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Max E. Ammann, ehemaliger Weltcup-Direktor.
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Standpunkt

Die ersten Frauen im «Herrenclub» (1. Teil)

26.04.2016 14:12
von  Max E. Ammann //

Es war vor 20, 25 Jahren, während einer internationalen Diskussionsrunde, als über die FEI gesprochen wurde. Einer der Teilnehmer meinte: «The FEI is a men’s Club.» Fast alle Anwesenden nickten, auch wenn die Vorsitzende dieses «Männervereins» bereits eine Frau war, eine der drei Prinzessinnen, die von 1986 bis 2014 die FEI präsidierten.

Der Englischs prechen­de Verkünder dieser «Men’s Club»-Charakterisierung meinte damit wohl eine Vereinigung, zu der nur Gentlemen gehören dürfen – im Falle der FEI-Offiziere und Herrenreiter. Dies traf damals, anfangs, Mitte der 90er- Jahre, auf die FEI nicht mehr zu. Seit anfangs der 50er-Jahre durften Unteroffiziere und Soldaten international mitreiten und auch die Frauen hatten seit 1952 (Dressur), 1956 (Springen) und 1964 (Military) Zugang zu den Olympischen Spielen.

Gegen Frauen an Olympia

Aber auf die Zeit davor traf die Charakterisierung der FEI als «Men’s Club» zweifellos zu. Noch am 4. Januar 1952 stimmte das FEI-Bureau mit 13 zu fünf Stimmen gegen eine Olympiateilnahme der Frauen im Springen. Die Amerikanerin Carol Durand, die sich bei den US-Amerikanern für die Olympischen Spiele von Helsinki 1952 qualifiziert hatte, musste vom neugegründeten USET wieder ausgeladen werden. An ihrer Stelle kam der Reservereiter, der 27-jährige William Steinkraus, zu seinem ers­ten Olympiastart.

Da der internationale Turnierbetrieb bis 1952 eine ausschliessliche Angelegenheit von Gentlemen war, von Offizieren und Herrenreitern, mag es interessieren, wann Frauen ihre ersten Starts hatten, ihre ersten Medaillen gewannen und ihre ersten Siege errangen: bei Olympischen Spielen, Welt- und kontinentalen Meisterschaften, Nationenpreisen und Weltcupfinals.

Pat Smythe und Marion Coakes

Olympisch ging es für die Frauen 1956 in Stockholm los. Pat Smythe, als Dritte mit der britischen Equipe, war die erste Frau als Medaillengewinnerin. Marion Coakes, später Marion Mould, gewann 1968 als erste Frau eine Einzelmedaille. Die ersten Mannschafts-Goldmedaillen der Frau­en gewannen 1984 Leslie Burr und Melanie Smith mit der US-Equipe. Einzel-Olympiasiegerin zu werden, schaffte bisher keine Frau.

Gail Greenough und Alexandra Ledermann

Caroline Bradley war 1978 die erste Frau mit einer WM-Mannschaftsmedaille, und zwar gleich Gold. 1986 wurde die Kanadierin Gail Greenough als erste Frau Weltmeis­terin. Beizufügen ist, dass die Frauen bis 1974 ihre separate Amazonen-WM austrugen.

Bei der ersten gemischten Europameisterschaft, 1975 in München, ritt nur eine Frau mit – die Dänin Connie Holm. Debbie Johnsey gewann 1977 als ers­te Frau eine Mannschaftsmedaille – Heidi Robbiani 1985 die erste Einzelmedaille. Die erste EM-Mannschafts-Goldmedaille als Frau holte sich 1979 Caroline Bradley – erste Europa­meisterin wurde 1999 Alexandra Ledermann.

Mary Mairs und Melanie Smith

Die erste Springreiterin bei den Panamerikanischen Spielen war 1959 Carola Behrens aus Venezuela. Die ersten Medaillen, zweimal Gold, gewann Mary Mairs, die spätere Mary Chapot, 1963. Katie Monaham, später Katie Prudent, war als Zweite die bestplatzierte Frau beim ers­ten Weltcupfinal von 1979. Drei Jahre später wurde ihre Landsfrau Melanie Smith die erste Gewinnerin eines Weltcupfinals.

Bei den Nationenpreisen gibt es zwei Erste: 1950, in New York und Toronto, gehörten Carol Durand und Norma Matthews zur siegreichen US-Equi­pe – dies obwohl die FEI damals explizit den Frauen verbot, in einem Nationenpreis mitzureiten. Dies wurde erst 1952 erlaubt. Erste Mitsiegerin wurde dann in Londons White City Stadion die Britin Pat Smythe, später Pat Koechlin.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 16/2016)

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