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Janika Sprunger mit Bonne Chance.
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Vom neuen Heim nach Rio?

02.02.2016 13:36
von  Melina Haefeli //

Seit ihrer Geburt lebte Janika Sprunger in Bubendorf. Nun hat die Elitespringreiterin ihre Heimat und den Reitstall Galms ihres Vaters Hansueli in Lausen verlassen und ist nach Holland umgezogen. Bonne Chance, Aris, Uptown Boy und Co. wohnen nur we­ni­ge Kilometer entfernt im «Stal Mulkhoeve» in Belgien. Zurecht wurde die Elitespring­reiterin im Rahmen des CSI-W Zürich zum «Rookie of the year 2015» ausge­zeichnet. Nach einem herben Rückschlag durch den Verlust ihres Ausnahme­pferdes Palloubet d’Halong gelangte sie im Eiltempo wieder zu grossen Erfolgen. Mit Bonne Chance schaffte sie es ins Schweizer EM-Team und leis­tete einen wesentlichen Beitrag für die Bronzemedaille in Aachen.

Janika Sprunger mit ihrem Freund, dem italienischen Springreiter Piergiorgio Bucci mit Egie of Colors.

Janika Sprunger wohnt seit Mitte Oktober des letzten Jahres in Budel (NED). Zu diesem Schritt habe sie einerseits ihre private Beziehung zum italienischen Spring­reiter Piergiorgio Bucci be­wogen und andererseits wolle sie auf eigenen Füssen stehen, so die 28-jährige Baselbieterin. Zusammen mit ihrem Le­bens­partner mie­tet sie im holländischen Dorf, das in der Provinz Nordbrabant ungefähr 25 Kilometer süd­lich von Eind­hoven liegt, ein «Häus­chen», wie sie es selbst bezeichnet. «Hier in Budel habe ich alles, was ich brauche und es ist mir wichtig, nahe bei meinen Pferden zu wohnen», begründet die Elitespring­reiterin die Wahl der neuen Heimat. Zwar muss sie über die Lan­des­gren­ze, es sind aber nur rund fünf Minuten Au­to­fahrt zu ihren vierbeinigen Sportpartnern, die nun in der Nä­he der belgischen Klein­stadt Hamont-Achel leben. Fast genauso schnell war sie zuvor von Bubendorf in Lausen, von ihrem früheren Zuhause zum Reitsportzentrum Galms ihres Vaters Hans­ueli. Der Umzug sei einwandfrei verlaufen. «Ich bin in einem Zug umgezogen – Pferde, Stallutensilien und meine privaten Sachen.»

Der «Stal Mulkhoeve» in Hamont (BEL) ist das neue Heim von Janika Sprungers Pferden.

Acht Boxen und eine erstklassige Anlage

«Stal Mulkhoeve» heisst das Pferdeparadies, das Janika bei Hamont vorgefunden hat und wo nun auch Aris, Bonne Chance, Up­town Boy und fünf weitere von Janikas Springpferden eingestallt sind. Auf dem Hof der Familie Lammers, deren Tochter Joy auf internationalen Turnieren bis Dreisternniveau zu sehen ist, hat sie acht Boxen für ihre Vierbeiner und viel Freiraum für sich selbst. «Die Lammers haben einen freistehenden Stallteil für mich zurechtgemacht. Sie sind eine super Familie, sorgen für einen tollen Zusammenhalt und eine angenehme, freundliche Atmosphäre», schwärmt Janika. Von der Lage her sei der Stall optimal gelegen. «Mit dem Pferdetransporter erreichen wir in nur zehn Minuten die Autobahn.»
Für ihre Pferde verfügt sie nebst Weiden für den Sommer auch über eigene Winterpaddocks, die etwa 15 mal 15 Meter gross sind. «Vorher in Lausen konnte ich meine Pferde im Winter leider nicht rauslassen, weil das Gelände rundherum zu steil war.» Was ihr hier in Hamont jedoch fehle, sei das Ausreitge­län­de, das sie in Lausen hatte. «Das Ausreiten im Wald vermisse ich schon sehr.» Anstelle der täglichen Ritte im Galmser Wald spaziere sie jetzt mit ihren Pferden eher im Wohn­quartier. Aber hinter dem Stall liegt eine grosse Wiese, die Janika auch gerne als Ersatz brauche. «Da kann ich hunderte von Metern geradeaus galoppieren. Das hat natürlich auch seinen Reiz. Das flache Ge­lände und die Weiten hier sind schon eindrücklich.»
Fürs Training stehen ihr eine grosszügige Halle, ein Sand­platz, der über 100 Meter lang ist, und ein grosser Wiesenspringplatz mit Naturhindernissen zur Verfügung. Für andere Bewegungsmöglichkeiten ihrer geliebten Athleten ist der «Stal Mulkhoeve» auch mit einem Longierzirkel, einer grossen Führanlage, einem Laufband und einem zweiten, kleineren Viereck ausgestattet. «Die Infrastruktur ist optimal und ich kann sie uneingeschränkt nutzen.»

Janika mit «Bonnie» (Bonne Chance, rechts) und «Joey» (Uptown Boy).

Ein «Grüezi» unter Hengsten im Vorbeiweg: Der Fuchs Aris und der Braune Bacardi VDL.

Schon sehr «zu Hause» im neuen Zuhause

Sie fühle sich sowohl in Budel wie auch in Hamont ausgesprochen wohl. «Eigentlich war es gar nicht so eine grosse Umstellung, wie ich dach­te. Oder ich habe mich einfach schon total daran gewöhnt.» Als internationale Springreiterin ist Janika damit vertraut, ständig unterwegs zu sein und manchmal auch nur zwei oder vielleicht drei Tage pro Woche zu Hause zu verbringen. «Ausserdem war ich vor meinem definitiven Umzug schon viele Tage bei ‘PG’», ergänzt sie. «PG» – die beiden Buchstaben englisch ausgesprochen – so nennt sie ihren Freund Piergiorgio. Seit rund zwei­ein­halb Jahren sind die beiden ein Paar. «Wir unterstützen uns gegenseitig und können unsere Leidenschaft fürs Reiten teilen. Seit wir zusammenleben ist das noch einfacher.» Der 40-jährige Vize-Europameis­ter im Team in Windsor 2009 hatte seine Pferde vor Janikas Umzug schon einige Jahre in seinem separaten Stallteil bei der Familie Lammers eingestallt und lebte in Eindhoven.

Die grosse Führanlage ist eine von vielfältigen zusätzlichen Bewegungsmöglichkeiten für die Pferde im «Stal Mulkhoeve» und Janika beim Spazieren mit «Bonnie».

Trotz Distanz äusserst nah

Das enge Verhältnis zu ihrer Familie nahm schon immer eine besondere Bedeutung in Janikas Leben ein. Aber daran habe sich auch durch die Distanz nichts geändert. «Wir hören uns oft und mit meinem Vater telefoniere ich sogar fast täglich. Er kommt immer an die grossen Turniere zur Unterstützung mit. Wir schauen auch, dass wir manche Concours zusammen reiten können.» Der nach wie vor aktive Springreiter Hans­ueli Sprunger spielt nicht nur privat als Vater, sondern auch bei der Arbeit mit den Pferden eine wichtige Rolle. «Wir sprechen hauptsächlich über die Pferde. Er hilft bei wichtigen Entscheidungen und weiss auch sonst immer einen guten Rat.» Hansueli habe ihr auch beim Entschluss, umzuziehen, geholfen. Bei ihm im Reit­sport­zentrum Galms in Lausen stehen nach wie vor einige von Janikas Pferden. «Ganz junge Pferde zum Beispiel und diejenigen, die gerade eine Pause geniessen oder im Aufbau sind, stehen in der Schweiz», präzisiert Janika. Selbstverständlich besuche sie auch ihre Familie und ihre Freunde in der Schweiz, wenn es gerade passe. Seit ihrem Weggang habe sie aber mehr Besuch erhalten, als dass sie in der Schweiz war – trotz den Turnierteilnahmen in Genf, Basel, Zürich und den Festtagen, die sie in der Schweiz verbrachte. «Jetzt wollten natürlich alle zuerst sehen, wie es bei mir so ist.»

Janika mit Bonne Chance am CSI-W Zürich, wo sie zum «Rookie of the year 2015» geehrt wurde.

Ein Katzensprung zu Palloubet

Von ihrem neuen Domizil aus erreicht Janika in nur zehn Kilometern den «Stal Tops», wo ihr einstiges Spitzenpferd Palloubet d’Halong steht. Natürlich liess sie es sich nicht entgehen, dem 13-jährigen Ausnahmepferd einen Besuch abzustatten und ein «Rüebli» vorbeizubringen. «Es ist immer sehr schön, ihn zu sehen. ‘Pallou’ wegzugeben, war sehr hart für mich. Ich vermisse ihn noch heute.» Mit dem aussergewöhnlichen Franzosen-Wallach erreichte sie die Spitzenresultate ihrer bisherigen Karriere: Der zweite Rang im hoch dotierten GP von Aachen (GER) 2013 oder der siebte Einzelrang an der EM in Herning (DEN) sind nur zwei von vielen Glanzleistungen des Duos. Mit dem Millionendeal im Herbst desselben Jahres wurde das Traumpaar auseinandergerissen; Palloubet wechselte in den Stall des Pferdehändlers Jan Tops und in den Besitz der «Qatar Equestrian Federation», wo er zuerst unter Ali Yousef Al Rumaihi und dann unter Bassem Hassan Mohammed lief. Ein bitterer Verlust sowohl für Janika wie auch fürs Schweizer Team. «Ich hatte Angst, dass ich nie mehr so ein Pferd reiten werde.» Doch die fleissige und umsichtige Reiterin setzte die Ausbildung ihrer jungen Pferde sukzessive fort und ruhte sich nie auf den Erfolgen mit «Pallou» aus. Und es lohnte sich: Janika regenerierte sich im Eiltempo. Mit Bonne Chance schaff­te sie es in die EM-Mannschaft und trug massgeblich zur Bronzemedaille der Schweizer Equipe bei. «Ich hätte mir niemals erträumt, so schnell wieder vorne dabei zu sein.» Für diese Rehabilitation wurde sie am letzten Wochenende im Rahmen des «Mercedes Benz»-CSI Zürich von der Gönnervereinigung «Swiss Team Trophy» zurecht zum «Rookie of the year 2015» ausgezeichnet. Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro in diesem Jahr waren einst ein Traum», so Janika, «und jetzt sind sie ein realis­tisches Ziel.»

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 4/2016)

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