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Max E. Ammann
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Standpunkt

In Memoriam

07.07.2020 12:37
von  Max E. Ammann //

In den beiden ersten Corona-Monaten März und April starben – ohne Corona-Bezug – sieben Pferdepersönlichkeiten. Sie alle gehörten zu den bestimmenden Faktoren der letzten 40 Jahre des 20. Jahrhunderts und sie alle waren, mehr oder weniger eng, Begleiter in meinen Weltcupjahren. Sie alle starben im hohen Alter, der jüngs­te war 72, der älteste 97 Jahre alt.

Bacon und Staub

Am 12. respektive 11. März starben Kevin Bacon und Hans Ulrich Staub: Ein australischer Springreiter und der langjährige Chefredaktor des «Schweizer Kavallerist», bevor er zum «Kavallo» mutierte. Kevin war 88 Jahre alt, Hansueli Staub 97.
Kevin Bacon bestritt 1964 die Olympischen Spiele in Tokio, 1968 in Mexiko City und 1976 in Montreal. Danach tauchte er mit seinem Chichester in Europa auf. Sein mehr als unorthodoxer Reitstil – er schwebte bei jedem Sprung über seinem Pferd, fand aber jedes Mal wieder den Sattel, machte ihn populär. Ohne eigenes Geld verdiente der einstige Farmer aus New South Wales extra Geld mit der Zahnbehandlung bei Pferden. In England fand er seine Gattin Anita. 1976 teilten sich Kevin Bacon/Chichester mit Walter Gabathuler/Harley den Sieg im Grossen Preis des damals wichtigen Hallen-CSI des «Salon du Cheval» an der Porte de Versailles in Paris. 1999 ritt er, als 67-Jähriger, nochmals beim CSI-W Genf.
Hans Ulrich Staub trat 1957 in die Redaktion des von seinem Vater geführten Schweizer Kavalleristen ein. Der «Schweizer Kavallerist» war 1910 von Edwin Fluck gegründet worden, 1922 übernahm ihn Vater Robert Staub als Verleger und Redaktor. Nach dem Tode seines Vaters 1968 wurde Hansueli Staub Chefredaktor. Bis 1988 gab er dem Schweizer Kavalleristen das Gesicht, mit 18 Heften, davon das aufwendige Weihnachtsheft. Er starb, bis zum Ende geistig voll da, aber mit körperlichen Beschwerden, 97-jährig.

Doney und Otto-Crépin

Am 1. April starb Jon Doney, der britische Parcoursbauer, 72-jährig. Der stille Jon Doney war ein Schüler von Pamela Carruthers, die in den 70er-Jahren mit ihrer massiven Bauweise in Hickstead im Gegensatz zum technisch-feinen Mickey Brinckmann in Aachen stand. Das von der FEI einberufene Parcoursbauerseminar im Mai 1978 in Warendorf entschied sich für die Richtung Brinckmann, die auch vom Amerikaner Bert de Némethy vertreten wurde. Das Resultat waren leichtere und kürzere Stangen, flachere Löffel, schwierigere Dis­tanzen und «related fences». Jon Doney passte sich an. Er wurde Parcoursbauer in Hickstead und baute die Kurse an den zweiten Weltreiterspielen von 1994 in Den Haag.
Am 19. April starb, 75-jährig, Margit Otto-Crépin. Die blonde, geborene Deutsche ritt nach ihrer Heirat mit Daniel Crépin für Frankreich. Bei drei EM hintereinander stand sie auf dem Podest, jedes Mal als Reiterin von Corlandus. 1987 siegten sie, 1989 wurden sie Zweiter hinter Nicole Uphoff mit Rembrandt und 1991 siegte ein neues Spitzenpaar, Isabell Werth auf Gigolo vor Rembrandt und Corlandus. 1989 siegten Otto-Crépin und Corlandus im Weltcupfinal. 1988 wurden sie in Seoul Olympiazweite. Mit drei anderen Pferden ritt sie bei weiteren Olympischen Spielen, als einzig Verbleibende der verblassenden französischen Dressurtradition.

Burger, Edgar und Ringrose

Josef Burger, Hufschmied und Militaryreiter, starb am 21. April. Um 1970 gehörte er zu den jungen Schweizern, die den Anschluss an die internationale Elite wieder herstellten. Sepp Burger ritt erfolgreich in den damals wichtigen CCIs von Colombier und war Reservereiter an den Olympischen Spielen von 1972. Fast zehn Jahre später stand er an der EM in Horsens in der Silberequipe und ritt, weitere zwölf Jahre später, seine letzte EM. Wir sahen uns jedes Jahr beim CSI Genf, seinem Wohnort. Zum letzten Mal vor wenigen Jahren, bereits von der Krankheit gezeichnet. Sepp Burger starb 78-jährig.
Liz Edgar, die am 25. April mit 76 Jahren starb, war lange Jahre eine der erfolgreichsten britischen Springreiterinnen. Sie war die Schwester von David Broome, die Ehefrau von Ted Edgar und die Mutter der einige Jahre an der Spitze mitreitenden Marie Edgar. Edgar war eine feine Person: feingliedrig und von feinem Charakter, dazu eine Stilistin im Sattel. Sie war das Gegenteil ihres lauten, streitsüchtigen Gatten (er starb im Dezember 2018), dessen Eskapaden und Entgleisungen noch heute empören. Liz Edgar siegte 1980 im Grossen Preis von Aachen und 1987 im Weltcupspringen von Helsinki.
Am 29. April schliesslich starb William Ringrose, einer der erfolgreichsten Springreiter der irischen Armee und langjähriger Kommandant der «Irish Army Equitation School». Er war 90 Jahre alt. Ring­rose ritt, in Uniform, zweimal an Olympischen Spielen, 1956 und 1960. Siebenmal gewann er mit Irland einen Nationenpreis, darunter zweimal den «Aga Khan Cup» in Dublin. Als Equipenchef führte er die irische Equipe, die den «Aga Khan Cup» dreimal hintereinander, 1977 bis 1979, gewann.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 27/2020)

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