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Auf dem Pfannenstiel fand der erste Patrouillenritt der OKV-Saison statt.
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Wunderbarer Start in die Saison

10.04.2018 14:48
von  Corinne Hanselmann //

Der Reitverein Zürichsee rechtes Ufer organisierte am Sonntag den ersten OKV-Patrouillenritt der Saison. Rund 120 Reiter nahmen teil. Auch die Korres­pondentin der «PferdeWoche» schwang sich in den Sattel.

Seit Wochen habe ich mich auf diesen Tag gefreut: Der erste Patrouillenritt in diesem Jahr steht an! Wir kontrollieren noch einmal, ob alles eingepackt ist und machen uns am Vormittag auf die rund 90-minütige Fahrt auf den Pfannenstiel. Wir, das bin ich, Corinne Hanselmann, mit meinem Isländerwallach Falki, und meine Teampartnerin Martina Nussbaumer mit ihrer Freibergerstute Paco Rabanne. Wir besuchen seit einigen Jahren zusammen Patrouillenritte und sind ein eingespieltes Team.

Corinne Hanselmann (r.) und Martina Nussbaumer.

Es gefällt uns auf dem Pfannenstiel, wir waren schon letztes Jahr am Patrouillenritt des Reitvereins Zürichsee rechtes Ufer (RVZrU). Bei strahlendem Sonnenschein kommen wir an und werden von freundlichen Helfern auf den Parkplatz eingewiesen. Wir holen unsere Startnummer ab und lösen gleich den ers­ten Posten, für den wir die Pferde noch nicht brau­chen. Unser Wissen ist gefragt: Sätze aus dem Bre­vet­ordner wie auch erfundene Behauptungen stehen auf Karten. Wir müssen entscheiden, welche richtig und welche falsch sind. Das Brevetwissen wird bei Patrouillenritten immer wieder einmal abgefragt. Es hat sich bewährt, alle paar Monate einen Blick in den Ordner zu werfen.

Motivierte Pferde und Reiter

Nun satteln wir unsere Vierbeiner und starten pünktlich um 11.55 Uhr. Wir haben eine rund zehn Kilometer lange Strecke vor uns, die durch die Gemeinden Meilen, Egg und Uetikon führt. Motiviert «marschieren» unsere Pfer­de nebeneinander her – es scheint, dass auch sie sich freuen, unterwegs zu sein. Bald erreichen wir den Pos­ten zwei. Hier wird Montagsmaler gespielt. Im Sattel von Paco Rabanne zeichnet Martina ein Ohr, dann etwas Ähnliches wie einen Regenwurm. Ohrwurm? Richtig! Auch Begriffe wie WC-Brille oder Reissverschluss gilt es zu erraten. Weiter gehts, zum Posten drei. Hier müssen wir Deckel auf PET-Flaschen schrauben. Ganz schön knifflig – denn es sind auch Deckel im Eimer, die auf keine Flasche passen. Auf schönen Waldwegen reiten wir weiter.

Margrit Hausheer und Marianne Brunner spielen Montagsmaler.

Die nächs­te Aufgabe: Mit einer Zange Plastikringe zur Teampartnerin transportieren, welche sie auf Markierungen mit verschiedenen Punktzahlen werfen muss. Martina und ich besprechen uns vor dem Start. Wir wissen, dass mein kleiner Isländer auf engem Raum etwas wendiger und flinker ist als ihr Freiberger. Deshalb übernehme ich den Part mit dem Transport der Ringe und Martina wirft, das klappt ziemlich gut. An­schliessend dürfen wir uns am Verpflegungs­tisch bedienen. Auch an die Pferde haben die Organisatoren gedacht und eine Kis­te mit Rüebli bereitgestellt – Falki und Paco Rabanne freut’s!
Auf dem weiteren Weg geniessen wir die Aussicht auf den Greifensee. Viel Spass haben wir beim Posten fünf. Die Aufgabe: Möglichst viele Holzscheiter auf das Pferd laden, damit über einen am Boden liegenden Teppich reiten und das Holz auf die Waage legen. Wir stapeln die Holzstücke auf Widerrist und Vorderzwiesel bis fast zum Kinn hoch. Doch damit zu reiten, ist schwieriger als gedacht. Die Scheite rutschen. Verzweifelt versuche ich, möglichst alle festzuhalten. Etwas mehr als 25 Kilogramm Holz schaffen wir, bis die Zeit abgelaufen ist.
Beim sechsten Posten ist im Vorteil, wer dem Hufschmied bei seiner Arbeit zuschaut. Werkzeug, Hufeisen, Sohlen und sonstiges Beschlagszubehör muss richtig zugeordnet werden. Wie sieht schon wieder ein Sliding-Eisen aus? «Tisch­lein deck dich» heisst der nächste Posten. Die Aufgabe: einen Tisch gemäss einem Muster möglichst schnell zu decken. Dass unsere Pferde seitwärts nah an den Tisch herantreten und dann wie eine Statue stillstehen, kommt uns hier entgegen. Keine grosse Sache, wir sind in weniger als einer Minute fertig.

So ein Apfel ist etwas Feines!

Den Pferden gefällt wohl der achte Posten am besten. Hier gibts Snacks für sie. Meine Aufgabe ist es, Falki so zu beeinflussen, dass er die auf einem Tisch sehr nah beieinanderliegenden Leckereien in der Reihenfolge Apfel, Karotte, Würfel frisst – und zwar möglichst schnell. Doch Falki lässt sich nicht hetzen. Ge­nüsslich kaut er den Apfel, während ich verzweifelt versuche, ihn zu animieren, auch noch das Rüebli und den Würfel ins Maul zu nehmen. Doch alles nützt nichts, die Sekunden verstreichen, und Falkis Geschmatze sorgt für schmunzelnde Gesichter.

Wie diese Zangen vom Hufschmied wohl heissen?

Der letzte Posten findet auf dem Sandplatz der Reitanlage Pfannenstiel statt. Ringstechen! Im Kopf sehe ich Ritter mit langen Lanzen durch eine Arena galoppieren und treffsicher Ringe stechen. Leider sind unsere Ringe wenige Zentimeter klein und es ist echt schwierig, im Trab oder Galopp so gut zu zielen. Dieser Posten gelingt uns überhaupt nicht, doch dies liegt zum Glück an uns Reitern. Mit den Vierbeinern sind Martina und ich sehr zufrieden. Sie waren bei allen Pos­ten geduldig und aufmerksam und wir haben den Ritt genossen. Nach rund drei Stunden sind wir im Ziel.

Hut ab vor allen Organisatoren und Helfern

Seit ich kürzlich selber ein Gymkhana organisiert ha­be, ist mir wieder umso mehr bewusst, wie viel Arbeit es gibt, einen Anlass zu organisieren. Ich schätze es nun noch mehr, wenn Vereine ein Turnier organisieren und sich OK-Mitglieder und Helfer so richtig ins Zeug legen. Beim Patrouillenritt sind rund 35 Helfer im Einsatz, erfahre ich im Gespräch mit dem OK-Präsidenten Felix Werder. Auch wenn Martina und ich schon Dutzende Patrouillenritte bestritten haben, trafen wir auf dem Pfannenstiel wieder neue Herausforderungen an. Das zeugt vom Ideenreichtum der «Postentüftler». Die Aufgaben werden beim RVZrU gemeinsam mit den Helfern entwi­ckelt, die am Anlass dann auch selbst den Posten betreuen, erzählt mir Felix Werder. «Es ist eine grosse Herausforderung, die Pos­ten nicht zu einfach, aber auch nicht zu schwierig zu gestalten und eine ausgewogene Mischung zwischen berittenen und unberittenen Posten zu finden», sagt er. Ich finde, dies hat der RVZrU wunderbar gemeistert.

Corin Koch (l.) und Katja Ott vom RV Tösstal gewannen die OKV-Wertung.

Letztjährige OKV-Finalgewinner an der Spitze

59 Zweierteams waren am Start, 17 davon in der Kategorie OKV. Katja Ott und Corin Koch vom RV Tösstal gewannen in der Kategorie OKV souverän. Die beiden freuten sich riesig. Beim anschliessenden Fotoshooting erzählten sie, dass sie im vergangenen Jahr den OKV-Patrouillenrittfinal in Dietikon gewonnen haben, sonst aber eher in den Sparten Dressur und Springreiten unterwegs sind. Spass zu haben und sich für den diesjährigen Final zu qualifizieren, mit diesen Zielen sind sie auf den Pfannenstiel gekommen. Spass hat ihnen der Ritt gemacht und die Qualifikation für den Final am 22. September in Eschlikon haben sie im Sack – wie auch zwölf weitere OKV-Equipen. Als bes­te Equipe des RVZrU werden die Präsidentin Christine Honegger und der Junior Jan Honegger ausgezeichnet. In der Kategorie Offen gewannen Corina Schmid und Fabienne Pianzola. Hinter ihnen auf Rang zwei landeten Martina Nussbaumer und Corinne Hanselmann. Diese gute Platzierung war die Krönung des wunderbaren Tages auf dem Pfannenstiel.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 14/2018)

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