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Max E. Ammann
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Standpunkt

Viererzugfahren: Väter und Söhne

06.02.2018 10:35
von  Max E. Ammann //

Der Weltcup der Viererzugfahrer, der erneut im Dezember 2017 in Genf Station machte, konnte in den Wochen vor Jahresende zwei aussergewöhnliche Ereignisse verzeichnen. Einmal das Ende der Unbesiegbarkeit von Boyd Exell; angekündigt in Genf, dann in London Tatsache geworden. Dann das ausserordentliche Ereignis, dass Vater und Sohn in fünf aufeinanderfolgenden Weltcupprüfungen aufs Podest fuhren: Vater IJsbrand als Zweiter, Dritter und schliesslich als Sieger in Stuttgart, Budapest und London –
Sohn Bram als Dritter in Genf und Sieger in Mechelen.

Diese Siege und Podestplätze von Vater und Sohn Chardon wurden mit zwei verschiedenen Gespannen erzielt, und die Erfolge krönen sowohl eine grossartige, über 35-jährige Karriere von IJsbrand wie die noch jungen Taten von Bram. IJsbrand Chardon, der übrigens am 2. Januar seinen 57. Geburtstag feierte, stand bei elf Weltmeisterschaften auf dem Podium der Einzelwertung. Viermal, 1988, 1992, 2002 und 2008, wurde er Einzelwelt­meis­ter. Gar zehnmal holte er Gold mit der niederländischen Equipe. Sohn Bram, 1993 geboren, wurde 2011, 2013 und 2015 dreimal hintereinander Viererzugweltmeister bei den Ponyfahrern – zweimal holte er dabei auch Gold mit der niederländischen Mannschaft. Dass IJsbrand Chardon auch noch, von 1983 bis 2006, 19-mal niederländischer Meis­ter wurde (von 1988 bis w ist bei diesem Palmarès fast nur Beiwerk.

Bald drei Chardons im Weltcup?

Zu erwähnen noch, dass Vater und Sohn in der Weltcupprüfung in Budapest aufeinandertrafen: Der Vater wurde wie erwähnt Dritter – der Sohn Vierter. Ebenfalls erwähnenswert, dass Tochter Edith sich ebenfalls zur tüchtigen Viererzugfahrerin entwickelt. Diese Vater-Sohn-Erfolge der Chardon-Familie haben gewisse Parallelen zu zwei weiteren Fahrerfamilien: Freund in Deutschland und Ulrich in der Schweiz. Den drei Vätern ist gemeinsam, dass sie alle Einzelweltmeister wurden: Chardon wie erwähnt viermal, Freund und Ulrich je einmal (1994 respektive 1998). Bei Michael Freund kommt noch der später aberkannte Sieg 2004 in Kecskemet (HUN) dazu, bei Werner Ulrich der WM-Titel bei den Zweispännern 1991. Freund war auch dreimal Teamweltmeister.

Unterschiedliche Werdegänge

Unterschiedlich sind die Werdegänge der drei. IJsbrand Chardon debütierte um 1980 gleich bei den Vierspännern und ist noch heute voll dabei. Werner Ulrich wechselte erst nach WM-Erfolgen bei den Zwei­spännern zu den Viererzügen und ist wieder zu den «Pairs» zurückgekehrt. Michael Freund ist seit einigen Jahren im Ruhestand; allerdings 2013 unterbrochen, um zwischendurch Deut­scher Zweispännermeister zu werden. Deren Söhne, Marco Freund, 1996 geboren, und der ein Jahr jüngere Stefan Ulrich, hatten bereits ihre ers­ten internationalen Erfolge. 2013 wurde Marco Freund Vizeweltmeister bei den Pony-Zweispännern und 2015 war er, erst 19-jährig, Deutscher Vizemeister bei den Zweispännern. Stefan Ulrich gewann bei der Schweizer Meisterschaft der Einspänner drei Medaillen: Silber 2014, Gold 2016 und Bronze 2017.

Walter und Emil Sirrenberg

Die älteste Vater-Sohn- Erfolgsgeschichte geht einige Jahrzehnte zu­rück. 1949 debütierte in Aachen der zehnjährige Walter Sirrenberg, Sohn des früher erfolgreichen Viererzugfahrers Emil Sirrenberg. Sohn Walter gewann von 1957 bis 1966 viermal den begehrten Geheimrat-Talbot-Preis in Aachen und wurde achtmal deutsch­er Meister.

Bernd und Rainer Duen

Zu den deutschen Spitzenfahrern der 70er- und 80er-Jahre gehörte Bernd Duen, der von 1971 bis 1988 bei sieben WM-Starts dreimal in die ers­ten zehn fuhr und 1976 die WM-Teamsilbermedaille gewann. Sein Sohn Rainer, 1971 geboren, gehört darnach mehrere Jahre zur deutschen Championatsequipe.

Theo und Mark Weusthof

Bei den Niederländern ist das Vater-Sohn-Duo Weusthof zu erwähnen. Vater Theo fuhr von 1984 bis 1994 bei fünf WM mit. 1986 und 1988 ge­hörte er zur niederländischen WM-Gold-Mannschaft. 1999 starb Vater Theo Weusthof nach einem schweren Unfall. Sohn Mark, 1973 geboren, wurde Teamweltmeister 2002 und 2008.

Dobrovitz, Navrátil und Bardos

Gleichzeitig am Start waren in diesen Jahren Vater und Sohn Dobrovitz aus Ungarn, beide Jozsef getauft, und aus der Tschechischen Republik Vater und Sohn Jiri Navrátil. Vater Dobrovitz, 1968 geboren, wurde 2004 Mannschaftsweltmeister. Zusammen mit seinem Sohn gab es 2014 immerhin WM-Mannschaftsbronze. Der Landsmann von Dobrovitz, György Bardos, 1978 und 1980 Weltmeister, dazu 1982 und 1984 WM-Zweiter, hatte ebenfalls einen Sohn, der wenigs­tens einige Jahre international mitfuhr, ohne je auf die Erfolge seines Vaters zu kommen.
George Bowman, der heute 83-jährige britische Fahrcharakter, bestritt ab der WM 1974 in Frauenfeld bis zu seinem Rücktritt in diesem Jahrhundert sämtliche Weltmeisterschaften. Dreimal wurde er Zweiter, einmal Dritter. Dazu gab es 1974 und 1980 zwei Mannschafts-WM-Titel – 1980 in Windsor zusammen mit Alwyn Holder und FEI-Präsident Prinz Philip. Sein Sohn George junior fuhr Ende der 90er-Jahre international mit.

Karl und Christian Iseli

Bleibt unter den Vater-Sohn-Fahrern noch die Schweizer Familie Iseli. Vater Karl fuhr 1974 die zweite WM in Frauenfeld, wo sein Sohn Chris­tian die WM-Silbermedaille gewann. Sein anderer Sohn, Charlie, erwarb sich verlegerische Verdienste als Herausgeber der vorbildlichen Fachzeitschrift «Achenbach».

Chesson und Ruckstuhl

Zu erwähnen noch Mutter und Tochter Chesson: Sharon und Elisabeth. Die beiden Amerikanerinnen fuhren international bei Zweispännerprüfungen mit. Dann noch Jakob Ruckstuhl und Tochter Monika: der Vater ein Pionier des internationalen Fahrsports der ersten Stun­de, die früh verstorbene Tochter die erste Schweizer Fahrsportjournalistin.

Brüderpaare

Neben den Vater/Mutter- und Sohn/Tochter-Erfolgen verzeichnet der internationale Fahrsport auch einige herausragende Brüderpaare: Fred und Michael Freund in Deutschland, Jan-Erik (Nike) und Christer Påhlsson in Schweden und die ungarischen Brüder Zoltán und Vilmos Lázár. Michael Freund wurde bereits erwähnt. Sein älterer Bruder Fred fuhr, ein Jahrzehnt zuvor, zu WM-Mannschaftssilber 1976. Christer Påhlsson bestritt zwischen 1978 und 1990 siebenmal eine WM. 1988 holte er Einzelsilber, 1984, zusammen mit Bruder Nike, Mannschaftssilber. 1990 gewannen die Schweden, nach der Zurückstufung der Niederlanden, den WM-Titel, mit den Påhlsson-Brüdern und Tomas Eriksson. Nike, der drei Jahre jüngere der Brüder, der später seinen Nachnamen in Pålsson (ohne h) änderte, hatte bei einem Dutzend WM-Teilnahmen Platz fünf als bestes Einzelergebnis. Tomas Erikson, der Weltmeister von 1990 und 2000, hat einen Bruder Peter, der jahrelang der schwedischen Nationenpreis­equipe im Springen angehörte. Der drei Jahre ältere Peter Erikson ritt fünfmal bei Olympischen Spielen. Das erfolgreichs­te Brüderpaar waren zweifellos Zoltán und Vilmos Lázár. Von 1997 bis 2001 gewann einer der beiden Brüder jedes Mal den WM-Titel bei den Zwei­spännern. Zuerst einmal Zoltán, dann zweimal Vilmos. Ebenfalls dreimal hinterei­nander, 1999, 2001 und 2003, gewannen die Ungarn auch Mannschaftsgold, jedes Mal mit den Lázár Brüdern.

Familie De Ronde

Zu erwähnen ist noch die Familie De Ronde aus den Niederlanden: Vater Piet sowie die beiden Söhne Peter und Koos, von denen der Zweite zu den gegenwärtig Grossen gehört. Als Kuriosität sei noch ein Ehepaar erwähnt: Wolf und Anneli von Buchholz, international für Argentinien startend, er mit vier, sie mit zwei Pferden.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 5/2018)

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