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Max E. Ammann
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Standpunkt

Schweizer Dressur- und CC-Medaillen

10.12.2019 15:00
von  Max E. Ammann //

Am 22. September 2019 respektive 6. Oktober 2019 starben zwei ausländische Olympiareiter, deren Olympiamedaillen 1960 bis 1968 errungen wurden – in den Spielen von Rom, Tokio und Mexiko City –, als auch die Schweizer Military- und Dressurreiter auf dem olympischen Podest standen. Iwan Kizimow, der Dressurolympiasieger von 1968, starb am 22. September 91-jährig in St. Petersburg, Neale Lavis, der Mannschaftsolympiasieger in der Military 1960, starb am 6. Oktober 89-jährig in Australien.

Dressur

Kizimow war nach Sergej Filatow der zweite der grossen sowjetischen Dressurreiter, die bis zum Untergang der Sowjetunion bei OS, WM und EM zu regelmässigen Medaillengewinnern gehörten. Erstmals waren die Dressurreiter der Sow­jetunion bei den Olympischen Spielen von 1952 in Helsinki angetreten – eher überraschend und verhaftet mit den überholten Trainingsmethoden von James Fillis aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Bereits vier Jahre später, 1956 in Stockholm, hatten die Sow­jets aufgeholt, in der Mannschaftswertung wurden sie Vierte. Ihr Bes­ter, Sergej Filatow, wurde Elfter. Dieser Filatow holte sich dann 1958 und 1959 hinter Henri Chammartin die Silbermedaillen bei den damaligen FEI-Dressurchampionaten und 1960 wurde er mit Absent Olympiasieger.
1964 kam Iwan Kizimow in die Equipe. Mit dem erst sechsjährigen Ichor wurde er Zehnter an den Olympischen Spielen in Tokio 1964 und gewann Mannschaftsbronze. 1968 wurde er in Mexiko City mit dem gleichen, in der Ukraine gezogenen Ichor Olympiasieger. 1972 kam das Paar zu seinem dritten Olympiastart. Einzeln wurden sie Vierte, aber die Sowjetrussen besiegten sensationell die Deutschen in der Mannschaftswertung. Elena Petushkowa und Iwan Kalita gehörten mit Kizimow zur sowjetischen Siegerequipe. 1976 bestritt Kizimow mit Rebus seine vierten Olympischen Spiele. Bei WM und EM gewann Kizimow vier Einzel- und sieben Mannschaftsmedaillen, darunter ein weiteres sensationelles Gold an der WM 1970 in Aachen.
Die Schweizer, die vor dem Zweiten Weltkrieg zum breiten Dressurmittelfeld gehört hatten, rückten gleich beim ersten grossen Zusammentreffen der Nachkriegsjahre an die Spitze vor: 1948 wurden Hans Moser und Hummer Dressur-Olympiasieger. 1949 gewann Oskar Frank mit Cyrian das FEI-Dressurchampionat in Le Zoute (Belgien) und 1951, beim FEI-Dressur-Championat in Bern, wurde Gottfried Trachsel mit zwei Pferden Zweiter und Dritter. Dann kam 1952 das olympische Debüt der Berner Unteroffiziere Trachsel, Chammartin und Fischer, gleich mit der Mannschaftssilbermedaille – ein Erfolg, der damals in der Schweiz ähnlich gefeiert wurde wie ein Schweizer Sieg in einem Fussball Länderspiel. An den FEI-Dressurchampionaten 1953 bis 1962 wurde Chammartin drei Mal (1953, 1958, 1959) inoffizieller Europameister und er und Trachsel gewannen dazu vier weitere Medaillen. Als die FEI 1963 endlich eine EM ausschrieb, siegte Chammartin erneut wie auch zwei Jahre später. Dazwischen wurde der damals 46-Jährige 1964 in Tokio Olympiasieger. Vor ihm hatte Gus­tav Fischer 1960 in Rom Silber gewonnen. Dazu gab es bis 1968 jedes Mal eine Mannschaftsmedaille – nach dem Rücktritt von Gottfried Trachsel ab 1964 mit Marianne Gossweiler, 1967 mit Hansruedi Thomi.

Military


Neale Lavis war Mitglied der australischen Militaryequipe, die 1960 die Teamgoldmedaille gewann und mit Lawrence Morgan und Lavis auch die beiden ersten Plätze in der Einzelwertung belegte. Nach dem Cross Country lagen gar drei Aus­tralier vorne: Morgan vor Brian Crago und Lavis. Als Cragos Pferd an der Inspektion vor dem Springen durchfiel, holten die Australier ihren vierten Reiter, Bill Roycroft, der mit einem gebrochenen Schlüsselbein im Krankenhaus lag, dort he­raus, und der 45-Jährige sicherte mit einem Nullfehlerritt den australischen Mannschaftssieg! Neale Lavis ritt, wie seine Mannschaftskameraden, in Australien gezüchtete Pferde, geboren, so hiess es, im «Outback». 1959 waren die Australier nach Europa gekommen, nach sechswöchiger Reise auf einem Frachter. Bereits in Badminton erregten sie Aufsehen (Roycroft gewann 1960), dann kam der Triumph in Rom. Neale Lavis bestritt noch die Olympischen Spiele von 1964, dann lebte er als Rinder- und Pferdezüchter in Braidwood – eines seiner gezüchteten Pferde gewann den Melbourne Cup.
Der Erfolg der Schweizer Militaryreiter 1960 in Rom erregte fast gleiche Begeisterung. Hinter den Aus­traliern gewannen Toni Bühler, Hasi Schwarzenbach und Ruedi Günthardt Teamsilber und Toni Bühler mit Gay Spark Einzelbronze. Es war der Abschluss einer glorreichen Schweizer Militaryperiode, die 1947 begonnen hatte. 1947 führte die FEI in Turin ein FEI-Vielseitigkeits­championat durch. Die Schweizer Blaser, Musy und Bühler belegten die ersten drei Plätze. Bei den Olympischen Spielen 1948 errangen die gleichen drei Schweizer Platz vier in der Mannschaftswertung. 1951 gewann Hans Schwarzenbach die «Badminton Horse Trials», die zum ersten Mal international ausgeschrieben wurden. 1953 wurde Schwarzenbach Dritter der ersten EM in Badminton wie bereits 1951 mit Vae Victis. 1955, bei der dritten Military-EM in Windsor, gewann das Quartett Anton und Hans Bühler, Marc Büchler und Andrea Zindel die Mannschaftssilbermedaille und 1959 wurde Schwarzenbach, nun mit Burn Trout, in Hardwood Europameister. Dann kamen die beiden Olympiamedaillen von Rom 1960. Am meisten gefeiert wurde dabei Unteroffizier Ruedi Günthardt mit der Stute Atbara. Im darauffolgenden Jahr siegte das Paar noch in der internationalen Military von Genf.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 49/2019)

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