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Maya Günthardt mit ihrem Pferd Toy Won und Ruedi Günthardt mit seinem Wallach.
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«Da begannen kurz meine Knie zu zittern»

28.03.2017 15:23
von  Chantal Kunz //

Ruedi Günthardt hat sich neben einem eigenen Unternehmen auch die Teamsilbermedaille in der Disziplin Military an den Olympischen Spielen 1960 erarbeitet. Doch damals waren die Bedingungen noch ganz anders als heute. Neben den Hindernissen war auch das Training teilweise sehr hart und Ruedi Günthardt absolvierte viele schweisstreibende Stunden auf dem Pferderücken. Zusätzlich zur Vorbereitung für die Olympischen Spiele übernahm der Zürcher schon früh den Betrieb seines Vaters und arbeitete dort täglich von früh bis spät. So konnte er aber später seinen Kindern ein gutes Leben ermöglichen. Ruedi Günthardt hat in seinem Leben vieles erlebt, vor allem im Bereich der Pferde. Von ihnen ist er auch heute noch umgeben.

Die Gegenwart

Ruedi Günthardt ist heute 81 Jahre alt und lebt mit seiner Frau Maja in Küsnacht. Es ist eine Eigentumswohnung, die geschmückt ist mit vielen Erinnerungen aus alten Zeiten. Beide haben ein Pferd und reiten noch immer mehrmals in der Woche. «Ich nehme es aber viel gemütlicher als früher, ich muss nicht mehr springen oder an Turnieren teilnehmen», sagt der Zürcher. So geht er lieber mit seiner Frau ausreiten, denn der Stall in Herrliberg bietet ein schönes Ausreitgelände. Sein Pferd Mesocco bewohnt dort eine Auslaufbox. Der zehnjährige Vollblutwallach war früher als Rennpferd aktiv, bevor er zu Günthardt kam. «Jetzt ist er aber sehr ruhig, ein richtiges Verlasspferd.» Obwohl er es etwas ruhiger nimmt, ist der 81-jährige Reiter noch immer sehr aktiv. Das Geschäft, das er mit 18 Jahren übernahm, hat er inzwischen seinen Kindern weitergegeben. Fünf Kinder hat er und unterdessen auch sieben Enkelkinder. Alle von ihnen seien geritten, würden dies jetzt aber nicht mehr regelmässig tun, da sie alle eigene Geschäfte führen. «Mir war es wichtig, dass meine Kinder eine gute Ausbildung bekommen. Ich selbst hatte dies ja nicht. Nach dem Krieg musste ich die Ärmel ‘ume­litze’ und arbeiten.» Er reitet auch heute noch und hat viele seiner Auszeichnungen, Preise und Erinnerungen an die Pferde in seiner «Engadiner Stube» platziert. Dies ist ein Raum im Kellergeschoss des Wohnblockes, der mit einer Eckbank aus Holz und einem dazu passenden Tisch ausgestattet ist. «Hier lese ich meistens in Ruhe die Zeitung.» Entspannen könne er sich aber auch in der Wohnung auf dem Magnetfeld und dem Mobilizer. Letzteres ist eine Matte mit einer Rolle, die den Körper massiert und lockert. Diese hat er in seinem Büro untergebracht. «Es hat zwar ein Loch in mein Bankkonto gerissen, aber es sind wirklich nützliche Dinge. Ich lege mich einige Zeit hin und fühle mich nachher viel besser», sagt der Olympiateilnehmer.  Fit hält er sich mit Reiten und auch Turnen zählt noch immer zu seinen Hobbys.

Ruedi Günthardt mit seinem Wallach Mesocco.


1958 nahm Ruedi Günthardt an der Kurz-Military-Prüfung auf der Hardwiese in Zürich teil. Da daraus der gute dritte Rang resultierte, wagte er sich ein Jahr später an die schwere Military-Prüfung in Basel. «Schwer, aber nicht zu schwer» hiess das Motto der Prüfung. Dies hatte seine Gründe, denn die Prüfung sollte einer kompetenten Jury die Beurteilung der Pferde im Hinblick auf internationale Aufgaben wie die Europa­meisterschaft oder die Olympischen Spiele ermöglichen. «Anscheinend merkte meine Atbara, dass es an diesem Tag um unsere gemeinsame Zukunft ging, denn wir meisterten den Parcours zu unserer grossen Zufriedenheit mit dem ausgezeichneten zweiten Rang», erzählt Günthardt mit einem Glänzen in den Augen. Somit war der gröss­te Schritt zur Teilnahme an den Europameisterschaften in Harewood und den Olympischen Spielen in Rom geschafft. «Aber meis­tens kommt es anders, wie der Volksmund sagt. Und so war es auch.» Seine Stute hatte kurz nach dem Start in Basel einen Unfall und das Paar konnte nicht nach Harewood. «In der zweimonatigen Pflegezeit von Atbara durfte ich aber die erfreuliche Erfahrung machen, was Kameradschaft bedeutet», so Günthardt. Denn Heinrich Suter, der Masseur des Fuss­ballclubs, sei praktisch jeden Abend in den Stall gekommen und habe die Holsteinerstute massiert. Auch die Kameraden aus dem Kavallerieverein hätten sie oft geführt und ihn bei den vielen therapeutischen Massnahmen unterstützt. So konnte Atbara sich gut erholen und der ehrgeizige Reiter konnte Ende des Jahres wieder mit vorsichtigem Volltraining beginnen. Das Ziel sei die Ausscheidung für die Olympiateilnahme in Rom gewesen, welche an der Voll-Military-Prüfung im März 1960 in Bure im Jura erfolgte. Da er die Qualifikation als Dritter absolvierte, bekam er als «Vorläufig-Qualifizierter» jede Woche einen Tag intensives Training in Bern. Dabei musste er immer wieder auf die Zähne beissen: «Jeden Monat kam der Kommandant Pierre Mange zum Training und liess mich das Dressurprogramm vorreiten. Es war ein sehr heisser Tag. Ich ritt ein und Mange rief mir gleich zu, ich sei schräg und solle nochmal beginnen. Das wiederholte er zehn Mal. Ich sagte mir: Aufgeben werde ich auf keinen Fall. So übte ich, bis  der Gruss perfekt war.» Im Juni 1960 konnte sich der Kavallerist dann in Aarau endgültig für die Olympischen Spiele qualifizieren. Zusammen mit Hans Schwarzenbach mit Burn Trout, Anton Bühler mit Gay Spark und Rolf P. Ruff mit Gentleman würde er die Schweizer Mannschaft bilden. 

 

Trotz einem Fehler im Springen reichte es für Mannschaftssilber.  

Den ganzen Bericht ist in der PferdeWoche Nr. 12/2017 zu finden.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 12/2017)

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