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Max E. Ammann
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Standpunkt

Amazonen

09.10.2018 08:37
von  Max E. Ammann //

Bei der Durchsicht historischer Pferdefotos stiess ich auf die hier ­abgebildete Aufnahme der Teilnehmerinnen an der vierten Springreiter-EM der Amazonen von 1960 in Kopenhagen. Schweizerinnen fehlen auf dem Foto. Denn nach dem ersten Schweizer Amazonen-Start 1958 in Palermo (mit den Plätzen acht und zehn im 13er-Teilnehmerfeld) wartete der Schweizer Pferdesportverband bis 1965, als er, mit Monica Bachmann, wieder eine FEI-Championatsteilnahme wagte.

Die Aufnahme mit zwölf Damen im Cocktailkleid zeigt, dass damals die Reiterinnen und Reiter nicht nur mit der Reitausrüstung, sondern auch mit Kleidern für die gesellschaftlichen Anlässe an die internationalen Turniere fuhren. Auf der Aufnahme sind, von links nach rechts: die beiden Belgierinnen Brigitte Schockaert und Françoise Vanderhaegen – die Erstere 1956 Siegerin im GP von Luzern –, dann die Italienerin Giulia Serventi, Amazo­neneuropameisterin von 1958, ihre Landsfrau Laura Zanuso, die populäre Anna Clement aus Deutschland, die andere Serventi-Schwester, Natalia, die beiden Engländerinnen Dawn Pale­thorpe, verheiratete Wofford, und Susan Cohen (die beide Erstplatzierten in Kopenhagen), dann die Dänin B. Polack, die ers­te grosse deutsche Springreiterin der Nachkriegszeit, Helga Köhler, die Dänin Dinny Lund, die später als Pferdesportjournalistin und Autorin bekannt wurde, sowie die Niederländerin Irene Jansen.

1965 erste Amazonen-WM

Die Europameisterschaft der Springreiterinnen war von der FEI 1957 eingeführt worden – gleichzeitig mit einer EM für die Herren. 1965 folgte die erste Amazonen-WM. Das Ende kam, als 1973 in Wien die letzte Amazonen-EM und 1974 in La Baule die letzte Amazonen-WM ausgeschrieben wurden. Alles in allem kam es von 1957 bis 1974 zu 13 Europameisterschaften und drei Weltmeisterschaften. Einmal, 1971, war die Schweiz Gastgeber, als die EM auf dem Breitfeld in St. Gallen stattfand.

Colette Fahrni und Beatrice Bär

Die Schweiz entsandt an die zweite EM in Palermo zwei Reiterinnen: Colette Fahrni und Beatrice Bär, später Weinberg und Aronsky. Giulia Serventi, Anna Clement und Irene Jansen (alle auf dem Foto von 1960 zu sehen) gewannen die drei Medaillen. Für die beiden Schweizerinnen gab es die Plätze acht und zehn.
Nach der grossen Pause 1959 bis 1963, wodurch die Schweiz den Fototermin in Kopenhagen verpasste, wurde 1965 Monica Weier an die erste Amazonen-WM nach Hickstead entsandt. Hinter Marion Coakes, später Mould, Kathy Kusner und Alison Westwood, später Dawes, wurde Monica Vierte.

Medaillen für Bachmann/Weier

1966, 1967, in Gijon und Fontainebleau, gewann Monica Bachmann mit Sandro, Ibrahim, Erbach und Dax je eine Silber- und Bronzemedaille. Karin Häberlin wurde Vierte in Gijon, Beryl Langer, in den USA als Beryl Sexton geboren, wurde 14. in Fontainebleau.
1968 in Rom war Monica Bachmann Fünfte, 1979 in Kopenhagen, bei der zweiten WM, Neunte. 1971 in St. Gallen vertraten Karin Häberlin und Monica Weier erneut die Schweizer Farben. Zehn Reiterinnen aus sechs Nationen waren am Start. Es siegte Ann Moore (im Jahr darauf Zweite der Olympischen Spiele) vor Alison Dawes-Westwood und der Überraschung aus Österreich, Monika Leitenberger. Die beiden Schweizerinnen wurden Sechste und Siebte, die Thurgauerin Häberlin und die St. Gallerin Weier.
Die letzte EM, 1973 in Wien, sah nur Monica Weier am Start. Mit Erbach und Vasall gewann sie Bronze hinter den Britinnen Ann Moore und Caroline Bradley. Die dritte und letzte WM, 1974 in La Baule, wurde von der Schweiz nicht beschickt. Für Monica Weier, geborene Bachmann, gab es bei fünf EM- und zwei WM-Teilnahmen eine Silber- und zwei Bronzemedaillen. Dazu je einen vierten, fünften, siebten und
neunten Platz. Noch erfolgreicher war die geborene Engländerin Pat Smythe, nach ihrem Rücktritt 1963 mit dem Schweizer Olympiareiter Samuel Koechlin verheiratet. Bei fünf EM-Teilnahmen, 1957–1963, wur­de Pat Smythe viermal Europameisterin und einmal Zweite.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 40/2018)

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