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Steve Guerdat bei seinem Triumph in London 2012. Foto: Dirk Caremans
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Mission Teammedaille

04.08.2016 13:23
von  Sascha P. Dubach //

Die Zielsetzung der Schweizer Reitdelegation an den Olympischen Sommerspielen ist klar: Bei den Springreitern soll es eine Teammedaille geben. Im Einzel ist alles möglich - Titelverteidiger Steve Guerdat tritt mit seinem Goldpferd Nino des Buissonnets an. In der Dressur versucht Marcela Krinke Susmelj den Vorstoss in den Kürfinal der besten 18, die Gebrüder Vogg begeben sich auf die Spuren ihres Grossvaters Roland Perret.

Vier Jahre ist es her, seit Steve Guerdat mit Nino des Buissonnets die Ehrenrunde im Olympischen Reitstadion im Greenwich Park in London anführte. Um den Hals trug er die begehrte Goldmedaille. Darauf haben die Schweizer Spring­reiter 88 Jahre lang, nach dem Triumph von Alphonse Gemuseus 1924 mit Lucette, warten müssen. Vier Jahre später steht das Erfolgsduo erneut im Aufgebot. Guerdat ist mit seinen 34 Jahren eigentlich noch ein "Jung­spund" und doch steckt im Ausnahme­könner schon die Routine eines "Altmeisters". Und auch Nino des Buissonnets, der mittlerweile 15-jährige Selle-Français-Wal­lach (von Kannan) hat die Routine eines wahren Champions. Nur wenige Reiter verstehen es, als Paar auf den Punkt genau perfekt vorbereitet zu sein.

Guerdat und Nino – das wird die grosse Klippe für die restlichen 75 Reiter aus 27 Nationen sein, die um die Olympischen Medaillen im Springen kämpfen. Doch nicht nur Guerdat hat eine Chance auf den Titel. "Im Zentrum der Begehrlichkeiten steht natürlich eine Teammedaille",so der Schweizer Equipenchef Andy Kistler. An Guerdats Seite kämpfen Janika Sprunger mit Bonne Chance CW, Romain Duguet mit Quorida de Treho, Martin Fuchs mit Clooney III und Paul Estermann mit Castlefield Eclipse. "Paul ist zwar offiziell der Reservereiter, doch wirklich entschieden wird erst vor Ort. Zuerst müssen die Vierbeiner alle gesund und fit nach Rio kommen", meint Kistler. Im Kampf um eine Mannschaftsmedaille wird die Schweizer Equipe auf starke Nationen treffen. Allen voran Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Grossbritannien oder die USA. Meistgenannte Favoriten in der Einzel­wertung sind die drei ers­ten der aktuellen Weltrangliste, der Franzose Simon Delestre, Christian Ahlmann aus Deutschland sowie der US-Amerikaner McLain Ward.

Die Schweizer Springreiter zählten in jüngster Vergangenheit zu den stetigsten Medaillengaranten der gesamten Schweizer Olympiadelegation. Nebst dem Triumph von Guerdat 2012 gab es 2008 Teambronze, 2000 Teamsilber und 1996 Einzelsilber durch Willi Melliger mit seinem legendären Calvaro.

Der Olympische Modus beinhaltet eine erste Einzelqualifikationsprüfung – die zudem für die Startreihenfolge in der Nationenwertung dient – gefolgt von zwei Umgängen für die Teamwertung (zählt als zweite und dritte Einzelqualifikation). Der Ein­zelfinal ist für die besten 35 Athleten reserviert und fängt wieder bei Null an. Die Top 20 (maximal drei pro Nation) starten dann im alles entscheidenden zweiten Umgang.

Alles okay

Den Sprung über den "grossen Teich" bereits geschafft haben die zwei Vielseitigkeitspferde Noé des Vatys und Onfire der Gebrüder Ben und Felix Vogg sowie der Dänen-Wallach Molberg der Dressurreiterin Marcela Krinke Susmelj. Alle drei starten erstmals an Olympischen Spielen. "Wir haben bereits eine ers­te Inspektion des Dressurviereckes hinter uns, ein Testessen in einem olympischen Restaurant für gut befunden und 'last but not least' Molles Box eingerichtet", berichtet die Luzernerin in ihrem eigenen Olympia-Fotoblog auf ihrer Webseite. Gut gelaunt, so scheint es, wird die Aufgabe in Angriff genommen. 60 Reiter aus 25 Nationen starten in den initialen Grand Prix. Dieser entscheidet gemeinsam mit dem nachfolgenden Grand Prix Spécial über die Teamwertung. Die besten 18 (maximal drei pro Nation) schaffen den Aufstieg in die Kür, die über die Einzelmedaillen entscheidet. Das ist das erklärte Ziel von Krinke Susmelj. Die Tierärztin erreichte erst kürzlich am CDIO in Aachen ihre persönliche Bestleitung von 77,050 Prozentpunkten. Bewertet wurde die Prüfung von nicht weniger als fünf Richtern, die auch in Rio die Noten vergeben werden. Gelingt ihr ein erneuter Exploit, wie 2010 an den Weltreiterspielen in Lexington (USA), als sie mit Corinth in der Kür den elften Rang eroberte?

Wie Guerdat im Springen, nimmt auch die Titelverteidigerin der Dressur mit dem selben Vierbeiner den Wettkampf in Angriff. Die Britin Charlotte Dujardin und ihr 14-jähriger Holländer-Wallach Valegro haben erst kürzlich zu brasilianischen Klängen in der Kür ihre "Hauptprobe" an einem Turnier mit über 90 Prozentpunkten absolviert. Zu ihren grössten Herausforderern zählen primär die Deutschen, allen voran die Weltranglis­tenerste Kristina Bröring-Sprehe mit dem 15-jährigen Hannoveraner Desperados.

Jung, wer sonst?

In der Vielseitigkeit tritt der Titelverteidiger ebenfalls mit seinem Goldpferd von 2012 an. Der Deutsche Michael Jung muss nach dem kurzfristigen Ausfall seines neunjährigen Franzosen-Wallachs Takinou nun doch auf den bewährten, mittlerweile 16-jährigen, Baden-Württemberger-Wallach Sam setzen. An ihm werden sich alle 62 Athleten aus 24 Nationen messen müssen. So auch Ben und Felix Vogg, die im Olympic Village angekommen sind. "Wow, ich muss­te zuerst eine Nacht darüber schlafen", berichtet Felix, "es ist sehr beeindruckend hier. Das Village ist riesig. Ben, Teamcoach und Veterinär Dominik Burger und ich sind in eine Fünfzimmer-Wohnung im 17. Stock eingezogen. Das Wichtigste aber ist, dass unsere Vierbeiner wohlbehalten angekommen sind."

Die beiden Brüder begeben sich auch auf die Spuren ihres Grossvaters Roland Perret. Er nahm 1956 selbst in Stockholm (SWE) an den Olympischen Spielen teil. Sein Resultat: 31. in der Einzelwertung, Achter mit dem Team.Nach der Dressur folgt klassischerweise das Cross, das in Rio zwischen 5700 und 6279 Meter lang und mit maximal 45 Efforts ­bestückt ist. Die Team­medaillen, das ist eine Besonderheit bei den Olympischen Spielen, werden nach dem ersten Sprin-gen vergeben. Eine zwei-te Springprüfung für die Top 25 (maximal drei pro Nation) entscheidet dann über Einzeledelmetall. Das IOC vergibt grund­sätzlich keine zwei Medaillen für die gleiche Leis­­tung.

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