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Max E. Ammmann
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Standpunkt

Die Anfänge der Dressur

06.10.2015 09:42
von  Max E. Ammann //

Die Anfänge der Dressurreiterei, wie wir sie heute kennen, gehen zurück auf das erste Preisreiten der neugegründeten «Gesellschaft zur Prämierung gut dressierter Campagne-Pferde», am 25. April 1873 im damals zur Donau-Monarchie gehörenden Pressburg (heute Bratislava in der Slowakei).

Die Anfänge des Dressurreitens gehen allerdings einige Jahrhunderte weiter zurück – zu der Reiterei an den adeligen Höfen, vor allem in Italien, Österreich und Frankreich. Zu jener Zeit, zwischen 1560 und 1660, erschienen (lange nach Xenophon) auch die ersten Reitlehren von Federico Grisone, Antoine Pluvinel und William Cavendish. Einzeldressuren gab es zu jener Zeit wohl kaum – populär waren die Caroussels oder Horse-Ballets, heute würde man diese Gruppendressuren Quadrillen nennen. Es ist interessant, dass auch in Pressburg ein Caroussel den Anstoss für die ersten Einzel-Dressurprüfungen gab. Graf Dener-Szechen­yi, der der wohlhabenden Pressburger Gesellschaft Reitunterricht gab, beschloss, zu Wohltätigkeitszwecken, ein Caroussel seiner Schüler zu arrangieren. Es wurde begeis­tert aufgenommen. Als Folge davon gründete man im Oktober 1872 die oben erwähnte Gesellschaft, die bereits sechs Monate später das erste Preisreiten organisierte. Erster Präsident der Gesellschaft, die später als Campagne-Reitergesellschaft jahrzehntelang eine führende Rolle in Österreichs Pferdesport spielte, war ein Prinz von Württemberg – die Mitglieder waren Grafen und Gräfinnen, Fürsten und Fürs­tinnen, Freiherren, Barone, Oberste, Rittmeister und Majore. Nach der ers­ten Austragung des Preisreitens 1873 in Press­burg wechselte man bereits das Jahr darauf nach Wien. Zuerst, 1874, in die Krieau, dann ab 1881 auf einen neuen Platz des Trabrennvereins im Prater.

Yverdon 1900

In Frankreich fanden die ersten Einzel-Dressurprüfungen, organisiert durch die 1895 gegründete «Société Equestre de l’Etrier», erst 1896 statt, auch in Deutschland gab es erst wenige Jahre vor der Jahrhundertwende erste Dressurprüfungen. In der Schweiz weiss man von einem Dressurwettbewerb 1900 in Yverdon. Diese frühen Dressuraktivitäten in der Donau-Monarchie zahlten sich 1902 beim ers­ten grossen internationalen Turnier von Turin aus. Angeführt von Rittmeister Mario Franz, der kurz zuvor das Preisreiten der Campagne-Reitergesellschaft in Wien gewonnen hatte, belegten die österreichischen Reiter die ersten vier Plätze. Erst dann, als Fünfter, ein Franzose und als Sechster ein Deutscher. Für das erste Preisreiten von 1873 in Pressburg setzte man ein stolzes Preisgeld von 2900 Gulden und 48 Golddukaten aus. Teilnahmeberechtigt war «jedes Mitglied aus dem Zivil- und Militärstand der kaiserlich und königlich ös­terreichisch-ungarischen Monarchie». Bei der zweiten Austragung, 1875 in Wien, erhielt der Sieger als Ehrenpreis eine «als Truppenpferd geeignete Remonte, gestiftet von Seiner Majestät dem Kaiser Franz Josef I.».
Bei diesen ersten Einzel-Dressurprüfungen wurden «Übungen aus dem Gebiet der Campagne-Reiterei verlangt, ausgeführt in einem Viereck, auf ebenem Boden, verbunden mit dem Überwinden einiger Hindernisse».
«Jeder Reiter hat sein Pferd in allen drei Gangarten in abgekürztem und verstärktem Tempo auf geraden und Kreislinien zu reiten. Das Pferd soll aus jeder Gangart mit Sicherheit in eine andere übergehen.»
«Der Reiter muss das Pferd je einmal aus jeder Gangart parieren und eine Weile ruhig stehen. Das Zurücktreten des Pferdes muss zweimal gezeigt werden, und zwar willig, ohne Stocken und gleichmässig, acht bis zehn Schritte.»
«In den Seitengängen werden Schulterherein und Kruppeherein sowie Travers verlangt.»
«Das Passagieren, wie alle Circus-Kunststücke, wird nicht berücksichtigt.»
«Der Reiter soll bestrebt sein, einen anständigen ruhigen Sitz und eine damit im Einklang stehende Stellung der Hand zu zeigen.»
«Die zu überwindenden Hindernisse sind eine feste Barriere bis 95 Zentimeter hoch, ein trockener Graben bis 1.90 Meter breit sowie ein Doppelhindernis, die Barriere bis 81 Zentimeter hoch, der Graben bis 1.26 Meter breit.»

Von der Pferde- zur Reiterprämierung

Bereits in den ersten Jahren kam es zu Disputen über Reglemente und Organisation. Ein Antrag, die Richter je zur Hälfte aus dem Militärstand und dem Zivilstand zu bestimmen, wurde abgelehnt. Ebenso abgelehnt wurde der Antrag, Reiten auf Kommando einzuführen. Die Begründung für die Ablehnung war, dass Bewerber aus dem Zivilstand mit den militärischen Kommandos nicht vertraut seien. Ebenso abgelehnt wurde der Antrag «Stellvertretung» beim Vorreiten zu verbieten. Ein Pferd durfte weiterhin nicht nur von einem Bewerber, der es selbst dressiert hat, vorgeritten werden, sondern auch von jemand anderem. Bereits ab 1876 gab es Reisekostenvergütungen – bis maximal 100 Gulden pro Reiter. 1878 wurde beschlossen, nicht mehr das Pferd, sondern den Reiter zu prämieren. In der Folge wurde der Name der Gesellschaft geändert in «Gesellschaft zur Prämierung guter Campagne-Reiter». Andererseits wurde ein Antrag, als Reitlehrer angestellte Herren von der Konkurrenz auszuschliessen, knapp abgelehnt. 1879 «geruhte Seine Ma­jestät, der Allergnädigs­te Kaiser, für die gemeinsame Nutzung des neuen Platzes durch Trabrennverein und Campagne-Reitergesellschaft, einen Betrag von 6000 Gulden allergnädigst zu spenden».
1883 wird in der Schrift zum zehnjährigen Jubi­lä­um geschrieben: «Der Schwerpunkt der öffentlichen Meinung über die Prüfung liegt in Armeekreisen. Das grosse Publikum interessiert sich wenig um dasselbe. Der Zweck erscheint zu wenig gemeinnützig. Auch gibt es nichts zu wetten und wenig Interessantes zu sehen. Jede Konkurrenz produziert dasselbe; ob tadellos oder minder bleibt sich gleich.»

(Erschienen in der PferdeWoche Nr 39/2015)

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