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Informationen zum Herpesvirus

08.03.2021 15:07

Ein Zusammenschluss von führenden Veterinären hat ein kurzes "Fragen & Antworten" rund um das Herpesvirus zusammengestellt:

Liebe Pferdefreunde, Reiter, Trainer, Fahrer und Pferdeinteressierte

Corona und Herpes: Diese beiden Themen beschäftigen uns im Moment sehr stark und es wird in den verschiedenen Medien sehr viel informiert und diskutiert. Leider werden manchmal auch falsche oder ungenaue Aussagen gemacht, die zu einer sehr grossen Verunsicherung führen. Aus diesem Grund möchten wir Sie rasch, einfach und unkompliziert über einige wichtige Themen um die Herpesvirusinfektion bei Pferden informieren. Der aktuelle Ausbruch in Spanien hat zu einem grossen Medieninteresse geführt, weil an diesen Turnieren Reiter aus vielen verschiedenen Ländern teilgenommen haben. So ist auch unser Land betroffen, weil einige Pferde aus der Schweiz an diesen Turnieren mitgemacht haben. Glücklicherweise konnten diese Pferde rasch in die Schweiz zurückkehren und werden nun von ihren Tierärzten und Haltern sehr professionell betreut. Die betroffenen Ställe wurden und werden sehr genau überwacht, so dass eine weitere Ausbreitung verhindert werden konnte. Pferde, die schwerer erkrankt sind, wurden in spezialisierten Pferdekliniken hospitalisiert.

Wie gross ist nun das Risiko für ein gesundes Pferd in der Schweiz, an einer Herpesvirusinfektion zu erkranken? Sind Impfungen angezeigt und sollten diese nun rasch erfolgen? Darf der Reitunterricht weiter erfolgen? Sind Pferdesportveranstaltungen noch zu verantworten? Hier finden Sie einige Antworten zu diesen Fragen:

Das Risiko für die anderen Pferde in der Schweiz ist sehr klein und nicht grösser als in anderen Jahren. Wir erleben ja in der Schweiz immer wieder Ausbrüche mit Herpesinfektionen, sowohl Typ 1 als auch Typ 4; dies hängt damit zusammen, dass ca. 80% der Pferde mit Herpesviren infiziert und sogenannte stille Träger sind. In bestimmten Situationen (Stress bei Transport, auf Turnieren, usw.) können diese Pferde mit der Ausscheidung von Herpesviren beginnen und auch andere Pferde infizieren, die dann erkranken können. Glücklicherweise findet dies aber sehr selten statt, so dass das Risiko von grossen Ausbrüchen sehr klein ist. Dies erklärt auch, warum Herpesinfektionen nicht anzeigepflichtig sind und zu deren Bekämpfung keine gesetzliche Grundlage vorliegt. Und aus diesem Grund können Reitveranstaltungen, Reitstunden, gemeinsame Ausritte auch in diesen Tagen und Wochen ohne erhöhtes Risiko durchgeführt werden.

Müssen Reitveranstaltungen, Trainingslager, Reitlager,.... abgesagt werden? Nein! Es gibt in der aktuellen Situation überhaupt keinen Grund, besondere Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen, wenn keine Kontakte zu den aus Spanien zurückgekommenen Pferden bestanden. Das Risiko einer Herpesvirusinfektion ist für alle anderen Pferde in der Schweiz im Moment nicht grösser als in anderen Jahren.

Wie gross ist das Risiko von Ansteckungen mit Pferden, die gesund sind und trotzdem das Virus ausscheiden? Das Risiko ist sehr klein, so dass man wie gewohnt die Pferde halten, reiten und trainieren soll. Das Risiko einer Ansteckung bei einem kurzen Kontakt selbst mit einem Ausscheider ist klein. Auch die Reiter und Fahrer, die Hufschmiede, Trainer, Reitlehrer, Tierärzte etc. stellen kein grösseres Risiko dar, Herpesinfektionen zu übertragen. Für eine Ansteckung benötigt es einen direkten Kontakt von Pferden über eine längere Zeit, wie es beim gemeinsamen Aufstallen von mehreren Pferden (aus verschiedenen Herkunftsbeständen) in einem Stall geschehen kann. So ist die Infektion in Spanien vermutlich auch in den Zeltboxen erfolgt.

Wann sind Vorsichtsmassnahmen angezeigt? Pferde mit Fieber, Nasenausfluss, Husten oder plötzlich auftretenden neurologischen Symptomen (z.B. schwankender Gang, Koordinationsschwierigkeiten) sollten rasch dem Tierarzt vorgestellt und bei Verdacht einer Herpesinfektion von anderen Pferden abgesondert werden. Dasselbe gilt für Stuten, die in der späten Trächtigkeit abortieren oder lebensschwache Fohlen zur Welt bringen - auch dies kann durch eine Herpesvirusinfektion verursacht werden. Der Tierarzt wird in solchen Fällen Untersuchungen einleiten und über das weitere Vorgehen entscheiden! In jedem Fall und unabhängig von der aktuellen Situation gilt: Pferde, die derartige Symptome aufweisen, sollten nicht an Reitveranstaltungen, Reitstunden, gemeinsamen Ausritten oder anderen Veranstaltungen teilnehmen. Aus diesem Grunde werden nun alle Pferde, die in Spanien waren, sehr genau überwacht.

Gibt es einen Herpes-Schnelltest und soll ich mein Pferd testen? Herpesviren können mittels Laboruntersuchungen in Nasensekreten und im Blut nachgewiesen werden. Zuverlässige Schnelltests, die einfach vor Ort durchgeführt werden können und schnell ein Ergebnis liefern, sind (noch) nicht verfügbar. Sollte ein Pferd krank sein und die oben genannten Symptome zeigen, kann der Tierarzt entsprechende Proben entnehmen und in einem Labor untersuchen lassen. Die Ergebnisse liegen in der Regel nach 1-2 Tagen vor. Die Untersuchung von gesunden Pferden macht jedoch in der derzeitigen Lage keinen Sinn.

Sind Impfungen erforderlich? Leider bietet die Herpesimpfung keinen 100 % Schutz für das Einzeltier, so dass bisher auf ein Impfobligatorium verzichtet wurde. Häufig sind Pferde von einer Herpesinfektion betroffen, die einem grösseren Stress ausgesetzt sind und auch häufig an verschiedenen Turnieren teilnehmen. Aus diesem Grund empfiehlt sich insbesondere die Impfung von Pferden, die häufig an mehrtägigen Turnieren teilnehmen. Ausserdem sollten trächtige Stuten und deren Kontaktiere zwingend geimpft werden, da Herpesviren häufig zu Aborten führen können.

Nachdem im Moment die Situation der Schweiz unter Kontrolle ist, sind keine Notfallimpfungen erforderlich. Impfungen in der Inkubationszeit (d.h. der Zeit, in der ein Pferd zwar schon infiziert ist, aber noch keine Symptome zeigt) sind vermutlich kontraindiziert, weil dadurch die Erkrankung unter Umständen sogar verschlimmert werden kann. Zudem braucht der Körper bei Erstimpfung zum Aufbau einer belastbaren Immunität 4 bis 6 Wochen, so dass die Wirkung einer "Notimpfung" in der Regel zu spät eintritt. Die Vor- und Nachteile einer Impfung sollte mit dem Bestandestierarzt besprochen werden.

Weitere aktuelle Informationen zu Herpesvirusinfektionen finden Sie auf der Equinella-Webseite: www.equinella.ch.

Prof. Anton Fürst, Prof. Colin Schwarzwald, Pferdeklinik, Tierspital Zürich
Prof. Vinzenz Gerber, Pferdeklinik, Tierspital Bern
PD Dr. Angelika Schoster und Dr. Franziska Wohlfender, Equinella Tierärztinnen
Dr. Marco Hermann, FEI-Tierarzt
Dr. Dominik Burger, FEI- und Equipentierarzt
Dr. Päivi De Jesus Maia-Nussbaumer, Präsidentin SVPM
Prof. Michael Hässig, Präsident OKV
Dr. Diego Gygax, Dr. Martin Stöckli, Pferdeklinik Dalchenhof
Dr. Michael Gutknecht, Tierzentrum Diessenhofen
Dr. Christian Haas, Tierklinik Stockrüti

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