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Catherine Dufour mit ihrem Superstar – dem 15-jährigen Dänenwallach Cassidy.
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Dänemarks Shootingstar

06.03.2018 13:02
von  Alexandra Koch //

Cathrine Dufour wurde im Januar gerade einmal 26 Jahre alt und ist wohl das, was man einen echten Shootingstar nennt. Die Dänin kannten vor etwa zwei Jahren nur eingefleischte Insider des Dressursports. Mittlerweile ist die hübsche Reiterin mit dem wallenden hellbraunen Haar in der Topliga angekommen. Bei den Europameisterschaften in Göteborg holte sie einmal Silber mit der dänischen Mannschaft und zweimal Bronze in Einzel und Kür hinter den Deutschen Isabell Werth und Sönke Rothenberger. Auch für 2018 hat sie sich viel vorgenommen.

Cathrine Dufour an der Europameisterschaft 2017 in Göteborg: Die Dänin gewann auf Cassidy (oben) die Bronzemedaille im Spécial und in der Kür (rechts) hinter den beiden Deutschen Isabell Werth und Sönke Rothenberger.

Das Ziel lautet, wie bei den meis­ten anderen Reitern in diesem Jahr auch, Weltreiterspiele in Tryon (USA). Doch nicht nur die Teilnahme soll erfolgreich sein. Eine Medaille möchte die pferdebegeisterte jun­ge Frau gerne mitbringen. Sie weiss, dass Dänemark aktuell eine ganz starke Mannschaft aufgebaut hat. «Wir haben einige junge Reiter, die den Sport in unserem Land voranbringen möchten. Ausserdem gibt es in Dänemark viele Leute, die sehr gute junge Pferde kaufen können und sie dann selbst ausbilden. Das hilft unserem Land sehr. Und ich denke, dass es im vergangenen Jahr einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung gab. Nathalie zu Sayn-Wittgenstein übernahm den Posten der Bundes­trainerin und sie macht einfach einen unglaublich tollen Job. Sie ist von ganzem Herzen mit dabei und das hat viel verändert. Wir haben ein ziemlich gutes System in Dänemark für die Förderung der Jugend in der Dressur. Ich denke, das wird sich in den nächsten Jahren bezahlt machen. Meiner Meinung nach kann es Dänemark schaffen, sich in den kommenden Jahren ganz vorne zu etablieren.» Ihr grösster Traum ist eine olympische Medaille, gibt Cathrine Dufour zu. Aber eine Medaille bei den Weltreiterspielen würde schon ziemlich nah herankommen.

Traumpferd Cassidy

Sie weiss, dass sie für das Projekt des Jahres den bes­ten Partner an ihrer Seite hat, den sie sich vorstellen kann. Sein Name: Atterupgaards Cassidy, genannt Cassy, 2003 geborener Wallach von Caprimond. Ihn kennt sie in- und auswendig. Schon als Juniorin war sie mit diesem Pferd unterwegs. Seitdem brachte Cassidy seine Reiterin bis ganz nach oben. Ein seltenes Phänomen. Schliesslich gibt es kaum Juniorenpferde, die den Sprung auf das höchste Level des Sports schaffen.

Cathrine Dufour und Cassidy gewannen an der Nachwuchs-EM 2012 in Bern Einzelgold bei den Jungen Reitern vor den beiden Deutschen Charlott-Maria Schürmann und Sanneke Rothenberger.

Cathrine Dufour weiss, was sie diesem Pferd zu verdanken hat, und kommt aus dem Strahlen nicht mehr heraus, als sie von ihm berichtet: «Ich reite Cassidy nun seit mehr als sieben Jahren. Damals testete ich ihn bei Andreas Helg­strand. Ich muss sagen, dass es erstmal keine Liebe auf den ersten Blick war zwischen uns. Aber mein Trainer bestärkte mich darin, dass ich ihn kaufen sollte. Ich mochte ihn schon, aber hatte das Gefühl, dass sein Trab nicht wirklich raumgreifend war und er da hinter anderen Pferden deutlich zurückstehen würde. Aber es stellte sich heraus, dass wir nach nur 30 Tagen zusammen bei der Junioren-EM am Start waren und dort tatsächlich zwei Silbermedaillen gewinnen konnten. Seit diesem Moment haben wir eine perfekte Partnerschaft. Er ist für mich wie mein Augap­fel. Cassidy ist das süsseste aller Pferde für mich. Er ist wie ein kleines Pony, mit dem man immer kuscheln möchte. Wir haben eine unglaublich enge Verbindung zwischen uns, die sicherlich daraus erwuchs, dass wir unsere gesamte Laufbahn nach oben zusammen erlebten. Ich habe es in dieser Zeit immer genossen, mit ihm zu trainieren und ihn im Wettkampf vorzustellen. Wie sich alles entwickelt hat, ist wirklich ein wahrgewordener Traum.»
Und wenn man sich so lange kennt, weiss man auch alles über den Partner, lacht sie. So kann sie Cassys kleine Geheimnisse sofort kundtun. «Wenn ich in die Stallungen gehe, ist er der Erste, der sich wiehernd bei mir meldet. Er geht vormittags auf die Weide und liebt das ganz besonders. Im Wettkampf kann er ziemlich unsicher sein. Ich spüre häufig, dass er ein bisschen Angst hat, gerade vor grossen Bildschirmen. Er muss sich auf den Turnieren sicher fühlen, das müssen wir ihm bieten können, dann kann er auch seine Leistung abrufen. Cassidy liebt Futter, am liebsten würde er den ganzen Tag fressen», lacht die Reiterin.

Göteborg und Rio

Die absoluten Highlights ihrer Karriere waren die Europameisterschaften in Göteborg und die dort gewonnenen Medaillen sowie die Olympischen Spie­le in Rio, erklärt Dufour: «Ich bestritt nur zehn Monate früher meine erste Prüfung bei den Senioren – auf nationalem Niveau in Odense. Damals waren wir noch Vorletzte. Dann ging es wie auf einer Achterbahn voran und wir schafften es wirklich nach Rio. Am meisten bewegt hat mich dort, einfach Teil der Atmosphäre zu sein und alles in sich aufnehmen zu können. Unter all diesen herausragenden Athleten zu sein, war für mich das Grösste. Mein Vater ist den Weg zum Dressurviereck mit mir gegangen, wie er das schon seit meiner Ponyzeit tut. Das war für mich sehr bewegend.»

Das rein dänische Paar ist seit Langem ein erfolgreiches Duo.

Auch wenn ihre Eltern nun wann immer es geht bei Turnieren mit von der Partie sind, hatten sie mit Pferden überhaupt nichts zu tun, als Cathrine als kleines Mädchen ihre Liebe zu den Tieren entdeckte. «Weder meine Mutter noch mein Vater waren jemals geritten. Eine Freundin fragte mich, als ich fünf Jahre alt war, ob ich nicht Lust hätte, zur Reitschule mitzukommen. Zunächst war ich nicht wirklich begeistert und winkte ab. Aber dann liess ich mich doch überreden und kam ein, zwei Mal mit. Und dann hatte es mich gepackt. Ich war vollkommen vernarrt in die Pferde und was ich dort erlebte. In dieser Reitschule blieb ich dann nur etwa ein Jahr, dann wechselte ich auf eine grössere Anlage.»
Von da an begann eine vielversprechende Karriere als junge Amazone: «Als ich acht Jahre alt war, bekam ich mein erstes Pferd. Sunny Boy war ein Reitschulpferd dort und er begleitete mich von da an über viele Jahre hinweg. Das war der Anfang. Ich hatte in meiner Reitschule einen tollen Lehrer und es entwickelte sich einfach alles weiter. Ich bekam später ein anderes Pony, Charlie, auf dem ich bei den Dänischen Meisterschaften 2004 erstmals am Start war. Nach ihm kam ein weiteres Pony zu uns, mit dem ich dann drei Mal nacheinander Dänische Meisterin wurde. Und dann ging es immer weiter bergauf. Von 2009 bis 2013 gewann ich stets eine Medaille, bis auf 2009 war auch immer Edelmetall im Einzel dabei.»

Als Vorbild während ihrer Karriere nennt Cathrine Dufour Charlotte Dujardin und ihren Valegro sowie besonders Isabell Werth. Es erfüllte sie mit grossem Stolz, als diese ihr Reiten beim CHIO Aachen im vergangenen Jahr ausgiebig lobte und betonte, dass sie eine grosse Zukunft vor sich hätte. «Dabei war das mit der Dressur nur Zufall», lacht Dufour. «Ich flog zweimal nacheinander beim Springen runter. Das war wohl der Zeitpunkt, zu dem ich mir selbst sagte: 'Ok, das ist jetzt nicht unbedingt mein Sport.' Ich wollte daraufhin etwas machen, bei dem ich mich sicherer fühlte. Also Dressurreiten. Aber ganz schnell fand ich heraus, dass Dressur etwas ganz Besonderes ist. Es ist wie ein Kunstwerk, vielleicht vergleichbar mit Ballett. Man kreiert ein Kunstwerk mit dem Tier zusammen. Ich hatte immer das Gefühl, dass wir bei der Dressur miteinander verschmelzen würden. Wir werden zu einer Einheit.»

Eigener Turnierstall

Schon während ihrer Schulzeit fällte Cathrine Dufour die Entscheidung, einen eigenen Turnierstall aufbauen zu wollen: Dufour Dressage in der dänischen Domstadt Roskilde westlich von Kopenhagen. «Ich wollte wissen, ob ich davon leben könnte. Also probierte ich für ein oder zwei Jahre aus, ob ich genug Geld mit den Pferden verdienen konnte. Ich hatte schon damals einige Schüler, Ponyreiter und Junioren, die ich regelmässig trainierte. Zudem nahm ich Pferde in Beritt und das entwickelte sich schnell ziemlich gut. Schnell bemerkte ich, dass ich hier sogar etwas noch Grösseres aufbauen konnte. Einige meiner Schüler nahmen an den Ponyeuropameisterschaften teil und plötzlich hatte ich einen sehr guten Namen.»
Pferde bestimmen seitdem jeden Tag von Cathrine Dufour. Nur ganz früh morgens gönnt sie sich zunächst etwas Workout im Fitness­center. «Um diese Zeit ist es noch so wunderbar ruhig», erklärt sie. Während dieser Zeit dürfen die Pferde sich auf der Weide austoben, bevor sie der Reihe nach trainiert werden. Als Letztes reitet Cathrine stets ihren Liebling Cassidy, denn «ich kenne ihn in- und auswendig und er bekommt auch immer besonders viele Streicheleinheiten nach dem Training, für die dann Zeit sein muss». Zeit, die sie nicht im Sattel sitzt, verbringt sie am liebsten gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin oder mit ihren Eltern. Dieses starke Umfeld und die Unterstützung haben Cathrine auf ihrem Weg immer wieder bestärkt, betont sie. Bleibt noch Zeit, trifft sie sich gern mit Freunden, fährt nach Kopenhagen oder verbringt Zeit in Ros­kilde. «Am wichtigsten ist mir, dass ich einfach relaxen kann, wenn ich mal nicht im Sattel sitze. Ich gehe gern ins Kino oder auch mal lecker essen. Grosse Partys oder Reisen stehen nicht auf dem Plan, denn meis­tens will ich einfach ruhig zu Hause sein. Ich reise ohnehin so viel zu Turnieren. In diesem Jahr bin ich mit meiner Partnerin für eine Woche richtig verreist. Aber das war das erste Mal in den vergangenen vier Jahren ...» Allerdings hat es beiden so gut gefallen, dass sie es unbedingt wiederholen möchten. Vielleicht gelingt es ja auch im Rahmen der Weltreiterspiele, überlegen sie. Denn, wenn man schon einmal in den USA ist, warum sollte man nicht noch ein paar Tage anhängen.
Doch das ist Zukunftsmusik und Cathrine bleibt gern bodenständig im Hier und Jetzt. Denn bis zum Herbst kann noch viel passieren, gibt sie zu bedenken. Allerdings hoffe sie, dass sie alle gesund bleiben und sie dann gemeinsam mit Cassidy, ihrer Lebensgefährtin und ihren Eltern die Reise über den grossen Teich antreten.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 9/2018)

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