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Die Schwimmnudelgasse wirkt zu zweit weniger gefährlich.
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Was der Hund kann, kann das Pferd schon lange

21.03.2017 13:03
von  Chantal Kunz //

Hunde, die durch Röhren kriechen und über Hindernisse springen, sind bekannt. Doch es gibt auch Agility für Pferde. Der Sport fördert neben dem Vertrauen zwischen Mensch und Tier auch die Aufmerksamkeit und die Fitness beider Parteien. Auch der Spass bleibt sicher nicht auf der Strecke.

Pferde gehen durch einen Gang, der auf beiden Seiten von Schwimmnudeln gespickt ist, springen durch einen grossen Ring und traben munter durch einen Slalom. Dies natürlich in Begleitung eines Menschen. Dieser führt das Pferd am langen Seil oder lässt es frei neben sich hergehen. So sieht die Pferde­sportart Horse Agility aus. Dabei geht es hauptsächlich um das Zusammenspiel zwischen Mensch und Pferd. Der Sport ist ein Mix aus Bodenarbeit, Freiheitsdressur, Natural Horsemanship, Gelassenheits­training, Inhand-Trail und Springen. Es ist für Pferde jeden Alters, jeder Rasse und jeder Grösse geeignet. Es hält zudem nicht nur die Pferde, sondern auch die Menschen fit. Denn bei Horse Agility rennt man mit dem Pferd mit und führt es so durch den Parcours. «Im Gegensatz zu anderen Sportarten bietet Horse Agility allen Pferd-Mensch-Paaren die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu üben und zu erleben. So können auch Minishettys oder alte Pferde noch eingesetzt und gefördert werden.»Der Sport fördert die Aufmerksamkeit, die Beweglichkeit und das Mitdenken. 

Am Anfang wird das Pferd durch den Tunnel geführt.

Swiss Horse Agility

Seit August 2015 existiert der Verein «Swiss Horse Agility». Gegründet hat ihn Christina Brückner. «Angefangen habe ich durch einen Freiberger, der Bodenarbeit extrem langweilig fand und mich immer wieder zu neuen Ideen herausgefordert hat. In Deutschland habe ich die Entwicklung von Agility und Naturtrail ‘on tour’ verfolgt und mir gedacht, dass ich dies doch auch in der Schweiz machen könnte», so Brückner. Zum Ziel hatte der Verein, Horse Agility in der Schweiz zu fördern, Wettbewerbe zu entwickeln, zu überwachen und zu unterstützen sowie Reglemente dazu herauszugeben. Der heutigen Nachfrage entsprechend habe sich der Verein jedoch entschlossen, das Agility momentan auf Plauschniveau zu belassen und noch keine Wettbewerbe auszuschreiben, sagt Brückner. «Die Freude am gemeinsamen Training mit dem Pferd soll im Vordergrund stehen.» Turniere werden im Moment von der IG Horse Agility Schweiz organisiert, hauptsächlich im Raum Bern. 

Kurse und Plauschtage

Seit diesem Jahr wird Brückner von neun weiteren Trainerinnen in der Deutschschweiz unterstützt. Sie bieten sowohl Plauschtage als auch Schnupperkurse an. Voraussetzung ist, dass das Pferd gut am Seil mitgeht. Um alle Hindernisse, wie zum Beispiel den Ring­sprung, zu absolvieren, sollte das Pferd auch ohne Strick lenkbar sein. «Damit Wendungen und Stopps jederzeit möglich sind, muss das Pferd mit dem Kopf auf Schulterhöhe des Menschen gehen», erklärt die Vereinspräsidentin. Es sollte aufmerksam und auf den Menschen fokussiert sein, dann könne es frei über die Hindernisse geschickt werden. «Um einen Parcours schnell und flüssig zu absolvieren, sollte das Pferd auf der linken wie auch auf der rechten Seite geführt werden können.» Solche Dinge können auch gut in den Alltag integriert werden.

Pferde können die verschiedenen Hindernisse frei...

... oder geführt bewältigen. 

Die Hindernisse

Bei den Hindernissen sind der Fantasie fast keine Grenzen gesetzt. Üblich ist eine Slalomstrecke, ein Flattervorhang, eine Gasse zwischen farbigen Röhren, Sprünge, eine Brücke und eine Wippe. Die Gasse kann gut mit Röhren, die man im Hundeagility verwendet, gebaut werden. Werden diese Röhren verschoben, stellen sie einen Sprung dar. Ausserdem kann man sie auch für eine «gefährliche Ecke» nutz­en. Dazu legt man eine Blache, Windräder, Bänder und Röhren in eine Ecke und lässt das Pferd dort durchgehen. Für Sprünge können auch Besen (ohne Stiel) in eine Vorrichtung gesteckt werden. Gesäumt von farbigen Plastikfiguren ist die Herausforderung noch grösser. Interessant ist auch die Schwimmnudelgasse. Dabei werden Schwimm­nudeln in ein Gestell gesteckt und das Pferd läuft hindurch. Anfangs kann auch nur eine Seite mit Schwimmnudeln versehen werden, um die Vierbeiner daran zu gewöhnen, dass sie etwas an den Beinen berührt oder man lässt zwei Pferde nacheinander hindurchgehen. Der Reifensprung ist ebenfalls ein bekanntes Hindernis aus dem Horse Agility. Wichtig dabei ist, dass die Konstruktion sofort nachlässt, wenn das Pferd sie berührt. Ansonsten kann es sehr gefährlich werden. Als Pendant zu den Röhren, durch die Hunde kriechen, können zwei Festzelte dienen. Dicht aneinandergestellt bilden sie eine «Röhre», welche die Pferde passieren können. Die Wippe kann vielseitig genutzt werden. «Auf dem Steg hin und her zu wippen ist das beste Bauchtraining für Pferde», sagt Christina Brückner. 

Horse Agility ist für Klein und Gross geeignet.

Herkunft von Horse Agility

Die Sportart Horse Agility kommt ursprünglich aus dem Springsport. Doch zuerst war das Hundeagility. Der Sport mit dem Hund ist mittlerweile weltweit etabliert und wird von vielen Vereinen angeboten. Das Kernstück des Sports ist das fehlerfreie Bewältigen eines Hindernisparcours. Entstanden ist Agility aus einem Pausenfüller. 1977 wurde der Brite Peter Mean­well angefragt, ob er einen Pausenfüller bei der «Crufts Dog Show» organisieren könnte. Er liess sich vom Springsport inspirieren und entwickelte ein Springturnier für Hunde. Auch die Sprünge im Agility-Parcours ähneln denen des Springsports. Dazu wurden weitere Elemente genommen wie ein Slalom, Wippen, Tunnels und Brücken. Bei der Aufführung war die Begeisterung der Zuschauer so gross, dass beschlossen wurde, die Präsentation im Jahr darauf erneut aufzuführen. In den 1980er Jahren kam Agility nach Deutschland. Die ers­te Europameisterschaft fand 1992 in Frankreich statt. 1996 wurde durch die Teilnahme der USA und Südafrika aus der Europa­meisterschaft eine Welt­meis­terschaft.

Im Parcours wird das Vertrauen zwischen Mensch und Tier gestärkt.

 

 

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 11/2017)

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