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Schweizermeisterin Non Pro: Marisa Speidel auf Gumps All Mighty BB.
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Speidels beinahe «Gold-Schwestern»

08.08.2017 14:09
von  Béatrice Lehner //

Eingebettet in die «CS Swiss Summer Show» fand am 6. August auf der wunderschönen Anlage der CS Ranch im waadtländischen Givrins die Schweizer Meisterschaft in Reining statt. Marisa Speidel im Non Pro und Nadia Lattmann im Open heissen die strahlenden Siegerinnen. Die Kategorie Youth konnte wegen ungenügender Nennungen leider nicht ausgetragen werden.

Speidel zum Ersten…

«Yeah, come on», unterstützt das Publikum lauthals das Paar in der Bahn, und nach dem letzten Sliding Stop fällt Marisa Speidel ihrer eleganten Quarterhorsestute Gumps All Mighty BB um den Hals. Sie ist zufrieden mit deren Leistung und die Richter sehen das auch so: Mit einem Score von 215.5 und einem halben Punkt Vorsprung holt sie sich den Schweizermeistertitel in der Kategorie Non Pro. «Ich wollte eine Medaille», so Speidel. «Toll, dass es die goldene geworden ist.» Ihre erst fünfjährige Stute habe sich in der Qualifikationsprüfung am Freitag, zu der 24 Paare angetreten waren, irgendwie müde angefühlt. Im Final dagegen sei sie richtig aufgeblüht. Gekauft habe sie die coole Stute übrigens hier in Givrins. Aus derselben Zucht stehen insgesamt vier Pferde zu Hause. Marisa stammt aus einer Rösselerfamilie, ist mit Quarterhorses aufgewachsen und vor zwei Jahren mit dem Pferd ihrer älteren Schwester schon einmal an der SM erfolgreich gewesen. Im Ehrenrang klassierte sich Stefanie Schaufel, die für ihren Ritt mit dem sechsjährigen Hengst San Snap Spook einen halben Punkt weniger erhielt. Den dritten Rang teilten sich Nathalie Salie mit Puro Jac und der Sieger des Vorlaufs Joseph Pfaff junior auf dem erst vierjährigen Wallach Wallas Cashin Out.

Schweizermeisterin der Kategorie Open: Nadia Lattmann auf JP Surely Red Dry.

…und fast zum Zweiten

In der Kategorie Open, in der sich die Profireiter messen, war keine Ausscheidungsprüfung nötig. Alle 13 gemeldeten Paare starteten zum SM-Final. Auch in dieser Kategorie teilten sich zwei Reiterpaare den Bronzeplatz: Annika Riggenbach auf Nu Jersey und Sabine Schmid mit Chicks Smokingun erzielten beide ein Score von 213. Im Sattel ihres Wallachs Chexylution erhielt Adrienne Speidel 2.5 Punkte mehr für ihre Leis­tung und holte damit die Silbermedaille. Die Chance als Schweizermeis­ter-Schwesterpaar vom Platz zu gehen verpasste sie knapp. Die beste Vorführung des Pattern 9 gelang der Winterthurerin Nadia Lattmann mit JP Surely Red Dry. Sie gewann mit einem Score von 217.5. Lattmann, die eigentlich nicht mit Pferden ihr Geld verdient, muss in der Kategorie Open starten, weil sie Kaderreiterin ist. Sie sei ganz klar mit Titelambitionen nach Givrins gereist, «so quasi als Entschädigung für die wegen terminlichen Umständen verpass­te Qualifikation für die Europa­meisterschaft, das eigentliche Saisonziel». Entsprechend gross war ihre Freu­de, ihr Ziel erreicht zu haben. Mit ihrem neunjährigen Wallach JP Surely Red Dry ist sie seit vier Jahren zusammen am Start und ein gut eingespieltes Team. Ein Nachwuchspferd wird aktuell in den USA ausgebildet.

JP Surely Red Dry unter Nadia Lattmann. 

Reining für Greenhorns

Reining wird als Königsdisziplin des Westernreitens bezeichnet und ist seit 2002 eine offizielle Disziplin des Weltreiterverbandes FEI. Die Ursprünge des Reinings (das englische «rein» bedeutet Zügel) liegen in der amerikanischen Arbeitsreitweise. Die dabei notwendigen Manöver wurden in Anlehnung an die klassische Dressur zu eigenständigen Lektionen wei­terentwick­elt. Die Programme (genannt «Pattern») einer Reiningprüfung werden im Galopp geritten und enthalten spek­takuläre «sliding stops», «spins» (drehen auf der Stelle), «roll­backs» (nach dem Sliding Stop auf der Hinterhand um 180 Grad wenden und zurückgaloppieren), «rein back» (in gerader Linie mindestens drei Meter rückwärtsrichten) und grosse rasante sowie kleine langsam galoppierte Volten samt fliegenden Galoppwechseln. Gefragt ist dabei die exakte Kontrolle des Pferdes am losen, in der Regel einhändig geführten Zügel durch minimale, unsichtbare Hilfengebung. Zwischen den einzelnen Elementen wird oft ein Verharren verlangt, das heisst, das Pferd bleibt unbeweglich stehen und wartet gelassen auf das nächste Kommando. Die Disziplin stellt besondere Anforderungen nicht nur an Reiter und Pferd, sondern auch an die Grösse der Arena und die Qualität des Bodens. Die spezielle Sandmischung wird nach jeweils fünf Ritten planiert und dosiert befeuchtet, um allen Teilnehmern optimale Bedingungen zu gewährleisten. Ganz im Gegensatz zur Kirchen­ruhe bei Dressurprüfungen nimmt das Publikum im Reining lauthals am Geschehen teil. Da wird angefeuert, anerkennend gepfiffen für ein schönes Aufnehmen im Galopp oder mit «Yeah» ein schöner Stop quittiert. Auch Angehörige und Trainer schreien lauthals Kommentare («Macht nichts, gut, weiter so») oder Anweisungen («hands up») an die Teilnehmer. Ab heute steht das Tor der CS Ranch in Givrins noch­mals offen: Es finden die EM der Elite sowie die WM der Jungen Reiter und Ju­nioren statt.

Silber in der Kategorie Open: Adrienne Speidel auf Chexylution.

 

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 31/2017)

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