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Pferde-Hof Sonne-Schyn.
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Harmonie als Ziel

28.02.2017 14:32
von  Karin Rohrer //

Auf dem Pferde-Hof Sonne-Schyn in Wolfwil werden keine Olympiareiter gemacht. Hier zählt nicht das Höher, Schneller oder Weiter sondern vor allem das Miteinander. Doris Kägi lehrt Kindern und Jugendlichen den respektvollen Umgang mit dem Tier und bietet nicht einfach nur Reitstunden, sondern Familienanschluss und eine Schule fürs Leben.


Dieser Pferde-Hof ist auch ein wenig eine Art «Auffangbecken» für Kinder, die andernorts untergehen würden. Hier können sie sein, wie sie sind, ohne Druck oder Vorbehalt. Menschen mit Beeinträchtigungen fühlen sich geborgen, können die Ponys und Pferde in Ruhe streicheln, putzen oder etwas mit ihnen unternehmen. Für eine kranke Frau ist es die schönste Therapie, wenn sie ihren vierbeinigen Liebling einfach nur besuchen darf, an guten Tagen vielleicht einen Spaziergang unternimmt. «Auf unserem Hof wird niemand belächelt. Jeder hat seine eigenen Stärken und Schwächen und auch die Pferde werden als Persönlichkeiten genommen, die mal einen schlechten Tag haben dürfen», erklärt die 58-jährige Kägi.

Wertvolles Muki-Reiten

Neben Reitlagern, Unterricht am Boden, im Handling und im Reiten ist das Muki-Reiten ein bewährtes Standbein vom Pferde-Hof: «Die Mutter ist involviert, bildet den Draht zwischen Kind und Pony. Auch beim Putzen hilft sie mit und für die Kleinsten ist das natürlich ein spezielles Erlebnis.» Nicht selten bleiben diese Kinder den Ponys treu und besuchen ab Kindergartenalter dann die Gruppen-reitstunden. Privatlektionen sind nicht so das Ding von Doris Kägi: «Das Soziale ist mir sehr wichtig und gerade in den Gruppenstunden werden das Rücksichtnehmen und einander helfen stark thematisiert.» So treffen sich die Kinder nach dem Mittag auf dem Hof, schauen zuerst, was im Stall gemacht werden kann.

Nebst ganzen Stallnachmittagen und Lagern werden auch Muki-Reiten, Gruppenstunden und Ferienpass-Aktivitäten angeboten.

Die Grossen nehmen die Kleinen an der Hand, zeigen ihnen, wie es geht und können dabei umsetzen, was sie selber gelernt haben, steigern ihr Selbstwertgefühl. Selbstverständlich ist Kägi im Hintergrund dabei und hält ein wachsames Auge auf den Umgang mit den Tieren. Die älteren Kinder sind gut und gerne bis zu fünf Stunden da und während den Schulferien dürfen sie auch mal einen ganzen Tag im Stall verbringen. Ein Reiterstübli ist geplant, aber noch nicht fertig erstellt und so dürfen die Reitschüler bei Kägis ein und aus, treffen sich in der Küche und geniessen damit auch den Familienanschluss.

Lachen auf dem Pferd

Für Kägi ist es wichtig, dass die Kinder ohne Druck das Reiten für sich entdecken. «Zuerst sollen sie einfach nur auf dem Pony sitzen, es spüren, sich darauf bewegen, lachen und vielleicht sogar singen. Nach dem spielerischen Kennenlernen geht es an die Balance auf dem Pferd, ohne sich am Zügel zu halten. Die eigene Gradheit im Sitz fühlen und mit den Pferdebewegungen mitgehen», beschreibt sie ihre Vorgehensweise.

Die Ponys und Pferde haben grosse, permanente Ausläufe zur Verfügung und dürfen wenn möglich täglich auf die Weide.

Zweimal die Woche geht es für die erfahrenen Kinder ins Gelände, immer in kleinen Gruppen und die Kinder wechseln sich beim gegenseitigen Führen ab. Vom Pony über Freiberger bis zum Angloaraber reicht die Rassenpalette der Schulpferde und auch der einzige Pensionär, ein Haflinger, darf für Reitstunden eingesetzt werden. Der Unterricht findet auf dem Reitplatz aus Quarzsand und Textilschnipsel statt.

Wissen mit auf den Weg geben

«Wir möchten den Jugendlichen einen gesunden Ehrgeiz mitgeben und starten hin und wieder an Gym­khanas oder in Bodenar­beitsprüfungen. Dies fördert den Zusammenhalt untereinander», sagt Kägi, welche die Kinder auch gerne auf einen Brevetkurs vorbereitet, den sie aber dann auswärts absolvieren.

Der Sandplatz liegt gleich neben Stall und Wohnhaus.

Auf der einen Seite im Grünen und auf der anderen Seite mitten im Dorf ist der Hof ideal gelegen.

Nicht selten kehren die frisch Brevetierten aber wieder zurück und besuchen weiterhin Reitstunden auf dem Pferde-Hof Sonne-Schyn. «Ich möchte, dass die Kinder sich für alles rund um das Pferd inte­ressieren und Unklares hinterfragen. Sie sollen sich mit offenen Augen und viel Hintergrundwissen durch die Pferdeszene bewegen und nach verschiedenen Lösungsansätzen suchen», meint Kägi, der bewusst ist, dass sie manchmal den längeren Weg wählt, «denn das lohnt sich am Ende für Mensch und Pferd.» Sie hält nichts von einer Schnellbleiche und durch ihren Angloaraber Monty lernte sie, dass es nicht nur die eine, richtige Methode gibt.

Mit Monty begann alles

Den Schimmelwallach bekam die gelernte Herrencoiffeuse 1999 von ihrem Ehemann Bernhard geschenkt. Mit diesem Lehr- und Herzenspferd wechselte Doris Kägi von der klassischen Reiterei zum Westernreiten, liess sich durch die Familie Aguilar von Bodenarbeit und Horsemanship begeistern und landete via Bea Borelle und Sylvia Stössel bei der «Ecole de Légèreté». «Ich reite heute ganz einfach ‘kägisch‘, da ich mich nicht auf eine Reitweise festlegen will», lacht Kägi, Mutter von drei erwachsenen Söhnen und fünffache Gross­mutter. Bernhard Kägi ist auch ein grosser Pferde­narr, besitzt Fahr- und Reitbrevet und bildet sich reiterlich stetig weiter.

Doris Kägi und Angloaraber Monty verbindet eine langjährige Freundschaft.

Der 67-jährige Maschinenschlosser arbeitet gerne mit Jungpferden und ist im Sattel wie auf dem Kutschbock anzutreffen. Seit 2006 betreiben die beiden den Hof im solothurnischen Wolfwil. Ohne Angestellte, aber mit 100-prozentiger Familienunterstützung. So stehen die drei Söhne voll und ganz hinter dem Pferde-Hof-Projekt und obwohl sie weder reiten noch in Wolfwil wohnen, stehen sie tatkräftig zur Seite und hüten den Stall, wenn Doris und Bernhard ausnahmsweise mal nicht da sind.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 8/2017)

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