Er gehört zu jener Sorte von Männern, die sich dauernd neue Ziele setzen, vor allem betriebliche Verbesserungen nicht scheuen. Der Rheintaler Meisterlandwirt, erfolgreiche Pferdezüchter und hochmoderne Spargelproduzent Walter Kummer, hat eigentlich seine Visionen alle umsetzen können. Mit Fleiss und Durchhaltewillen, aber auch mit entsprechendem Glück, das ja immer zur Seite stehen muss.
Auf einem 30 Hektaren grossen eingezäunten Weideland der Ortsgemeinde Schmitten bei Diepoldsau arbeitete sein Vater Gottfried, zuständig für über 80 Stück Vieh, als Alphirt auf dem Schmitterhof. Für den einzigen Sohn der Familie lag damit eigentlich nichts näher, als beruflich eine ähnliche Richtung einzuschlagen.
Das ist die wunderschöne Stute Dixi aus eigener Zucht.
Nach der Schule absolvierte er deshalb ein Bauernlehrjahr in Diepoldsau. Quasi einen Katzensprung entfernt vom elterlichen Haus. Heimweh ist da wohl kaum aufgekommen. Anschliessend folgte dann zwei Winter lang eine weitere Ausbildung auf dem Custerhof in Rheineck. Übrigens ein Betrieb, der heute nicht mehr existiert. Walter wollte jedoch beruflich noch eine Treppe höher steigen und in Zollikofen BE das Technikum besuchen. Das heisst, Agrotechniker werden. Er stand mitten im Vorkurs, da bekam sein Vater gesundheitliche Probleme. Die Rückkehr auf den 1962 erbauten Schmitterhof war unvermeidlich. 1974, im Alter von 23 Jahren, übernahm er den Betrieb. Sein Ehrgeiz nach Kompetenz liess aber nicht nach; drei Jahre später beendete er seine berufliche Ausbildung mit dem Diplom als Meisterlandwirt.
Landwirt, Pferdezüchter und Spargelproduzent
Selbstverständlich waren auf dem Betrieb auch Pferde eingestallt. Vor allem Freiberger. Mutter Lisa, so erinnert sich Walter, war eine geradezu «vergiftete» Rösselerin. Er selber war ebenfalls grosser Freund dieser Vierbeiner. Die anstehende Rekrutenschule bestritt er in Aarau bei der Kavallerie, obwohl er dies nicht angestrebt hatte. Die Eliminierung dieser Truppe stand ja kurz bevor. Die Ersteigerung seines «Eidgenoss» Vulfad war für ihn der Höhepunkt der RS. Eingeteilt wurde er dann in die Schwadron 21. Die WKs bestritt er als Nachrichtensoldat im Stab der Abteilung 7. Später kam die Umteilung zum Panzergrenadier.
Mit Lucy unter dem Sattel am Concours in Diepoldsau.
Als Dragoner, der permanent an regionalen Springen an den Start ging, sass er rund 20 Jahre im Vorstand des Kavallerievereins Unterrheintal für verschiedene Aufgabenbereiche. Man hat ihm zum Beispiel das OK-Präsidium des Concours Rietmühle Balgach übertragen. Dem jedoch nicht genug, drückte man ihm auch noch den Kochlöffel als Festwirt in Berneck in die Hand.
Nebst all dem meldete sich bei ihm die Lust, Pferde zu züchten. Auf eine nicht gerade herkömmliche Art kam er in den Besitz einer Stute, auf die er schon seit geraumer Zeit ein Auge geworfen hatte. Da ritt doch einer fast täglich an seinem Hof vorbei, und dies im Sattel einer Stute, die ihm ausserordentlich gefiel. Er gab dem Reiter zu verstehen, dass er dieses Pferd gerne kaufen würde. Es gingen viele Monate ins Land, ehe der Reiter zu verstehen gab, dass er jetzt bereit sei, ihm die Stute namens Uschi zu verkaufen. Der Start als Pferdezüchter begann mit der Mitgliedschaft in der Pferdezucht-Genossenschaft Rheintal und Umgebung. Dieses Hobby liess ihn als Besitzer von sechs sehr guten Stuten zum kleinen, aber relativ erfolgreichen Züchter werden. Das Pferd rückte bei Walter immer mehr in den Mittelpunkt. Das Reiten war die eine Sache, das Fahren eine zweite die ihn begeisterte, und das Säumen in der wilden Natur benutzte er zur Erholung.
Beim römischen Wagenrennen in Berneck nach Art von Ben Hur.
Seit 1974 ist er mit Erika verheiratet. Vier Knaben und ein Mädchen haben die Familie vergrössert. Die zwei jüngeren Söhne zeigen Interesse, dereinst den heutigen 43 Hektaren grossen Betrieb, in welcher Aufteilung auch immer, ebenfalls in Pacht zu übernehmen. 2001 verabschiedete sich Walter von seinen Kühen, die Rindermast war nun angesagt. Nicht weniger als 120 sind eingestallt.
Diesen «Eidgenoss» (Franzosen-Wallach) namens Vulfad 233+70 hat Walter Kummer ersteigert.
20 Hektaren gehören aber dem Ackerbau. Blumenkohl, Kartoffeln, Rüebli und Spinat werden angepflanzt. Eine Spezialität des Hauses sind aber die weissen Spargeln. Denn unter diesem Feld befindet sich eine Bodenheizung, genährt durch die Industriewärme eines nahe gelenen Kunststoff-Betriebes, der unter anderem auch Joghurtbecher herstellt. Durch dieses System kann Walter seine Spargeln zwei bis drei Wochen früher als andere Produzenten in der Schweiz auf den Markt werfen. Das sind rund 15 Tonnen der besten Spargeln, die in unserem Land erhältlich sind. Dieser Meinung sind vor allem Hotels und Restaurants.
Das Säumen war schon immer ein Hobby von Walter.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 03/2012)
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