgasse.

Die Pferde haben die Wahl, wo sie sich aufhalten möchten und genug Platz zum Ausweichen. Renate Wyss sorgt mit Knabberästen für Abwechslung.

Momentan tummeln sich nebst den drei eigenen Pferden drei Pensionspferde im Auslauf mit den direkt angrenzenden Weiden. Ziel ist es, eine Gruppe von rund 15 Pferden zu haben, egal welcher Rasse. «Wir sind der Überzeugung, dass die Grundbedürfnisse der Pfer­de nicht von der Rasse oder vom Reitstil abhängen», betont Markus Wyss, dem eine artgerechte Pferdehaltung überaus wichtig ist. Einzige Bedingung für Pensionäre ist das Entwurmungskonzept nach Kotproben und dass die Pferde barhuf sind. «Und natürlich müssen sich die Pferdehalter über das Verletzungsrisiko im Klaren sein und dass sich Pferde in der Gruppe verändern können, wenn sie in einer Familienstruktur leben», betont Renate Wyss, welche davon überzeugt ist, dass sich diese Stallform auch für Sportpferde eignet und schon einige positive Entwicklungen bei Pferden miterleben durf­te bei einem Wechsel. In der Pferdepension Wyss ist eine individuelle Fütterung möglich, die Kraftfuttergaben sind auf viermal täglich verteilt und das Ökoheu wird von einem bekannten Landwirt zugekauft. Eigene Trainer können mitgebracht wer­den und nebst Brevet-lehrgängen und Weiterbildungen im Bereich TCM/­Naturheilkunde für Pferde sind auch diverse Kurse zum natürlichen Umgang mit Pferden geplant.

Der 750 Quadratmeter grosse Aussenplatz ist mit Leckstein, Wassertränken und Knabber­möglichkeiten ausgerüstet.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 33/2015)

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