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Thomas Fuchs, Technischer Coach der Schweizer Springreiter.
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«Wir haben eigentlich alles richtig gemacht»

08.01.2019 11:33
von  Sascha P. Dubach //

Morgen, Donnerstag, feiert er seinen 62. Geburtstag. Thomas Fuchs – selbst ­mehrfacher Teilnehmer an Olympischen Spielen, Welt- und Europa­meisterschaften. Mit Dylano, Major oder Dollar Girl gewann der gewiefte Trainer und Pferdehändler dabei mehrere Medaillen. Der Coach der Schweizer Springreiter hat vor Kurzem ­seinen Vertrag verlängert. Wir blicken mit ihm zurück auf die WM und wagen einen Ausblick auf die Saison 2019 und weiter auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Sie haben am CHI in Genf den Vertrag als Coach der Schweizer Springreiter verlängert. Was wird sich verändern?
Da wird sich im Grossen und Ganzen nicht viel verändern. Einzig vielleicht, dass ich nun nicht mehr offiziell zusätzlich für den Nachwuchs zuständig bin. Das machte auch wenig Sinn, wenn ich das ganze Jahr über kaum einen Parcours der Youngsters sehe und sie dann am Championat betreuen soll. Die meis­ten von ihnen haben so oder so einen persönlichen Trainer. Ich stehe aber selbstverständlich für punktuelle Einsätze zur Verfügung.

Über welchen Zeitraum wurde der neue Vertrag abgeschlossen?
Das ist eigentlich ein unbefristeter Vertrag mit gegenseitigem Kündigungsrecht. Die Meinung ist sicherlich, dass ich mindestens bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio dabei sein werde.

Rückblende: Was wiegt mehr, die Freude über die gewonnenen Einzelmedaillen an der Weltmeisterschaft in Tryon oder die verpasste Chance für eine Teammedaille?
Die beiden Einzelmedaillen waren schon sensationell. Aber am Freitag nach der Teamentscheidung waren schon alle sehr enttäuscht. Handkehrum muss man auch sagen, heutzutage ist alles so eng beieinander; ein vierter Rang ist doch auch nicht ganz so schlecht. Und bis anhin hatten wir ja stets Mühe, an einer WM die Olympiaqualifikation direkt zu erreichen.



Thomas mit seinem Sohn Martin bei der Parcoursbesichtigung in Tryon.

Hinter den Kulissen brodelte es aber schon im Vorfeld der WM rund um die Selektionen. Was lief Ihrer Meinung nach schief?
Ein Fehlverhalten von Equipenchef Andy Kistler, der Selko sowie von meiner Seite sehe ich eigentlich nicht. Das Einzige, was wir uns vielleicht vorwerfen müssen, ist die Tatsache, dass Arthur da Silva nicht direkt nachgerutscht ist. Es ist uns bewusst, dass er enttäuscht war. Nach dem kurzfristigen Ausfall von Paul Estermann wäre er eigentlich als Vierter nachgerutscht und dann ist er trotzdem wieder Reserve. Dies, weil Werner Muff, der ursprünglich als Reservist zusagte und sich dann doch wieder anders entschied, dann doch noch zusagte. Ich weiss nicht, wie man das in Zukunft anders machen müsste. Denn zwingen kann man niemanden. Auf der anderen Seite hätte man vielleicht von Anfang an ein biss­chen mehr Druck aufsetzen müssen. Ich verstehe natürlich auch, dass Werner damit vor Ort noch viel mehr Druck hatte, als wenn er einfach regulär nachgerutscht wäre. Dann wäre doch alles ganz normal in geordneten Bahnen gelaufen.

Hätte man nicht noch andere Optionen gehabt?
Gross Alternativen hätten wir eigentlich keine gehabt. Ich sehe keinen, der vor Muff ins Team hätte rutschen müssen. Und wenn wir rückblickend die Resultate von Arthur da Silva nach der WM betrachten, waren diese auch eher auf bescheidenem ­Niveau. Wenn ich nun mit dem nötigen Abstand zurückblicke, bin ich der Meinung, dass wir eigentlich alles richtig gemacht haben.

Emotionen pur beim Silbertriumph von Martin an der WM in Tryon (USA).

War es vielleicht auch von aussen betrachtet ein grösseres Thema, als es effektiv war?
Ein Thema war es schon, dass Werner zuerst zugesagt hat und dann wieder nicht. Es ging ja grundsätzlich bei der Selektion noch um Paul Estermann und Werner Muff. Wir haben in Aachen, zwei Monate vor der WM, mit beiden gesprochen und beide haben zugesagt – die Selko entschied dann pro Estermann.

Was muss sich in Zukunft verändern oder verbessern, damit die immer wiederkehrenden Diskussionen rund um Selektionen nicht mehr aufkommen?
Die Kaderreiter haben einen Vertrag mit dem Verband. Vielleicht müssen wir in Zukunft einfach in der Umsetzung gewisser Entscheidungen konsequenter sein und auch einmal Sanktionen aussprechen.

Wie könnte das aussehen?
Wenn jemand als Reservist zusagt und dann wieder zurückzieht, könnte man ihm beispielsweise ein Startverbot für kommende Nationenpreise aufbrummen. Oder er zahlt das Startgeld und die Transportentschädigung der abgelaufenen Saison dem Verband zurück. Ich habe ehrlich gesagt aber auch keine Ahnung, was da überhaupt alles rechtlich möglich ist.

Thomas Fuchs setzt sich überall ein, wo seine Hilfe gebraucht wird.

Wie beurteilen Sie in der Retrospektive die Leistungen an der WM von Werner Muff und Janika Sprunger?
Bei Janika ist es ja nur ein Umgang, der total in die Hose ging, der Rest war richtig gut. Da kann man gar nichts sagen. Ich mache ihr auch keinen Vorwurf – obwohl man auch festhalten muss, dass ihr das eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Ich denke, sie war irgendwie zu blockiert. Und bei Werner … Tja, die Kombinationen. Daimler sprang vielleicht etwas verkrampft, dann gab es eventuell schon gesundheitli-
che Probleme bei Werner, von denen wir nichts wuss­ten. Auf diesem absoluten Spitzenniveau hat man dann schnell, zwei, drei Fehler, wenn nur ein Puzzleteil nicht ganz exakt passt. Und wenn sich Werner selbst etwas verkrampft und sich das auf das Pferd überträgt, dann geht es eben schnell.

… und die Auftritte von Steve Guerdat und Ihrem Sohn Martin?
Da muss man meiner Ansicht nach nicht viel sagen. Viel besser geht es kaum.

Wie war der «Teamspirit» vor Ort?
Der war ganz gut. Arthur da Silva – der Einzige, der im Vorfeld vielleicht nicht ganz fair behandelt wurde – hat sich vorbildlich verhalten. Ihm mussten wir dann im Nachhinein schon noch den einen oder anderen «Stein in den Garten» werfen. Wir hatten insgesamt ein super Verhältnis gehabt, konnten auch offen über alles reden.

Das komplette Interview finden Sie in der «PferdeWoche»-Ausgabe Nr. 1 vom 9. Januar.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 1/2019)

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