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Nutzen die Schweizer den Heimvorteil?

21.09.2021 13:25
von  Florian Brauchli //

Europameisterschaft CC in Avenches VD: Knapp 30 Jahre mussten die Fans der Vielseitigkeit warten, bis wieder einmal das kontinentale Championat in der Schweiz ausgetragen wird. Zum dritten Mal nach 1954 in Basel und 1983 in Frauenfeld werden die Medaillen auf Schweizer Boden verteilt. Die Deutsche Ingrid Klimke will den Hattrick, sie gewann bereits 2017 und 2019 die Goldmedaille im Einzel. Die Schweizer streben nach einem Rang im vorderen Mittelfeld.

Nachdem die EMs in den olympischen und paralympischen Pferdesportdisziplinen wegen der Verschiebung der Olympischen Spiele vorerst abgesagt worden waren, freut sich jetzt die Pferdesportwelt, dass die EM CC nun doch, und zwar im «Institut Equestre National d’Avenches» (IENA), durchgeführt wird. Michael Jung, dreifacher Olympiasieger und mehrfacher WM- und EM-Medaillengewinner, hat die Kandidatur des IENA unterstützt. Er lobte die Qualität der Infrastruktur und befand die Anlage als geeignet, um eine Veranstaltung dieser Grössenordnung durchzuführen. In der Tat ist der Ort ideal, weil er den Reitern die Möglichkeit bietet, auf schönen und weitläufigen Strecken gegeneinander anzutreten. Die spektakulärste Disziplin, das Cross, wird im Innern der Rennbahn auf Gras mit beeindruckenden festen Naturhindernissen ausgetragen. Die bes­ten europäischen Paare werden über eine Strecke von mehr als fünf Kilometern an den Start gehen. Die Zuschauer haben die Möglichkeit, diese Prüfung entweder von der Tribüne der Rennbahn aus zu verfolgen oder direkt von der Rennbahn aus, um hautnah dabei zu sein.

Bisher fünf CH-Medaillen

In der Geschichte der EM CC gewann die Schweiz bisher fünf Medaillen. 1953 eroberte Hans Schwarzenbach auf Vae Victus in Badminton (GBR) Einzelbronze. 1959 krönte er sich in Harewood (GBR) gar zum Europameister, dieses Mal mit Burn Trout. 1955 in Windsor (GBR) holten Anton Bühler, Hans Bühler, Marc Büchler und Andrea Zindel Teamsilber hinter Grossbritannien. Ebenfalls die silberne Auszeichnung erreichte das Schweizer Team mit Ernst Baumann, Hansueli Schmutz, Sepp Räber und Josef Burger 1981 in Horsens (DEN). An der gleichen Meisterschaft war Schmutz auch für das bisher letzte Schweizer Edelmetall besorgt. Im Sattel von Oran ritt er zum Europameistertitel.
Rekordeuropameister ist mit drei Titeln – wie könnte es auch anders sein – der Deutsche Michael Jung. Er triumphierte in den Jahren 2011 mit Sam, 2013 auf Halunke und 2015 mit Takinou. Mit einem erneuten Sieg könnte Ingrid Klimke diesen Rekord egalisieren. An den vergangenen beiden Championaten hatte sie jeweils auf Hale Bob die Nase ganz vorne.

Mischung aus Routine und Jugend

Die Schweiz wird an der EM in Avenches vertreten durch Beat Danner auf dem 14-jährigen Schweizerwallach London Blue (Beat Danner), Robin Godel mit dem 13-jährigen Schweizerwallach Grandeur de Lully CH (Jean-Jacques Fünfschilling), Patrick Rüegg auf der 13-jährigen Hannoveranerstute Fifty Fifty V (Angela Häberli) und Felix Vogg mit der zehnjährigen Holsteinerstute Cartania II (Felix Vogg und Phoenix Eventing S.à.r.l.). Eveline Bodenmüller und Violine de la Brasserie – Teilnehmerin an den Olympischen Spielen in Tokio – wären ebenfalls für die Heim-EM nominiert gewesen, aber die Zürcherin verzichtet auf einen Start, da sich die Stute nicht 100-prozentig fit anfühlt, so Bodenmüller. Ganz «grün» sind Danner und Rüegg, die in Avenches ihren ersten Titelkampf in Angriff nehmen. Wesentlich erfahrener sind dagegen Godel und Vogg. Der Freiburger Godel nahm mit Grandeur bereits an der EM in Luhmühlen 2019 und an den WEG in Tryon 2018 teil. Zudem war das Paar auch gemeinsam an der Junge-Reiter-EM 2017 in Millstreet dabei. Vogg war bereits an zwei Olympischen Spielen, zwei Weltreiterspielen und drei Europameisterschaften am Start, allerdings ist es für seine Holsteinerstute eine Premiere. Das Paar kann aber bereits vier Podestplätze auf Viersternniveau vorweisen. Cartania wäre eigentlich als Voggs Olympiapferd vorgesehen gewesen, aber der Reiter entschied sich dann kurz vor der Abreise doch für Colero.«Das Ziel ist, dass jeder unserer Reiter alles gibt vor dem heimischen Publikum. Unser Team besteht aus den vier Paaren, die die offiziellen Kriterien erfüllt haben und fit sind», so Equipenchef Dominik Burger.

Alle gegen Deutschland

Wenn man nach den Favoriten sucht, muss man nicht lange suchen. Die Deutschen werden, obwohl sie sich in der Teamwertung bei Olympia geschlagen geben mussten, Goldfavorit Nummer eins sein, sowohl im Einzel als auch im Team. Michael Jung und Ingrid Klimke sind sicher die heissesten Eisen im Feuer unserer nördlichen Nachbarn. Auch die Briten und Schweden stellen starke Mannschaften und werden sicher ein Wort um die Medaillen mitreden. Für eine Überraschung könnten die Belgier oder die Iren sorgen – oder wer weiss, vielleicht, wenn alles zusammenpasst, sogar die Schweizer. «Ich freue mich erst einmal sehr auf die Dressur, weil der Nationaltrainer unserer Dressurreiter, ­Oliver Oelrich, mit unseren EM-Reitern arbeitet und generell einen fantastischen Job macht. Und gross ist natürlich auch die Vorfreude auf das Gelände. Ich denke, es wird ein schweres Cross, das den Konkurrenten alles abverlangen wird», so Burger. Spannung ist ab morgen in Avenches also garantiert!

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