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Max E. Ammann
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Standpunkt

Wiedersehen in Mannheim

13.06.2017 11:24
von  Max E. Ammann //

Dreimal wurde in den letzten 20 Jahren in Mannheim um FEI-Championatsehren geritten – genauer gesagt zweimal geritten und einmal voltigiert. 1997 und 2007 fanden auf dem Mannheimer Maimarktgelände die EM der Springreiter statt – 2000 in der grossen Maimarkthalle die Weltmeisterschaft im Voltigieren.

Es waren drei denkwürdige Anlässe: organisatorisch makellos und mit gutem Sport, einmal, 1997, mit einer Kontroverse, als in Hugo Simons Stallbox der Pferdepfleger mit einer Spritze erwischt wurde. Neben diesen drei FEI-Championaten wurden vom Reiter-Verein Mannheim und seinem Präsident Peter Hofmann vier deutsche Meisterschaften organisiert und 2015 durfte Mannheim für Aachen – das damals die EM durchführte – den deutschen CSIO ausrichten. Man feierte Mitte Juli 2015 auf dem Maimarktgelände den 100. deutschen Nationenpreis. Zu erwähnen ist allerdings, dass das Jubiläum nur zustande kam, weil man auch die zwölf Nationenpreise zählte, die seinerzeit in der DDR geritten wurden. Mannheim war der «gesamte» oder «westdeutsche» Nationenpreis Nummer 88 – und die Nummer 88 zählte man 2015 auch in der Schweiz, im St. Galler Gründenmoos.

Fehlender Glanz

Beim diesjährigen Wiederbesuch in Mannheim fehlte der Championatsglanz. Aber die drei und fünf Tage auf dem Turnierplatz des grossen Maimarktgeländes brachten schöne pferdesportliche Erlebnisse – dies selbst bei miserablem Wetter (Regen und Kälte). Das diesjährige 54. Maimarktturnier war aufgeteilt: zuerst drei Tage U-25-Dressur, Pony und Polo, dann nach drei Tagen Unterbruch fünf internationale Springtage sowie Dressur und Paradressur. Dabei endete der CSI Mannheim nicht etwa an einem Sonntag, sondern am traditionellen Schlusstag des Maimarkts, am zweiten Maidienstag. Der Maimarkt von Mannheim ist die grösste Verbraucherausstellung Deutschlands – man sagt sogar Europas. Diese findet jeweils ab dem letzten Samstag im April während elf Tagen statt. In 47 Hallen – darunter die grosse Maimarkthalle, wo 2000 voltigiert wurde – und auf einem grossen Freigelände präsentieren 1400 Aussteller auf 210000 Quadratmetern ihre Waren. Im Fertighauscenter stehen 40 Mus­terhäuser. 350000 Besucher werden jeweils in diesen elf Tagen gezählt.
Neben diesem riesen Marktgelände wird seit 1964 geritten. Organisiert wird der Anlass vom Reiter-Verein Mannheim, genauer gesagt von dessen engagiertem Präsidenten Peter Hofmann, dem Co-Geschäftsführer der Karl Berrang GmbH, einem Unternehmen der mechanischen Verbindungstechnik – lies Schraubenhändler. Peter Hofmann ist seit 1982 Präsident des Reiter-Vereins.

EM-Bronze für Melliger

Für die Europameisterschaft der Springreiter von 1997 wurde von der Stadt Mannheim, auch mit Subventionen vom Bundesland Baden-Württemberg und von der Bundesregierung, ein grosszügiges Richterhaus gebaut und die zehn Jahre zuvor erstellte Tri­büne verlängert. An jener EM von 1997 gewann Willi Melliger auf Calvaro hinter Ludger Beer­baum mit Ratina und Hugo Simon auf E.T. eine Einzelbronzemedaille. Aber in der Mannschaftswertung ging die Schweiz leer aus. Sie wurde Sechste hinter Deutschland, den Niederlanden und Grossbritannien. Es war, nach neun ununterbrochenen Medaillengewinnen von 1981 bis 1995, die erste EM ohne Podestplatz der Schweiz (in den acht EM 1981 bis 1995 hatte die Schweizer Equipe dreimal Gold, zweimal Silber und dreimal Bronze gewonnen).
Zehn Jahre später traf man sich wieder zur EM in Mannheim. Diesmal gab es keine Medaillen für die Schweiz: Meredith Michaels-Beerbaum wurde Einzeleuropameisterin vor Jos Lansink und Ludger Beerbaum. Die Niederlande gewann Teamgold vor Deutschland. Bronze ging an die Briten mit einer Familienequipe plus Immigrant: John und Michael Whitaker mit Nichte Ellen sowie an den aus Südafrika eingewanderten David McPherson.

EM-Silber für St. Galler Voltigierer

Die Voltigier-WM von 2000 auf dem Maimarkt war ein Topanlass: grosszügige Anlagen und aufs Allerbes­te finanziert. Nadia Zülow, die heutige Frau Ehning, holte sich nach 1998 ihren zweiten WM-Titel bei den Frauen – der Franzose Mathias Lang siegte bei den Herren. Bei den Mannschaften setzte sich der seit der ersten WM von 1986 in Bulle andauernde Zweikampf zwischen Deutschland und den Schweizern aus St. Gallen fort. Von 1986 bis 1998 hatten die Deutschen viermal, die Schweizer dreimal gewonnen (die Schweizer Siege waren 1988, 1990 und 1994). Jedes Mal hatte die andere Equipe die Silbermedaille geholt. In Mannheim siegten wieder die Deutschen, Silber ging an die St. Galler.
Im Grossen Preis von 2017, der traditionellen Badenia, siegte, zum zweiten Mal nach 2010, Christian Ahlmann. Erste Sieger waren 1964 Lothar Schnellhase und Walter Schmidt geworden. Damals gab es noch zwei Springen: eines für die Flieger (Zeitspringen), eines für die Steher (Jagdspringen) – als Reminiszenz an die Pferderennen früherer Jahrzehnte. Seither holten sich Hugo Simon (5), Alwin Schocke­möhle (3) und Franke Sloot­haak (3) die meisten Badenia-Siege. 2007 siegte als bisher einziger Schweizer Markus Fuchs mit Nirmette.

(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 23/2017)

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