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Die besten Springreiter treffen sich in der St. Jakobshalle in Basel. Foto: Katja Stuppia
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Jahresaufgalopp mit Heimvorteil

11.01.2017 10:44
von  Peter Wyrsch //

Im Dezember und Januar ist die Schweiz das Mekka der Springreiter Europas. Nach dem CSI Genf erfolgt der Aufgalopp ins neue Jahr vom 12. bis 15. Januar erneut am achten Longines CSI5* Basel. Zwei Wochen später trifft man sich am CSI Zürich. Das Teilnehmerfeld in der St. Jakobshalle ist erneut erstklassig. Sieben der besten zehn und 20 der besten 30 Springreiter der aktuellen Weltrangliste haben ihre definitive Startzusage erteilt. Die komplette französische Olympiasiegerequipe, Weltcup­sieger Steve Guerdat und die aktuellen Nummern eins und zwei des globalen Rankings, der erstmals auf den Thron vorgestossene Daniel Deusser und sein deutscher Landsmann Christian Ahlmann, führen das Galaaufgebot an. Da wird es die komplett vertretene Schweizer Elite trotz Heimvorteil schwierig haben, im achten Anlauf den ersten GP-Sieg in Basel zu realisieren.

Noch nie vermochten die Schweizer Springreiter, die trotz des Rücktritts von Steve Guerdats Olympiagoldpferd Nino des Buissonnets weiterhin zu erweiterten Weltklasse zäh­len, die zwei prestigeträchtigsten Springen in Basel zu gewinnen. Der Longines Grand Prix wurde ebenso stets eine Beute erstklassiger Ausländer wie das Championat von Basel um die begehrte Goldene Trommel der Stadt am Rheinknie. Chris­tian Ahlmann gewann den GP im vergangenen Jahr auf Codex One, der ebenfalls erneut startende Rolf-Göran Bengtsson triumphierte auf Casall 2014. Der Franzose Roger-Yves Bost, der erfolgreichste Reiter des Turniers im Vorjahr, gewann den Grossen Preis 2012 auf Myrtille, der für Bertram Allen ins Tableau gerückte Ire Billy Twomey siegte auf Tinka’s Serenade 2011. Die zweifache GP-Siegerin Luciana Diniz fehlt diesmal in Basel ebenso wie Welt- und Europameister Jeroen Dubbeldam. Die für Portugal startende Brasilianerin Diniz ist nach ihrem Fuss­bruch noch verletzt. Der Holländer muss passen, weil sein Championatspferd Zenith zum Verkauf ausgeschrieben ist. Sollte indes bis Ende Januar kein Käufer gefunden werden, der den gewünschten und hoch angesetzten Millionenbetrag für das Klassepferd ausgeben will, wird Zenith wohl wieder unter Dubbeldam um höchste Weihen springen.

Christian Ahlmann (GER) mit Codex One: Titelverteidiger im Longines Grand Prix.

Die sportliche Challenge

Das Turnier in Basel zählt bei der Gilde der internationalen und nationalen Springreiter als erste Ad­resse. Das hat seine guten Gründe. Obwohl Basel auch wert auf Showacts legt – dieses Jahr wird durch nationale und internationale Meister Dressur in Perfektion vorgeführt – ist der Longines CSI in Basel vor allem ein Turnier, in dem Springreiten die grosse Affiche bildet. Nicht weniger als neun (!) Weltranglistenspringen gelangen zur Austragung. Wohl lockt auch das stattliche Preisgeld, das um 25000 auf 756000 Franken aufgestockt wurde. Doch Pferde, Reiter und ihre Entourage fühlen sich in und um der St. Jakobshalle wohl, schätzen die mit viel Herzblut aufgestellte Infrastruktur, die Ambiance und auch die Gastfreundschaft.
Insgesamt haben sich 60 Reiter aus 14 Ländern für die zehn Prüfungen des Fünfsternturniers angemeldet. Darunter nicht weniger als 21 Schweizer, angeführt von den Olympia­reitern Steve Guerdat, Romain Duguet, Martin Fuchs, Janika Sprunger und Ersatzreiter Paul Estermann. Sieben internationale Springen sind für die Amateure ausgeschrieben. Der Final am frühen Samstagnachmittag ist mit 25000 Franken dotiert. Gesucht wird der Nachfolger des in der Schweiz ansässigen Briten Jason Smith.

Grand Prix gestrafft

Höhepunkt des CSI Basel ist zweifellos der Longines Grand Prix am Sonntag­nachmittag, in dem 330000 Franken ausbezahlt werden. Für den Sieger dieses Springens werden 100000 Franken bereitgestellt. Zudem darf er sich über den Ehrenpreis in Form einer wertvollen Uhr freuen. Die Hauptprüfung zählt somit zu den höchstdotierten Hallen-GP der Welt. Die Hauptprüfung wird auf Wunsch der Reiter in einem neuen Format ausgetragen. Der Sieger wird in einem Springen über zwei Runden ermittelt. Zum finalen Durchgang können sich die 15 besten Paare oder alle Nullfehlerreiter aus der ersten Runde qualifizieren. Das neue Format verspricht mehr Spannung und kommt auch der Live-übertragung des Schweizer Fernsehens entgegen. Beim bisherigen Format mit zwei Runden und einem Stechen musste die Prüfung wegen der Parcoursbesichtigung für die Barrage nochmals unterbrochen werden.

Weltcupsieger Steve Guerdat führt das starke Schweizer Teilnehmerfeld an.

Die Topstars

Bei diesen monetären Aussichten war das Interesse der internationalen Stars natürlich riesig. Ein Beleg für die hervorragende Besetzung sind die eingegangenen Anmeldungen. So reisen beispielsweise aus Deutschland der Weltranglistenerste Daniel Deusser, sein Vorgänger Chris­tian Ahlmann, Marcus ­Ehning, Marco Kutscher und der nur wenige Kilometer von Basel wohnhafte Hans-Dieter Dreher an. Der in Eimeldingen lebende Reiter ist seit vielen Jahren ein gern gesehener Gast an Schweizer Turnieren und kommt mit der Referenz als GP-Sieger beim CSIO St. Gallen im letzten Sommer in die St. Jakobshalle.
Für Grossbritannien sind nebst dem früheren Weltranglistenersten Scott Brash, dem aktuellen GP-Sieger in London im Dezember, die legendären Brüder John und Michael Whitaker, am Start. Aus Frankreich kommen die Mannschaftsolympiasieger Roger-Yves Bost, zuletzt Weltcupsieger in Mechelen, Pénélope Leprevost, Philippe Rozier und Kevin Staut. Sie werden von Vize-Weltmeister Patrice Delaveau und dem Weltranglistenfünften Simon Delestre begleitet. Stark einzustufen sind auch die Delegationen aus Belgien mit Niels Bruynseels, den Gebrüdern Nicola und Olivier Philippaerts, Jé­rôme Guery und Grégory Wathelet sowie aus Schweden mit dem Ex-Europa­meister Rolf-Göran Bengt­s­­son. Zu den Siegesanwärtern zählen auch die Australierin Edwina Tops-Alexander sowie die beiden Iren Denis Lynch und Billy Twomey, der jüngst den Vierstern-GP in Liverpool für sich entschied. Das italienische Quintett führt Lorenzo de Luca, die Nummer 17 der Weltrangliste, an. Von den Top Ten des Weltrankings fehlen nur drei Namen aus Übersee. So die beiden US-Amerikaner Kent Farrington und McLain Ward sowie der Kanadier Eric Lamaze. Sie werden beim zwölfwöchigen «Winter Equestrian Festival» in Florida an den Start gehen.

Komplette Schweizer Elite

Angeführt werden die nationalen Grössen von Olympia- und Weltcupsieger Steve Guerdat und von den bereits erwähnten weiteren Mitgliedern der diesjährigen Olympiaequipe in Rio de Janeiro. Zu den Arrivierten der nationalen Delegation zählen ausserdem Pius Schwizer, Claudia Gisler, Jane Richard-Philips, Christina Liebherr, Werner Muff, Edwin Smits und Niklaus Rutschi. Gespannt wird man auch das Comeback von Altmeister Walter Gabathuler verfolgen. Äusserst begehrt waren auch die Startplätze in der internationalen Amateur-Tour. Eine Rekordzahl von Anmeldungen aus 13 Nationen sind eingetroffen. Es werden sechs Qualifikationen und der Final am Samstag ausgetragen.

Parcoursbauer Rothenberger

Für den Aufbau der Springparcours zeichnet wie im vergangenen Jahr der renommierte Deutsche Frank Rothenberger verantwortlich. Er gilt als weltweit anerkannte Persönlichkeit und Meister seines Fachs. So konstruierte er in der Vergangenheit mehrmals die Kurse an wichtigen internationalen Championaten wie Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften sowie an Weltcupfinals. Frank Rothenberger hat sich aber nicht nur einen exzellenten Namen als Gestalter von Parcours gemacht, sein Können ist auch als Designer von Hindernissen weltweit gefragt. Diese Fähigkeiten werden sich mit Sicherheit auch auf das Gesamtbild der Parcours am Longines CSI Basel auswirken. So wird beim nächsten Event das Hindernis in Form des Basler Rathauses seine Feuertaufe erleben.

Show mit Dressur

Die Organisatoren präsentieren den Besuchern nebst spannendem Spring­sport auch Einblicke in die Kunst der Dressur. Von Donnerstag bis Samstag zeigen Markus Graf, Gilles Nvgovan, Barbara von Grebel und Alexandra Zurbrügg eine Dressur-Quadrille. Alle vier Reiter kamen in verschiedenen Kategorien schon zu nationalen Meisterehren. Für einen besonderen Höhe­punkt wird am Samstag und Sonntag der Deutsche Sönke Rothenberger besorgt sein. Der Team-olympiasieger von Rio de Janeiro reitet eine Musikkür.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 1/2017)

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